Dienstag, 3. Januar 2012

Das fröhliche Alter


Von der Ungerechtigkeit der Welt. Und was dagegen unternommen werden kann.

1. Zwei Zeitungsartikel vom selben Tag: Der eine widmet sich der Fürstin Marianne zu Sayn-Wittgenstein-Sayn1), die, so lesen wir, 92-jährig in Salzburg von einer Festspielveranstaltung zur anderen hüpft, ohne Ermüdungserscheinungen und elegant gekleidet, toll frisiert, mit roten Lippen. Gefragt, was das Geheimnis ihrer Jugendlichkeit sei, antwortet sie, das sei ihre Freude am Leben, die sie trotz Schicksalsschlägen nie verloren habe.

Der andere, eine Seite davor, hat den Titel: 80-Jährige steckte drei Tage mit Kopf im Klo fest. Eine alte Frau aus Vöcklabruck, so erfahren wir, sei nach einem Schwächeanfall gestürzt und mit dem Kopf in einem ­schmalen Spalt zwischen Kloschüssel und Wand stecken geblieben. Nach drei Tagen hätte eine Nachbarin ihre Hilfeschreie gehört und Rettung sowie Feuerwehr alarmiert. Die Welt ist ungerecht, und selten kriegt man das so konzentriert auf der Vorder- und der Rückseite eines einzigen Zeitungsblatts vor Augen geführt.

Eh klar, wer unser Role Model für den eigenen Lebensabend ist. Nicht die arme Frau mit dem Kopf im Klo. Kann man sich nicht aussuchen, wissen wir. Aber weil wir dieses Wissen schlecht ertragen, ertappen wir uns bei der Überlegung, dass Freude am Leben vielleicht ja doch hinlänglich vor Stürzen und Hilflosigkeit und Krankheit schützt. Hat sich möglicherweise zu wenig am Leben erfreut, die 80-Jährige aus Vöcklabruck. Nicht positiv gedacht. Die Frisur vernachlässigt.

Nein, das ist nicht gehässig gemeint. Frau Sayn-Wittgensteins gute Verfassung ist ein Geschenk, für das sie sich nicht rechtfertigen muss. Allerdings ist ihre Jugendlichkeit auch kein Verdienst. Freude am Leben hin oder her, wenn der Stoffwechsel oder die Muskeln oder das Hirn w. o. geben, richtet auch entschlossene Lebenslust nichts gegen einen Absturz aus. Das Geschenk eines guten Zustands im hohen Alter kommt von der Natur, aber nicht nur. Und es kommt möglicherweise von einem vernünftigen Umgang mit dem eigenen Körper, aber nicht immer, nicht zwangsläufig und keineswegs ausschließlich  (weiterlesen im Profil.at)

m.f.G. Autorin  Elfriede Hammerl Profil.at