Man kann sich an dieser Stelle ruhig die Haare raufen. Denn verstehen kann man solch ein Urteil* nicht. Leider und zum Schaden und Nachteil aller Sozialhilfebezieher mit einem berechtigten Anliegen und normalen Umgang, wie es sich auf Ämtern eben gehört.
Gewalt
Doch offenbar gehen die Uhren anders, oder vereinfacht gesagt, derzeit sind den Gewaltausbrüchen am Amt, in der Familie, auf den Zuschauerrängen und in jugendlichen Kreisen offenbar nicht beizukommen. Ein solches Urteil trägt auch nicht dazu bei, den Respekt vor Menschen und Sachwerten von Dritten zu stoppen. Wobei hier offensichtlich zwei Arten von Gewalt zum Tagesgeschehen gehören. Die einen hauen aus Frust einfach auf alles was sich bewegt und bei drei nicht die Flucht ergriffen hat. Und die anderen, diejenigen auf den Ämtern, haben Schwierigkeiten mit den Autoritäten bei den Behörden die sich manchmal durchaus ihres Status bewusst sind. Wobei hier in den Schulungsprogrammen die eine oder andere Lektion zu fehlen scheint. Denn Anspruch auf Sozialhilfe ist ein verbrieftes Recht. Nur verteilt sie nicht der jeweilige Sachbearbeiter mit Geld aus seinem eigenen Sack, sondern es handelt sich um Steuergelder. Ja und Respekt sollte man schon auch mitbringen. Leider auch in Ausnahmefällen auf beiden Seiten.
Mögen dies auch Ausnahmen sein, so konnte ich doch beobachten, dass manche Mitbürger sowie schon Schwierigkeiten mit seinem Staus, seinem Leben und seinen gesellschaftlichen Niedergang hat. Ausgelöst durch Kündigung, Scheidung, Krankheit usw.. Es gibt für einen Schweizer nicht schlimmeres, als den Weg aufs Sozialamt zu gehen. Ich kenne Kollegen die schon Tage vorher nicht mehr schlafen können, Durchfall bekommen oder Migräneranfälle erleiden. Ein insgesamt nicht dialogfähiges Klima. Man will (muss??) ja die Sozialhilfebezieher erziehen sagen die Behörden, ohne aber den Bildungsauftrag zu meinen, um Ihnen wieder Tagesstrukturen zu geben oder diese erhalten. Sie wieder eingliedern, gemeinsam mit 15.000 ausgemusterten IV-Beziehern und 200.000 WorkingPoors die zwar Arbeit haben, aber damit nicht das Auskommen haben.
Das Urteil
Geht man nun weiter im Text, sieht man, dass der Richter dem Staatsanwalt gefolgt ist und anstatt Strafe für Verbalattacken und angeblichem tätlichen Angriff auf den Amtsleiter, eine ambulante Massnahme angeordnet hat. Die Kosten der Verhandlung und der Massnahmen übernimmt der Staat. Die Gemeinde Rickenbach rüstet auf und hat eine Glaswand im Kundenbereich eingezogen. Damit zeigt man für mich eine gewisse Hilflosigkeit. Jedenfalls darf es nicht zu körperlicher Gewalt kommen. Dies wäre wirklich zu verurteilen und entsprechend zu bestrafen. Schützen kann man sich als leicht entflammbarere Antragssteller, indem man zum Besuch eine Person seines Vertrauens mitnimmt. Sei es der zuständige Sozialarbeiter oder ein Familienmitglied.
Eines zeigt der Artikel natürlich wieder. Es sind im Prinzip nur Einzelfälle. Diese werden medial ausgeschlachtet und lösen so weitere Diskussionen in der Bevölkerung aus. Es darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass die betroffenen Mitarbeiter auf den Ämtern für sich eine lange Zeit an so einem Vorfall knabbern zu haben. Zwar werden sie anfangs freigestellt und betreut. Doch es kommt der Tag, wo sie wieder an ihre Dienststelle zurück müssen oder sich hinter die Front versetzen lassen müssen.
Es kann dann zu Überreaktionen kommen, wenn ein Mandant etwas abgehasstet im Büro erscheint und ihm dies als Aggression ausgelegt wird, wie ich aus einem konkreten Fall weis. Der Level zur Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft ist leider enorm gestiegen. Sei es im häuslichen Umfeld oder im Freizeitbereich. Und es ist sicher nicht nur Frust der hier Beihilfe leistet. Am Fussballrang muss man sich beweisen. Das Spiel ist sekundär. Die Züge der SBB zeigen Spuren der Verwüstung von an- und abreisenden „Fans“.
Wahrscheinlich trägt dieses Urteil nicht unbedingt dazu bei die Hemmschwelle höher zu legen. Ich bin aber überzeugt, dass nur Gefängnis hier ein gewisses Umdenken auslöst. Sozialstunden und „Massnahmen“ haben meines Wissens nach, nicht viel bei den betroffenen Personen verändert. Unsere Gesellschaft hat sich diesbezüglich zu ihrem Nachteil verändert. Mit zugehöriger Provokation kann mal der ein oder andere schnell ausrasten. Es mag der Leser selbst für sich entscheiden, müssen wir das weiter akzeptieren oder kapitulieren wir vor einer Kuscheljustiz. Für das Klima im Lande wäre es sicher förderlicher, wenn hier von oben aus neutral und parteiunabhängig die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt werden. Zum Schutz jener, die in Ruhe ihrem Alltag verbringen möchten, ebenso umgkehrt für diejenigen, welche auf Hilfe angewiesen sind. Der Gang zum „Amt“ ist für manche schon Strafe genug. Also bitte nicht alle in einen Topf werfen und dann darüber herziehen.
