Freitag, 3. Februar 2012

Stipendien statt Sozialhilfe – Jugendliche wirksam unterstützen


Zwei Drittel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Sozialhilfe beziehen, haben keineBerufsausbildung. Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) sieht Handlungsbedarf: Sieempfiehlt den Kantonen, das Stipendienwesen und die Sozialhilfe zu harmonisieren. Jugendliche, dieeine Ausbildung machen, sollen in Zukunft ihren Lebensunterhalt mittels Stipendien sichern können.

Die Prävention von Armut hat für die SKOS höchste Priorität. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wer in jungen Jahren keine Berufsausbildung abschliesst, trägt ein erhöhtes Armutsrisiko. Den Betroffenen drohen Langzeitarbeitslosigkeit und ein Leben in Abhängigkeit von der Sozialhilfe.Die Entwicklung ist bereits heute alarmierend: DieSozialhilfequote der 18- bis 25-Jährigen liegt mit vier Prozent deutlich über dem Durchschnitt.Insgesamt nimmt der Anteil der Sozialhilfebeziehenden ohne Berufsausbildung seit 2005 zu. 


 Existenzsichernde Stipendien


Mit ihrem aktuellen sozialpolitischen Vorstoss strebt die SKOS eine bessere Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Erwerbsleben an. Sie empfiehlt den Kantonen, das Zusammen- wirken von Sozialhilfe mit dem Stipendienwesen grundsätzlich zu überprüfen und dieses zu harmonisieren. Konkret: Die Ausbildung soll bei den Betroffenen ins Zentrum gestellt werden – und damit auch die Finanzierung des Lebensunterhalts. Wer eine Ausbildung macht, soll künftig nicht mehrSozialhilfe beziehen müssen, sondern von Stipendien leben können. Diese Neuerung entspricht aucheiner gewissen Systemlogik: Die Kernaufgabe der Sozialhilfe ist die Existenzsicherung.
 
Die Stipendien


 
hingegen müssen so ausgestaltet sein, dass auch junge Menschen aus bildungsfernen wirtschaftlich schwachen Familien davon profitieren können. Die Praxis des Kantons Waadt hat in diesem Zusammenhang Pioniercharakter. Der Grundsatz «Stipendien statt Sozialhilfe» wird dort seit mehr als fünf Jahren umgesetzt – dies mit grossem Erfolg.

Stipendienkonkordat läuft
Der Zeitpunkt zur Klärung der Zusammenarbeit zwischen Sozialhilfe und Stipendien ist zurzeit besonders geeignet.Verschiedene Kantone überprüfen im Rahmen des Stipendienkonkordats die Vor aussetzungen zur Gewährung von Leistungen sowie deren Höhe. Ziel ist es, die äusserst heterogenen
kantonalen Stipendiengesetze zu harmonisieren. Dieser Prozess bietet die Gelegenheit, auch das
Zusammenwirken von Stipendien und Sozialhilfe zu analysieren und entsprechende -Gesetzes
änderungen vorzusehen. Die SKOS sucht deshalb das Gespräch mit den Sozial- und Erziehungs-
direktorinnen und –direktoren (SODK und EDK). Ziel ist, gemeinsam Lösungen erarbeiten zu können.

Qualifikation verhindert Armut

Die SKOS hält einen Paradigmenwechsel im Bereich der Sozialhilfe für Jugendliche und junge
Erwachsene für erforderlich. Der Grundsatz «Stipendien statt Sozialhilfe» soll in allen Kantonen
umgesetzt werden. Es muss das Ziel jedes Jugendlichen und jeder Jugendlichen sein, eine berufliche
Grundausbildung abzuschliessen. Die berufliche Qualifikation erweist
sich als Schlüssel in der in der Armutsbekämpfung.