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Fortsetzung des gestrigen Beitrages |
Welchen Auftrag haben eigentlich unsere Medien, um zu den teils menschenunwürdigen Zustände bei den Medas bzw IV-Erhebung zu berichten. Sicher gibt es Interessenten für die Liebes- und Tageserlebnisse von A-C-Prominenz. Die wenigen, die offenbar noch Abos abschliessen. Nur wenn ich mir das Verhältnis anschaue, wie gering über die aktuelle, umstrittene IV-Revision berichtet wird, so sehe ich darin eher eine Rosinenpickerei. Richtig ernst ist es wenigen. Die tausenden anderen Fälle laufen abseits der Öffentlichkeit ab und nehmen oft einen tragischen Ausgang, wie der jüngste Bericht auf dem Blog IV-Info unter “Mitarbeiter der Medas Insel Bern erhielten Bonuszahlungen «im mittleren fünfstelligen Bereich“ zeigt. Wer diesen Beitrag gelesen hat, stellt sich zwangsweise im Anschluss zwei Fragen. Was ist das Leben eines erkrankten oder behinderten Menschen in unserer Gesellschaft noch Wert. Auch unter dem Aspekt der Gesundheitsreform 2012 und blutige Entlassungen.
Legen wir dazu als kleinen Denkanstoss einen der geschilderten Fälle zu Grunde :
In einem Fall wurde ein 50-jähriger Mann begutachtet, der seit über zwanzig Jahren an Morbus Bechterew, einer chronischen, nicht heilbaren Wirbelsäulenkrankheit litt. Er war eine Woche stationär im Inselspital zur Begutachtung, klagte über massive Rückenschmerzen, konnte kaum mehr gehen, doch auch da fanden die Medas-Ärzte keine Ursache. Kaum daheim, brach er mit einem Nierentumor zusammen, er hatte bereits Metastasen im Gehirn, wurde operiert und starb als Folge des Tumors. Der Tumor war trotz klarer Klagen weder abgeklärt noch gefunden worden.
(Unser aufrichtiges Beileid an die Verwandten)
9000.- Franken ermöglichen es in unserem hochmodernen Gesundheitssystem nicht mehr, einen Menschen, über dessen IV-Antrag man eigentlich ein Gutachten abgeben sollte, so zu untersuchen, damit man dessen Gesundheitsstatus wahrheitsgemäss und fachlich fundiert erhoben wird. Warum thematisiert die Presse nicht solche Fälle, umso mehr es für die teils eingeflogenen deutschen Ärzte und Medasärzte, zu jedem Gutachten noch einen finanziellen Bonus gibt oben drauf. Darf Bürger A nicht, was Bürger B zum Rücktritt zwingt ? Aber nein, natürlich nicht, das Bundesgericht wird jedenfalls nicht müde, zu behaupten, dass die finanzielle Abhängigkeit der Medas von der IV absolut gar keinen Einfluss auf deren Gutachten haben. Wirklich nicht.(Zitat IV-Blog)
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Nur für wen gilt das ? Lassen sich solche Begutachtungsfälle von der Presse nicht Auflagen steigernd verkaufen ? Möchte darüber der geneigte Leser überhaupt wissen. Sind Dschungelcamp, Brust-OP`s und VIP-News interessanter als ein lebenswertes Fortkommen und Dasein eines erkrankten Menschen. Sind wir wirklich schon so abgebrüht, dass nur mehr medial aufbereitete Fäle unsere Aufmerksamkeit erregen. Oder verdrängen wir das lieber, weil so etwas könnte uns langfristig in der eigenen heilen Welt belasten. Sind es nur mehr die Katastrophen mit tausenden Toten die unser Gefühlswelt in Schwingungen versetzen. In zahlreichen Leserbriefen liest man heraus, die Presse sollte wieder mehr recherchieren, anstatt Agenturmeldungen unter die Leute zu bringen. Es fehlt einfach das Fleisch am berühmten Knochen.
Ist Recherchieren Luxus ?
Glauben sie mir, je kränker sie sind, desto weniger Freunde haben sie. So sinkt für diese, die Gefahr, dass sie um irgendwelche Hilfe gebeten werden. Es gibt ja tatsächlich noch Leute, die der Meinung sind, Krebs kann durch einen Händedruck übertragen werden. Ja und im Pflegebereich trifft man immer mehr ausländische Betreuer an. Jenen Ausländer, welche die SVP am liebsten gar nicht erst im Lande hätte. Nur schützt man mit den Parolen keinen Arbeitsplatz, sondern verschlimmert die Situation im Pflegebereich. Das gilt auch für Schlossherren und solche die es noch werden möchten.
Blogger werden als Hobbyjournalisten, nein sogar Feierabendschreiber von ihren realen Kollegen benannt. Nur finde ich auf manchem Blog mehr Hintergrundinformation als in der Tagespresse. Blogger schreiben von der Basis, vom realen Leben - mitten aus dem Leben. Nicht von einer künstlichen Schweinwelt, wo es nur Reiche und Schöne gibt. Dieses Leben kann man nicht mit ein paar Buchstaben twittern. Da muss mann/frau schon etwas Zeit mitbringen und lesen. 5 Minuten ohne ein Knöpfchen zu drücken. Uihh - bin ich noch IN?
Deshalb bin ich froh, dass es noch engierte Blogger/innen gibt, die sich des Schicksals und dem Alltag der Menschen im Schatten der Gesellschaft annehmen. Denn sonst würden Auswüchse wie oben erwähnt, komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Folgen für irgendjemanden passieren. Eine der wenigen Zeitungsausnahme scheint die Bernerzeitung zu sein. Ja ab und an der Tagesanzeiger. Beim Blick verkommt so etwas es zum Boulvardveriss. Wo bleiben hier die Schweizerischen Tugenden, die das Land zu dem gemacht haben, was es heute ist. Dialog statt Monolog.

