Donnerstag, 29. September 2011

Der Casting-Schreiber

Vor zwei Jahren schrieb ich als Reaktion auf einen Tagesanzeiger-Artikel den nachfolgenden Beitrag. Inzwischen wissen wir ja, dass die Karriere der Angeprochenen eine steilen Weg nach oben genommen hat. Dieser Tage begann wieder einen neue Castingshow bei RTL namens DSDS. Dieter Bohlen, einer der menschenverachtensden Jurymitglieder im deutschen Privatfernsehen, wird sich wieder an vielen Schäfchen seiner Herde, die angetreten sind um im Rampenlicht zu stehen, wie gewohnt in teils Fäkalsprache äussern. Wobei sich die Frage mit wem man mehr Mitleid haben sollte, mit einem erwachsenen Machotypen der seinen Grenzen nicht kennt, oder die zahlreichen juristisch unberatenen Opfer, die für den Fall der Fälle Knebelverträge unterschrieben haben, deren Auswirkungen sie gar nicht abschätzen können.

Die jungen Menschen werden vorgeführt.

Sicher möchten sie es so. Sie wissen, was sie erwartet. Also kein Mitleid. Ich denke aber, dass der grösste Teil sich nicht in seinen künsten Träumen vorstellen kann, wozu er sich hier hergibt, wenn er an solchen Shows teilnimmt. Bestimmte Zuschauergruppen haben ihre helle Freude. Erinnert irgendwie an das alte Rom und die Gladiatorenkämpfe. Nur die mussten tun, was getan werden musste. In zwei Jahren hat  sich nicht viel oder gar nichts geändert.  Die sonst so skandalsüchtigen Medien berichten wenig bis gar nicht, wie es den zahlreichen Abgewiesenen von damals heute geht.

Die Casting-Show "Supertalent" ist eine Mitleid-Show (Archiv IM - Mediennachlese 2008)

Ein Handy-Verkäufer mit krummen Zähnen (?) singt Opern-Lieder, ein behinderter Sozialhilfeempfänger spielt Mundharmonika. Beide werden berühmt. Bei Casting-Shows obsiegt nicht das Talent, sondern das Mitleid. So die Schlagzeile im gestrigen Tages-Anzeiger.

In meinen Augen ist dieser Artikel eine totale Entgleisung eines überheblichen Radakteurs. Dem pflichten viele Kommentatoren ebenort bei. Wenn wir beginnen vor der Leistung, und sei sie noch so klein, vorher den persönlichen Hintergrund zu checken, dann sind wir arm dran. Warum gibt es Menschen, die sich auf diese Art ins Licht schreiben wollen und nicht einmal für das Schattendasein predistiniert sind. Wie schrieb doch ein Herr W.K. in seinem Kommentar: Er hätte meine Stimme erhalten, er hat mein Herz gerührt. Wegen seiner Musik, nicht wegen seines Schicksals. - Die Kritik ist von einem überheblichen Banausen geschrieben worden.

Es gibt zahlreiche Beispiele, dass auch Sozialhilfemepfänger durchaus befähigt sind, grosse Dinge auf die Beinen zu stellen. Sowie z.B. Joanne K. Rowling mit Harry Potter, die noch heute auf Erfolgskurs steuert. Oder der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der es aus sozial ärmlichen Verhältnissen bis zum Kanzler brachte. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen.

Besonders störend finde ich die Betonungen ein Handy-Verkäufer mit "krummen Zähnen", oder die Betonung "ein behinderter Sozialhilfeempfänger ". Als ob es nicht schon reichen würde, nur auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Dazu muss man die Situation eines Sozialhilfempfängers überhaupt verstehen und auch danach leben. Ausserdem würde ein gewisser Herr Maurer in dieser Situation von der Redaktionsleitung des Tages-Anzeigers alle Entschuldigungen für solche geschriebene persönliche, freche Beleidigungen und Abwertungen fordern.

Zitat R.B: " Einem Paul Potts oder Michael Hirte bei einer Casting-Show die Stimme zu geben beziehungsweise eines ihrer Konzerte zu besuchen, löst ein Zufriedenheitsgefühl aus, wie ein Fünfzigernötli in den Heilsarmee-Topf zu werfen ". Wie einfach gestrickt ist doch der Kollege der schreibenden Zunft gestrickt, wenn er sein Befriedigungspotential auf diesem Niveau zu Paier bringen muss.

Damit stellt er alle Spendensendungen der Fernsehanstalten auf dieselbe Stufe. Mir hat es gefallen. Mich hat es überzeugt, dass es auch heute noch möglich ist mit einfachen Mitteln Unterhaltung und Freude zu bereiten. Ohne grossen Technikeinsatz, ohne Playback und ohne das ich die Batterie aus meinem Hörgerät entfernen muss.

Nicht jedem ist es möglich in den Olymp des Berufalltages aufzusteigen. Auch einfachere Menschen, die deshalb nicht Menschen zweiter Klasse und Freiwild sind, haben Anspruch auf Anerkennung ihrer Leistung. Egal ob sie hässlich, dick, behindert, krumm oder blind sind oder sich nicht die erwünschten Designerzähne leisten können. Man kann sich sicher in eine Traumwelt flüchten, wo nur Milch und Honig fliesst. Eine Traumwelt mit falscher Ideologie und Schönheitsidealen. Menschlichkeit hat dabei denselben Kurswert wie derzeit die Aktien auf den Weltmärkten.

Man kann sicher da und dort anderer Meinung sein. Dann sollte man aber nicht Menschen runtermachen und der Lächerlichkeit preisgeben, wenn man selbst auf der Kanonenkugel sitzt.

Dienstag, 27. September 2011

Faires IV-Verfahren

Bundesgericht entscheidet über die Zulässigkeit von Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS)

Die II. sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts hatte den Fall einer Frau zu beurteilen, welche im Jahr 2003 einen Verkehrsunfall erlitten hatte. Die IV hatte gestützt auf ein Gutachten der Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) entschieden, der Betroffenen keine IV-Rente auszurichten. Die Frau zog den Fall bis vor Bundesgericht. Dieses hiess die Beschwerde mit Urteil vom 28. Juni 2011 gut.

Der Fall bot Gelegenheit, die Stellung der MEDAS rechtlich genauer zu beleuchten. Insbesondere
prüfte das Bundesgericht, ob die von der Bundesverfassung (Art. 29 Abs. 1 und 2,Art. 30 Abs. 1 BV) und der Europäischen Konvention für Menschenrechte (Art. 6 Ziff. 1 EMRK) gestellten Anforderungen an ein faires Verfahren eingehalten sind.

Die seit 1978 bestehenden Medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) erstatten den IVStellen inter disziplinäre Gutachten. Diese sind in komplexen Fällen die medizinische Grundlage für die Beurteilung der Rentenansprüche.

Die Verfassungs- und EMRK-Konformität der MEDAS wurde in jüngster Zeit unter Berufung auf ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. iur.Jörg Paul Müller und Dr. iur. Johannes Reich vom 11. Februar 2010 zunehmend in Frage gestellt. Der Fall bot Anlass, die Verhältnisse bei den derzeit 18 MEDAS abzuklären und gestützt darauf die Rügen im Lichte der rechtlichen Grundlagen, auch rechtsvergleichend, einer näheren Prüfung zu unterziehen.


Mit Urteil vom 28. Juni 2011 kommt das Bundesgericht zum Schluss, dass der Einsatz von MEDAS grundsätzlich verfassungs- und EMRK-konform ist. Wegen systemischer Gegebenheiten (u.a. Art von Auftragsvergabe und -abgeltung) sowie in den letzten Jahren schlechter gewordenen Rahmenbedingungen braucht es zur Gewährleistung der Unabhängigkeit der MEDAS rechtliche Korrektive.

Das Bundesgericht appelliert einerseits an Verordnungsgeber, Aufsichtsbehörde und Durchführungsstellen, auf administrativer Ebene verschiedene Massnahmen einzuführen (Vergabe der Gutachtensaufträge an die MEDAS nach dem Zufallsprinzip; Mindestdifferenzierung des Tarifs; Verbesserung, Vereinheitlichung und Transparenz der Qualitätsanforderungen). Andererseits werden Partizipationsrechte und gerichtlicher Rechtsschutz der versicherten Person gestärkt: Gutachtensanordnung bei Uneinigkeit durch anfechtbare Zwischenverfügung; Einräumung von Mitwirkungsrechten vorgängig der Begutachtung; direkte Anordnung einer medizinischen Begutachtung im Beschwerdeverfahren, wenn das kantonale Versicherungsgericht (bzw. das Bundesverwaltungsgericht)eine Abklärungsbedürftigkeit feststellen.

Medienmitteilung des Bundesgerichtes ( Urteil vom 28. Juni 2011 (9C_243/2010)

Montag, 26. September 2011

Der Blogger - eine Momentaufnahme

Nun, die Bloggerszene scheint im Aufbruch. Die sogenannten sozialen Netzwerke gewinnen an Oberhand. Mit wenigen Worten drücken die Benutzer aus, was sie beschäftigt, was sie machen, wozu sie stehen oder sie wollen einfach auf sich aufmerksam machen und um Freunde buhlen.

Bloggers Beiträge sind jedoch für mich wertvoller, weil man sich hier nicht auf wenige Buchstaben beschränken muss. Jeder der möchte und darf, kann sie lesen. Man muss nicht Mitglied sein. Selbst auf die Gefahr hin, dass man bei ausführlicheren Artikeln nicht gelesen wird. Über den Mehrwert oder Minderwert solcher Einträge kann man sicher streiten. Erinnert mich ein wenig an meine CB-Funkerzeit in den 70-ern. Damals war eine der meist gestellten Fragen :“Wie komme ich bei dir an ?“ und „ Wo bist du ?“.

Was manchen der damaligen CB-Funker mit vielen Blogschreibern verbindet, ist ihre Anonymität. Man konnte zwar erkennen mit welcher Stärke der Kollege ankam, man wusste aber nie, wer wirklich hinter dem Mikrofon sitzt und von wo er funkte. Die Blogger der Schweiz haben ja in den Anfangsjahren immer wieder versucht sich zu organisieren, Richtig daraus etwas geworden ist es aber nie. Was bleibt sind neben den zahlreichen kompetenten Bloggern und Webseiten die anonymen Blogger oder jene Blogger/innen welche ihren Blog, wenn zwar im bescheidenen Rahmen, als Einnahmequelle benutzen in dem sie für Trigami o.ä. Beiträge zu Dingen des Alltags verfassen. Dabei kann es einem schon passieren da so ein Blog zweigleisig läuft. Wie denn ? Nun ja, wenn es um Klickzahlen geht, darf jedermann und Frau den Blog besuchen und mitlesen. Ansonsten kann man sich zum Lesen von Beiträgen nur per Passwort einloggen. Der gemeine Blogger wird solcherart für kommerzielle Zwecke missbraucht. Er/sie darf aussen vor bleiben.

Ein zweites Phänomen sind Blogger, die sich hinter einem Pseudonym verstecken. Spricht oder schreibt man dabei von seiner Frau, welche sicher einen schönen Vornamen trägt, steht dann einfach “my wife“. Dabei schaffen es solche Blogger noch zu einer der wenigen Auszeichnungen der Schweizer Bloggerszene von Antrazit als beste Webseiten der Schweiz erkoren zu werden. Bedenklich wenn ein Medium Anonymität auf solche Art auszeichnet. Zwei Beispiel die zu denken geben. Dabei haben wir doch die Meinungsfreiheit im Lande. Demokratie muss eine freie Meinungsaäusserung aushalten, sonst lasse ich es.

Der Wechsel vom Bloggen zu Facebook bringt, wenn man die Meldungen darüber liest, auch nicht die Erfüllung. Im Gegenteil. Internet scheint für die Ewigkeit und bei Bewerbungen kann man sich mit der einen oder anderen Jugendsünde leicht um seine Chancen bringen. Viele wählen aber bewusst Facebook um einerseits dazu zu gehören und ausserdem über viele zahlreiche virtuelle Freunde zu verfügen. So mehr oder weniger ein Adelstitel umso höher deren Anzahl. Und trotzdem musste Facebook sich jetzt radikal erneuern um vom Mitbewerber Google + nicht überholt zu werden. Der Datenhunger treibt schon seltsame Blüten.

Ich habe immer mit offenen Visier gebloggt. Dabei ging es weniger um Ranking oder Auszeichnungen sondern um die Menschen im Schatten der Gesellschaft, für die wir versucht haben zu lobbieren, zu helfen. Das wahre Leben sozusagen. 2006 erhielten wir überraschend von Reporter ohne Grenzen und der DW eine einmalige Auszeichnung als einziger Schweizer Vertreter beim jährlichen BobAwards, wo Fachleute unter anderem unsere Arbeit anerkannten. So gesehen eine Medienauszeichnung ohne kommerziellen Hintergrund.


Wahrscheinlich bin ich durch meine schwere Krankheit schon zu müde um mich noch um die neuen Sozialwerke zu kümmern. Erste Einblicke haben mir aber gezeigt, dass ich da noch nicht allzu viel versäumt habe. Nur ärgerlich, wenn mich die Medien und Fernsehsender zwingen wollen, Facebook oder Twitter zu benutzen um mich mitzuteilen oder einen Meinungsaustausch zu führen. Zuerst stirbt das Fax, bald das E-Mails und bald schweben wir nur mehr in Wolken. Heute redet fast niemand mehr über CB-Funk – künftig bald niemand mehr über die Bloggerszene. Lässt sich Meinungsvielfalt künftig nur mehr dank der neuen Medien und Netzwerke transportiere ? Ich hoffe nicht.

Kommunikation zweinull - Soziale Netzwerke: 8 Tipps für einen guten Umgang miteinander

Freitag, 23. September 2011

Lügen, Täuschen und Verdecken

Der Wahlkampf läuft auf volle Touren. Am Bundeshausplatz steht ein Glascontainer des SF, worin Politiker/innen via Rundfunk und TV die Möglichkeit haben, sich und ihr Wahlprogramm in 2 Minuten vorzustellen. Nicht viel, um es wirklich auf den Punkt zu bringen. Wobei einem mehr und mehr der Verdacht erfüllt, hier wird auch sehr viel geflunkert. Manches klingt phrasenhaft und einstudiert. Oft gehört. Ein Beispiel das Statement von Frau N.Rickli. Hätte man die Augen geschlossen, dann hätte die 2 Minuten jeder andere SVP-Politiker/in es so hingehaspelt.  

Das bringt mich zu dem Gedanken, was von den diversen Parteiprogrammen ist geflunkert, was ist ernst gemeint ? Entstand aus der Situation des Interviews. Wie vieles  davon ist ehrlich, überzeugend, so gemeint wie gesprochen, wie viel wird gelogen?

Lügen, Täuschen und Verdecken

Man geht in der Psychologie davon aus, dass Lügen lebensnotwendig sind, denn sie dienen dazu, das Selbstwertgefühl zu erhöhen und einen leichteren Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu ermöglichen bzw. weil sie auch das Miteinander mit anderen Menschen erleichtern. In den 70er Jahren hat der amerikanische Psychologe John Frazer Alltagsgespräche analysiert und die bis heute nicht unumstrittene These aufgestellt, dass Menschen etwa zweihundertmal am Tag lügen, wobei Wahrheit auch in der Lügenforschung nicht eindeutig definierbar ist. Im Alltag lügen Menschen meist aus prosozialen Gründen, oder um das Gesicht zu wahren, eher seltener aus antisozialen Absichten, denn prosoziale Lügen helfen, dem Gegenüber ein besseres Gefühl zu geben. Nur mit den antisozialen Lügen nimmt man in Kauf, dass sie Schaden beim Gegenüber oder einem Dritten anrichten. Zwar gibt es Menschen mit einer pathologischen Neigung, die Unwahrheit zu sagen, doch denen begegnet man eher selten. Übrigens: Die einzigen Menschen, die sicher nicht lügen, weil sie nicht in der Lage dazu sind, sind Autisten, denn ihnen fehlt die Wahrnehmung für das soziale und emotionale Miteinander (Teilquelle: WernerStangel)

Es wird die Realität mehr oder weniger verzehrt. Ist das im Wahlkampf legitim. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass zwischen Wahlzeit und Alltagspolitik oft riesengrosse Unterschiede bestehen. Manche Programmpunkte verschwinden komplett aus den Agenden. Sicher verändert sich die Weltpolitik fast täglich und nimmt Einfluss auf die Tagespolitik. Aktuelles Beispiel der Frankenkurs zum Euro. Aber sind es nicht gerade diese Ereignisse die flexible Politiker verlangen, die ihre Statements vor der Presse runterleiern wie ein Tonbandgerät. Sind dass die Politiker, denen wir mit unserer Stimme unser Vertrauen geborgt haben und die es nicht so zu schätzen wissen, wenn die Wahlen vorbei sind. Heute wird von jedem Arbeitslosen Flexibilität verlangt. Wie flexibel sind die Politiker/innen. Was ist ihre persönliche und was die der Partei. Welchen Einfluss haben Lobbyisten?

Das einzig Wahre ist ihr Stimmrecht

Wir haben lernen müssen, mit diesen Widersprüchen der Politik zu leben. Leider betrifft es immer die Schwächsten in der Gesellschaft. Sie sind die ersten Opfer von diesen Selbstlügen. Ohne Lobby haben die Menschen im Schatten der Gesellschaft wenig Chancen die Situation zu ändern. Eines aber bleibt ihnen – das Stimmrecht. Nutzen sie es. Es ist ihre Chance. Und die heisst es einzusetzen, die Wahlbeteiligung zu erhöhen und den Tarif durchzugeben. Vielleicht wird es dann im Land sozial gerechter und wir hören künftig weniger Lügen und Ausflüchte. Dass musste auch einmal gesagt werden.    

Donnerstag, 22. September 2011

Gegen Ausgrenzung

In einem Monat geht es wieder an die Urnen. Mit der Kampagne «Fairplay im Wahlkampf» wollen die Initianten ein klares Zeichen setzen gegen Ausgrenzung, Diffamierung und Rassismus im Wahlkampf. Für einen Wahlkampf ohne Diskriminierung und Rassismus! 

Bei den laufenden SVP-Kampagnen sicher nicht so weit hergeholt. Es geht einfach um die Sache. Es geht nicht nur um Zuwanderung - sondern auch um Themen wie leistbarer Wohnraum für alle Bürger der Schweiz, eine IV-Revison ohne Hammermethode und Fairplay im politischen Alltag. Wir vom Infomagazin (Team Projekt) setzten uns seit mehr als 20 Jahren mit unserer Projektarbeit für Fairplay im Alltag ein. Speziell für Menschen am Rande der Gesellschaft. Aber auch für ein faire IV-Revision. Politik braucht Innovation und nicht politisch abgedroschene Phrasen. 

Montag, 19. September 2011

Perspektiven


Ursula Fuss sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Doch sie sieht ihre Behinderung nicht als Einschränkung sondern nutzt die neue Situation für den Job: Als Architektin hat sie sich auf die Planung und Entwicklung barrierefreier Gebäude spezialisiert. (www.diegesellschafter.de)

Barrierefreiheit endet nicht an der Wohnungstür !

Dienstag, 13. September 2011

Warum Evas Mutter kein Essen auf Rädern und keine Arzt-Hausbesuche braucht.

(IM) Der dieswöchige Profilartikel von Frau Elfriede Hammerl /Profil.at zeigt an einem Beispiel auf, was täglich heute in den ein oder anderen Familienhaushalten mit einem Senior abläuft. Wenn Kinder zu Leibeigegen werden, oder die Mutter oder der Vater jegliche Hilfe von aussen, sei es Spitex oder ähnliches, ablehnt. Meistens ist es eine/r von mehreren Geschwistern die zur Pflege, Besorgungen und Arztbesuchen erkoren wird. Sie ist es dann, die einzige, die von der Mutter wenn nötig, zur Hilfe aufgerufen wird. Nicht selten leidet der Familienfrieden des "Helfers" wider Willen. Nicht das man nicht gerne hilft. Aber waruum immer ich. Da wären doch noch der Hans, die Mitzi oder die Vanessa, ja und die sozialen Dienste.  .............................

Rücksichten

Im Grunde geht es um Kleinigkeiten. Und doch. Am Beispiel einer Frau, nennen wir sie Eva. Eva hat eine sehr alte, aber einigermaßen rüstige Mutter, die allein lebt und das auch möchte. Eva selber ist Mitte fünfzig und berufs­tätig. Wenn Not am Mann beziehungsweise an der Frau ist, wird sie von ihrer Mutter zu Hilfe gerufen. Das findet sie prinzipiell durchaus in Ordnung, was sonst. Bleibt allerdings die Frage, wie Not und wie Hilfe definiert werden.

Evas Mutter legt Wert auf Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Sie braucht keine mobilen sozialen Dienste und kein Essen auf Rädern. Einmal in der Woche kommt eine Bedienerin, das reicht, und wenn sie was Medizinisches benötigt, wendet sie sich an ihren Hausarzt, einen netten und kompetenten Allgemeinmediziner.

Evas Mutter ist allerdings auch eine rücksichtsvolle Frau. Deswegen mag sie die Bedienerin nicht bitten, die Fenster zu putzen, die Arme plagt sich eh genug in anderen Häusern, bei ihr soll sie es leichter haben. Auch sämtliche Angebote der Nachbarin, ihr Lebensmittel aus dem Supermarkt mitzubringen, schlägt sie aus. Und nie würde sie den lieben Herrn Doktor zu sich nach Hause kommen lassen, wenn sie krank ist. Der liebe Herr Doktor muss schon genug Haus­besuche machen, da will sie ihm nicht auch noch zur Last fallen. Stattdessen: Anrufe bei Eva. Könntest du mich zum Arzt bringen, Liebes? Würdest du mir was einkaufen? Wenn du das nächste Mal vorbeikommst, sei doch so lieb und wisch mir schnell über die Fenster. Und so weiter. Evas Mutter ist rücksichtsvoll zu aller Welt, weil sie schließlich eine Tochter hat. Evas Mutter braucht keine Hilfsdienste, weil Hilfsdienste nur was für anhanglose Menschen sind. (mehr)

(mfG)
Autorin : elfriede.hammerl@profil.at
www.elfriedehammerl.com

Montag, 12. September 2011

Abweisen anonymer Anrufe

Mal stürzt man(n)/Frau zum Telefon, weil man einen wichtigen Anruf erwartet. Da schaut man natürlich nicht noch zuerst aufs Display, wer da anruft - schon nach dem 4mal klingeln. Ja und übersieht dann glatt, dass jemand anruft, der seine Nummer unterdrückt, dh. sie scheint nicht im Display auf. Meistens sind es sowieso Werbeanrufe, die man nicht mehr los wird. Einfach lästig. Zuletzt kam mir einer frech, nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht habe, nicht mit Leuten zu sprechen, die ihre Nummer unterdrücken. Hatte irrtümlich abgehoben. Kurzer Kommentar der Gegenseite : " Ja was heben sie dann überhaupt ab!".

Der Mensch lernt.

Dank dem Gratisdienst der Swisscom hat man jetzt künftig seine Ruhe vor solchen Anrufen. Mit dem Telefon-Zusatzdienst Abweisen anonymer Anrufe werden alle Anrufe mit unterdrückter Rufnummer (d.h. Anrufer, die Ihre Rufnummer nicht bekannt geben wollen) abge-wiesen. Sobald dieser Telefon-Zusatzdienst eingeschaltet ist, bekommt der Anrufende, welcher seine Rufnummer unterdrückt, folgenden Sprechtext zu hören: «Der Swisscom Kunde wünscht keine Anrufe mit unterdrückter Rufnummer». Auch der Zeitpunkt ist toll gewählt. Entweder sitzen die Leute am Mittagstisch oder beim Abendessen. Da ist es dann schon möglich, dass einem der Apetit vergeht. Grundsätzlich bestelle ich nichts via Telefon und treffe auch keine immer gearteten Terminvereinbarungen.

Plötzlich ist es rund um`s Telefon bedeutend ruhiger geworden. An der Tür schaue ich vorher durch den Spion. Doch die Brüder stellen sich oft so weit seitlich, dass man sie nicht immer sieht. Dann lasse ich unseren Hund, einen Schäfermischling, die Unbekannten begrüssen. Es reicht schon der Anblick und die meisten ziehen ab. Irgendwann bringen wir es noch auf die Reihe, die täglichen lästigen Spams über Swiss-Besteck, Socken die man nicht mehr wechseln muss, Uhren, Viagra, Nigeria und was weiss ich noch alles, ebenso zum Stillstand zu bringen.

Dann wäre noch der Briefträger. Irgendwie hat er es bis heute nicht verstanden, dass wir keine Rechnungen haben wollen. Im Moment nutzt das allerdings wenig. trotz des Klebers " Bitte keinen Rechnungen, nur Barcheck`s". Regelmässig füllt er den Briefkasten mit diesen orangen Dingern, als wäre wir eine Bank. Nicht einmal ein Tässchen Kaffee kann ihn umstimmen. Aber eines Tages werden wir auch das noch schaffen. Dann haben wir endlich unsere wohlverdiente Ruhe in den vier Wänden. Und das ist uns schon einiges wert. Derzeit bin ich ja am basteln eine Störsenders gegen die laute Musik von oben und unten. Klappt nicht ganz. Gut Ding braucht weil.

Swisscom : Zusatzdienste
Werbeanrufe : Blog

IM-Blogarchivnachlese

Sonntag, 11. September 2011

Zumutbarkeit eines kranken Antragstellers

(IM-Blogarchiv) Der Zugang zur IV ist schwieriger geworden. Das liegt nicht nur an den höheren Zugangshürden, nein, die Versicherten selbst werden mehr zur aktiven Mithilfe in Eigenverantwortung einbezogen. Was immer das auch heissen mag. Das Zauberwort nennt sich auch Zumutbarkeit.

Was darf man sich als nicht Fachmann darunter vorstellen ? Bis jetzt läuft ja vieles nicht rund. Auch beim Defizit gibt es trotz weniger zugesprochenen Renten noch keinen sichtbaren finanziellen Erfolg. Die IV steht nach wie vor in Kritik.

Fachleute wie Ärzte, Juristen und Berater werfen ihr sogar vor, sie verliere das gesunde Augenmass und es komme zu ungerechtfertigten Entscheiden. Es kommt zu weit mehr gerichtlichen Auseinandersetzungen, die nicht selten zu Gunsten der Versicherten ausgehen.

Was also an reduzierten Rentenzusagen eingespart wurde, wird, frisst der Verwaltungsaufwand wieder auf. Derzeit könnte man von einer Pattstellung sprechen. Wären da nicht die eigentlichen Verlierer – nämlich die Betroffenen, die die Suppe auslöffeln müssen, welche andere eingeschenkt haben. Zum Glück für die IV verfügen nicht alle abgewiesenen über die nötigen finanziellen Mittel ihren Fall weiterzuziehen. Die Gerichte wären auf Jahre überlastet.

Man muss natürlich sicher objektiver Weise der IV zu Gute halten, dass gespart werden muss. Es muss gelingen das Defizit langfristig zu reduzieren. Erste Lehrstunde in Betriebswirtschaft, Leistungen einschränken. Ergo mutet man den Versicherten mehr zu und bindet sie mit ein. Das mag ja in den ein oder anderen Fall zum Erfolg führen, garantiert aber keinesfalls einen gerechte Lösung für alle beteiligten. Das Ganze nennt sich "Anforderung an die Zumutbarkeit". Diese Steigerung der Zunahme ist allerdings laut Fachärzten einen zweischneidige Sache. Speziell bei psychischen Kranken.

Eine genaue Definition dieser Zumutbarkeit sucht man im IV-Gesetz vergeblich. Was mutet man so den kranken Personen zu?

Unterschwellige Arbeit statt Umschulung

Die Zumutbarkeit ist bei Gott keine Erfindung von Politikern mit ausgeprägtem Sparwillen. «Sie ist seit jeher ein zentraler Begriff im Sozialversicherungsrecht», wie der Freiburger Professor Murer sagt.

Eine kranke Masseurin erkrankt an einem Leiden , welches ihr starke Schmerzen in den Schultern verursacht. In ihrem erlernten Beruf kann sie so langfristig nicht mehr arbeiten. Andererseits sagt man, ihr bisheriger Lohn von FR 3000 – 3.500.- sei nicht so hoch, als das sie nicht auch als Hilfsarbeiterin arbeiten könnte. Eine diesbezüglich beantragte Umschulung wird verworfen bzw. abgelehnt. Man mutet also der Frau zu, eine Hilfsarbeit anzunehmen und verweigert ihr die Bezahlung einer Umschulung auf einen anderen Beruf.

Hätte sie mehr, sagen wir rund FR 5.000.- verdient dann hätte ihr die IV einen Umschulung bezahlt, was dann doch etwas verwundert. Zur Arbeit als Hilfskraft muss man allerdings bedenken, dass in diesem Bereich sich viele Fische im Teich tummeln.

Nach besten Wissen und Gewissen

Ausgesteuerte, Projektteilnehmer, Stiftungen, Sozialhilfeempfänger usw. Es also gar nicht so einfach ist, einen sogenannte unterschwellige Tätigkeit zu bekommen. Die IV schätzt Beschwerden anders ein, als die begutachtenden Ärzte. Sie stellt z.Bsp. Schmerzen und Depressionen nicht in Abrede, hält diese aber für überwindbar. Im Klartext. Der Kranke soll sich doch überwinden. Es geht dabei aber nicht immer um den einfachen Bürger. Nein unser Bericht zum Burnout zeigt, dass solche psychische Probleme bis in die höchsten Kade reichen. Quer durch alle Berufsgruppen.

Ganz ohne Zumutbarkeit geht es nicht. Das bestätigen auch die Kritiker der verschärften IV-Praxis.
Nur interessant – je leerer die Kassen, je anders die Definition. Nicht nur bei der IV. Auch bei Arbeitslosenkasse. Rot bleibt rot, auch wenn es draussen regnet oder schneit. Der Befund eines Arztes spiegelt seine berufliche Praxis im Umgang mit seinem Spezialgebiet. Sie sind durch den hypokratischen Eid dazu verpflichtet, diese wahrheitsgemäss, unabhängig und nach besten Wissen und Gewissen zu erstellen. Unabhängig einer persönlichen Bekanntschaft der Ärzte untereinander. Dazu bedarf es nicht eines Winkes mit dem Staatsanwalt. Umgekehrt bedenke man, ein Gerichtsurteil würde nur deshalb abgeändert, weil es dem Beschuldigten nicht passt.

Bei genauerem Studium des IV-Gesetzes wird man ein paar Mal über die "Zumutbarkeit" stolpern.
ZB. "Artikel 7, Ziffer 1: Die versicherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern" ist nur ein Beispiel dafür. Eine detaillierte Definition allerdings werden sie vermissen.
Schlussendlich bleibt der Faktor Mensch – auf beiden Seiten – der über das Schicksal der Zumutbarkeit entscheidet. Es darf also nicht sein, das Gutachten falsch interpretiert werden.

Artikel 7, Ziffer 2: Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen.

Artikel 7a: Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesundheitszustand nicht angemessen sind.

Freitag, 9. September 2011

Apple(mus)

Eine nachdenkliche Betrachtung zu und rund um Apple

Die letzten Tage und Wochen kommt der Applekonzern nicht mehr aus den Schlagzeilen. Dabei könnte doch alles so schön sein. Das iPad verkauft sich wie warmer Apfelstrudel und treibt die Arbeiter in China an ihre psychischen Leistungsgrenzen und darüber, was sich dann in Selbstmorden ausdrückt. Nein, ich will Apple wirklich nichts Böses. Dieser Artikel wird auf einem iMac geschrieben. Ist ja schon gut. Nur das Drumherum gibt mir schön langsam zu denken. Derzeit gibt es ja fast keinen Mitbewerber, den man nicht mittels Klagen wegen Patentverletzung und Kopiervorwürfen vor den Kadi gezogen hat. Egal ob Lieferant oder Partner, egal ob einem Imageverlust wegen des "Geschäftsgebaren".

Ist das der "neue" Weg, den man nach dem Rückzug von Steve Jobs künftig weiterführen möchte. Reicht Exklusivität der Produkte auf lange Sicht, dass alles unbeschadet zu überstehen. Erste Zeichen scheinen ja schon als böse Vorboten den bisherigen, durchaus innovativen, gewohnten Abräumer und Gewinner in seinem steilen Aufstieg zu bremsen. Nicht das neue iPad2 wurde Tablett des Jahres, sondern das Acer Iconia A 500. Ein herber Rückschlag für die erfolgsverwöhnten Cupertinos aus Kalifornien.

"Ich habe immer gesagt, dass wenn jemals der Tag kommen sollte, an dem ich nicht länger meine Aufgaben und Erwartungen als CEO von Apple erfüllen kann, ich der erste wäre, der Euch das wissen lässt. Leider ist dieser Tag gekommen "!. So beginnt die viel zitierte Rücktrittsankündigung aus dem aktiven Geschäft von St. Jobs dieser Tage. Jobs war Apple. Was wird jetzt aus Apple. Einige Hürden sind zu überspringen. Ein funktionierendes iPhone mit funktionellen Antennen steht in der Pipeline und wird heiss erwartet. Endlich will man mit dem Kulthandy mal Tante Jositsch störungsfrei anrufen. iPhone 4 ist Kult. iPhone kostet viel Geld und kann mehr, als der Durchschnittsanwender je erlernen wird. Mancher versucht sogar mit einem Fake iPhone Eindruck zu schinden.

Bei der raschen Entwicklung der Angebotspalette schleichen sich Fehler ein, die dem nicht ausgewiesenen Applejünger schon mal nerven können. ZB. das sich bei der drahtlosen Tastatur immer wieder Tasten lösen, oder die Verbindung zum Computer plötzlich nicht mehr klappt und wochenlang zur Reparatur unterwegs ist. Bei rund FR 80.- für das Teil doppelt so ärgerlich. Ich möchte hier nicht alle Entwicklungen aufzählen. Es ist eben nicht alles Aluminium was glänzt. Sicher man kann über die Arbeitsgeräusche des iMacs streiten, welche Geräusche dabei noch im Rahmen der Toleranz liegen. Der neue iMac ist sicher ein Meilenstein in der Computergeschichte. Er bringt ein sauberes, klares Bild. Zwar nicht ganz entspiegelt, wie viele seiner Brüder. Er läuft in der neuen Versionen 2011 ziemlich flüssig. Doch wenn man zu sich ehrlich ist, neben all den Innovationen fehlt immer etwas Aktuelles. Beim iPad sind es die Anschlüsse. Die diversen Adapter sind ein gern genommenes teures Zubehör. Über das Mac Book Air kann man auch einen Kosten-Nutzungsrechnung aufmachen. Bzw. frägt man sich wo sind die Grenzen vom Pad zum Flachbook ohne Laufwerk. Warum verweigert sich Jobs gegen Flash.
Was mich persönlich jedoch am meisten ärgert, ist die derzeitige Klagswelle seitens Apple. Ohne Samsung käme keines der Alugeräte auf den Markt. Und gerade diese Firma lassen sie mit fadscheinigen Gründen – das neue Samsung 10.1 - per Gerichtsbeschluss aus den Verkaufs- und Messeregalen entfernen und mit einem Verkaufsverbot für Europa belegen. Wir können das nicht 100 % feststellen was zuerst da war – das iPad oder das Galaxy. Jedenfalls eine untergriffige Aktion, die zwar für den Moment die Kassen klingen lässt. Aber langfristig wenig Chancen haben wird. Abgesehen vom Imageschaden. Schauen wir uns doch all die PKWs, die TV-Geräte und anderen Konsumartikel an. Wer kann auf den ersten Blick die neuen Flachbildgeräte firmenmässig auseinander halten. Fraglich, wenn man in den Medien liest, dass das iPad schon lange vor seinem ersten Start in ähnlicher Form in einem Agentenfilm gezeigt wurde. Jetzt schnappt man sich noch Google, weil hier ein unterrangiger Techniker angeblich die Wiege zum neuen Betriebssystem Android begonnen haben sollte. Allerdings vor langer Zeit . Apple hat er schon lange vorher verlassen.

Ob all das auf lange Sicht dem Image zu Gute kommt, möchte ich persönlich bezweifeln. Gibt es ein Leben ohne Apple ? Das wird die Zukunft zeigen. Ob bei einer Weiterführung der derzeitigen Firmenphilosophie der Alustern nicht eher verblasst, wird den Aktionäre noch zu der ein oder anderen Tränen treiben. Mit dem Kult Apple lässt sich vorerst Geld machen. So richtig erst seit dem iPhone und dem iPad. Viel Geld. Dabei wäre es wahrscheinlich sinnvoller die Gerätepreise zu senken, als das ganze Geld für Prozesse gegen die Mitbewerber zu verschleudern. Ob die Apple-hörigen Medien auch künftig jede Storie gratis und werbewirksam via Äther verbreiten werden oder erkennen, das auch andere Mütter hübsche und praktische Kinder haben, die man nicht mehr in einer Kultumgebung zwangsbeglückt, damit sie nicht mit den anderen Kindern spielen können. Vielleicht wäre es besser, sich wieder des guten alten "Wir-Gefühls" zu besinnen. Darüber würden sich auch mancher normale Mitbürger freuen, die sich denn auch mal ein preisgünstigeren "Apple" kaufen möchten.

Pressemeinung1   Blogger
Pressemeinung2 (Abrechnung eines Ex-Jüngers)

Donnerstag, 8. September 2011

Apples Überraschungscoup

CEO startet mit neuer Nummerierung. Jetzt klappt es doch früher als erwartet ! Apple-Jünger im siebeten Himmel ! Vergessen all die Probleme mit dem iPhone4 . Die Antenne wurde komplett neu konzipiert. Man kann mit dem Kultgerät endlich ungestört telefonieren. Juhu, die Welt ist wieder rund und dreht sich um die eigene Achse.

Montag, 5. September 2011

Tue Gutes und wundere dich nicht !

(Blognachlese Archiv)

Ich habe es in einem meiner letzten Beiträge angetönt. Offiziell haben wir unser ja Projekt aus Krankheitsgründen bereits geschlossen. Aber es hängt sehr viel Herzblut an dem Projekt, welches wir zu Beginn der 90-er aus der Wiege gehoben haben. Sich einzusetzen und zu helfen. Für Menschen, Mitbürger die im Schatten unserer Gesellschaft am und unter dem Existenzminimum "leben". Da kann man nicht einfach so Schluss machen.

Es sind Mitbürger, die unverschuldet in ihre missliche Lebenslage geraten sind und jetzt bei den Sozialwerken vorsprechen müssen und um Hilfe bitten. Sicher kann man bei dem ein oder anderen darüber diskutieren ob es den wirklich notwendig war. Ob es wirklich soweit kommen musste. Nur unsere heutige Gesellschaft erlaubt keinen Fehler, keinen gesundheitlichen Problem und verschweigt gerne das wahre Ausmass der sozial abhängigen Menschen in der Schweiz. Inzwischen haben uns ja die Banken und die Wirtschaft gezeigt, dass diese Bedenken eher schamhafter Natur sind. Man kann durchaus mit der grossen Kelle anrichten und dann die hohle Hand machen. Darüber mokiert man sich leider nur am Rande. Wenig Einsicht von den Verantwortlichen. Unsere durch Unis geschulten Topmanager sind keine Loser im eigentlichen Sinn. Nein, sie waren einst die Stütze unserer Wirtschaft. Zumindest solange, bis sich ihre Fehler nicht mehr unter den Teppich kehren liessen, ohne darüber zu stolpern. Aber um den Grossteil dieser Kaderleute brauchen wir uns keinen Sorgen machen. Sie haben es sicher noch im Kopf, wie sie ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene zu retten. Manch einer hat aber die guten Ratschläge seiner Professoren in den Wind geschrieben und sich voll dem Konsum und Risiko verschrieben. Das könnte sich jetzt rächen.

Diejenigen, welche aber heute wirklich am Hungertuch nagen, sind die wahren Opfer dieser verfehlten Wirtschaftspolitik. Sie müssen den Kopf für andere hinhalten und noch dazu mit allerlei Kosenamen und Vorurteilen benennen lassen. Dabei wollten sie doch nur eines – mit ihren Familieneinkommen das Auskommen zu haben und als Familienväter für eine künftige ausreichende Altersversorgung der Vorgeneration, aber auch um die eigene zu kümmern. Ergo – ihren Teil zu einer funktionierenden Gesellschaft beitragen.

Mobbing

Eine der neuzeitlichen Lieblingsbeschäftigungen im Alltag ist ja das sogenannte Mobbing. steht im engeren Sinn für „Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, den Betroffenen aus dem Betrieb hinauszuekeln.“ Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, einen Kollegen ständig zu schikanieren, quälen und zu verletzen.

Unter Mobbing in der Schule (auch: Bullying) versteht man ein gegen Schüler gerichtetes „Gemeinsein“, Ärgern, Angreifen, Schikanieren und Sekkieren. Und hier möchte ich nach dieser kurzen Einleitung ansetzen. Eines Vorab. Auch die Kinder (meist Schlüsselkinder) der Erfolgsgeneration müssen in den beginnenden Rezessionszeiten lernen, das Geldmittel zum Einkaufen auch in sogenannten besseren Haushalten nicht mehr unbeschränkt zur Verfügung stehen. Vorbei also die Zeiten, wo man seine Mitschüler mit Designerklamotten, Hi-Techspielzeug u.v.a.m. ins Abseits stellen konnte. Es stellt sich dabei die Frage, was ist so besonders an Markenkleidung, wenn sie heute doch schon jeder trägt. Zurück zu meiner heutigen Geschichte. Da kennen sich zwei computerbegeisterte Jungs und sind die Leader ihrer Klasse deisbezüglich, was die Kenntnisse rund um den PC ausmacht. Abseits des Mainstreams beschäftigen sie sich sogar mit Linux. Der eine (A) kommt aus einem sogenannten guten Haus, der andere (B) aus einem Haushalt mit alleinerziehender Mutter und drei Geschwistern. A war immer am neuesten Stand. B musste zu Hause seine Bedürfnisse nach dem Einkommen der Mutter und den Ansprüchen der restlichen Geschwister ausrichten. Man hat einen zwar einen eigenen Familien-PC, der umgekehrt allen Familienmitgliedern zur Verfügung steht. Da kann es schon mal zu Engpässen kommen. Durch Zufall erfuhr ich davon und wir durchsuchten unseren Fundus aus Projektzeiten und fanden ein Drahtlosrouter von D-Link und einen USB-WLAN-Anschluss für den Familien-PC.

Zufrieden und mit strahlendem Gesicht hielt dem Jungen nichts mehr. Er wollte nach Hause, das Ganze zu installieren. So schnell, dass er sogar vergass seinen Schuhe anzulegen. Selbständig installierte er das drahtlose Netzwerk und von nun an kann er seine Aufgaben unabhängig in seinem Zimmer erledigen. Dieser Tage traf ich seine Mutter und frug nach, wie es läuft. Anfangs war sie noch ganz glücklich und wir konnten noch über den Lapsus mit den Schuhen lachen. Doch dann wurde ihre Miene ernster und sie erzählte mir, dass der vormals gute Kumpel von der Schule plötzlich begann ihn zu mobben und vor den anderen Schülern lächerlich zu machen. Was war geschehen, das diese scheinbare Freundschaft zerbrach. Er, der Sohn aus einem Mehrfamilienhaushalt hatte plötzlich eine modernere Infrastruktur, als der Junge aus gutem Hause. Anstatt sich für ihn zu freuen, schien dieser das offenbar in den falschen Hals bekommen zu haben.

Auch ich begann mir fürs erste Sorgen zu machen. Umgekehrt, begann ich zu zweifeln, wie eng denn eine Freundschaft sein kann, wenn sie durch so ein Geschenk zerbricht. Es kann doch nicht möglich sein, wenn es jemand mal aus einfacheren Familienverhältnissen trifft, er etwas bekommt, dann der Neid grösser als die Freundschaft von Kollegen ist. Mich hat das noch Tage beschäftigt. Was passiert mit dem Jungen A, wenn er ins Erwachsenenalter kommt. Wird er bis dahin gelernt haben, um was es im Leben wirklich geht. Dass nicht materielle Dinge die Beziehung unter uns Menschen regulieren, sondern die Achtung vor dem Anderen. Aber auch Freude, ohne selber etwas zu verlieren oder einzusetzen, es einem Kollegen und Freund passiert, mal etwas für sich zu bekommen, was man selbst noch nicht hat. Das Leben ein geben und Nehmen ist. Mobbing in der Schule müsste von den Lehrern sofort im Keim unterbunden werden. Das zählt für mich zur Lebensschulung. Und so ähnliches hat mir ein Bekannter über die Patenschaft einzelner Kinder in Afrika erzählt. Da werden einzelne Kinder auf lange Sicht und bewusst aus der Dorfgesellschaft herausgehoben. Sie die Patenkinder rücken plötzlich an den Rand der Gruppe. Tun wir damit wirklich was Gutes. Schaffen wir mit unserem Willen, was Positives zu tun, eigentlich nur Neid und Missgunst anstatt Freude?

Leben wir doch einfach Fairplay im Alltag vor.

Sonntag, 4. September 2011

Sozialhilfe - Missbrauch erkennen

Missbrauch erkennen und sanktionieren

Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeit und Rechtsdienst ( Onlinemedien Nachlese Archiv)

Die Sozialhilfe ist entgegen dem Bild welches uns einige assoziieren wollen kein Selbstbedienungsladen. Sicher ist bei einem hohen Ausländeranteil der ständigen Wohnbevölkerung der Anteil an Sozialhilfe auch entsprechend. Nur rein statistisch lässt sich das Problem so nicht lösen. Alleine wenn wir nur die Fallzahlen der Kantone gegeneinander vergleichen. Führend auch hier wie in vielen anderen Fällen Appenzell- Innerhoden. In diesem Kanton zählt die Familienhilfe mehr als die öffentliche Sozialhilfe. Im städtischen Bereich ist die Anzahl der Bezieher höher als in ländlichen Gebieten. Was woll eher an der Anonymität liegt. Aus der Praxis kennen wir Betroffene, die ihre Arbeit verloren haben und trotzdem alle Tage ihre Wohnung verlassen, als würden sie zur Arbeit gehen. Zu einer der Veränderungen im Alltag zählt auch das Poasten und der Kirchgang in der Nachbargemeinde.

In Ihrem Referat, gehalten anlässlich der Tagung der HSA Luzern vom 29. März 2007 zu Missbrauch in der Sozialhilfe, gewähren uns Frau Dr. iur. Elisabeth Braun und Yvonne Adler einen Einblick hinter die Kulissen, welche die Problematik des Themas in der Praxis aufzeigt. (IM)

1. Einleitung

Die Sozialhilfe sanktioniert Fehlverhalten von Klientinnen und Klienten nicht nur mit Kürzungen von Sozialhilfeleistungen. Ist strafrechtlich relevantes Verhalten im Spiel, so werden entsprechende Fälle zur Anzeige gebracht. Im Vordergrund steht bei strafrechtlich relevantem Verhalten der Unterstützungs-betrug, in seltenen Fällen ist dies verbunden mit Urkundenfälschung (Fälschung von Rechnungen, Lohnausweisen etc.). Die Anforderungen an eine Verurteilung wegen Unterstützungsbetrug sind hoch. Daher gelangen nur wenige Fälle überhaupt zur Anzeige. Die Zahl der Strafanzeigen, die die Sozialhilfe der Stadt Basel in den letzten Jahren zur Anzeige gebracht hat, steigt zwar ständig, dennoch ist diese Zahl (2006: 63 Anzeigen) im Vergleich zu den gesamten Unterstützungsfällen in diesem Jahr (2006: 8624) nach wie vor klein.

Die Zusammenarbeit zwischen der Fallführung und dem Rechtsdienst soll garantieren, dass die zur angezeigten Fälle gut dokumentiert sind und aussichtslose Verfahren möglichst vermieden werden.
Die folgenden Ausführungen versuchen, möglichst praxisnah aufzeigen, wie in Verdachtsfällen vorgegangen werden kann.

2. Wann wird in der Fallführung Verdacht auf Unterstützungsbetrug geschöpft und wie wird der Verdacht erhärtet ?

Verdachtsmomente können aus sehr unterschiedlichen Gründen entstehen, beispielsweise:
�� Klient/Klientin erscheint mehrmals in Folge nicht zur Vorsprache
�� Termine sind ohne ersichtlichen Grund immer nur zu Randzeiten möglich
�� Jemand lebt auf Dauer in einer Wohnung, die mehrere hundert Franken über dem Grenzwert liegt
�� Klient/Klientin erwirbt während der Unterstützung ein Auto und bezahlt den Unterhalt für das Auto
�� Klient/Klientin unternimmt häufig Flugreisen ins Ausland (keine Billigflieger)
�� Der Ehegatte/die Ehegattin ist ständig verhindert, an die Vorsprachen zu kommen
�� Eingeschriebene Post wird nicht abgeholt
�� Unklarheiten bei der Durchsicht von Kontoauszügen (z.B. von welchem Konto wird der Mietzins bezahlt?)
�� Unklarheit wer im gleichen Haushalt lebt
�� Klient/Klientin reagiert nicht, wenn keine Auszahlung mehr erfolgt
�� Informationen von dritter Seite

Die Fallführenden versuchen, aufgrund der Verdachtsmomente Beweise zu sammeln, die den Verdacht erhärten. Wird vermutet, dass jemand arbeitet, so wird bei der Ausgleichskasse ein Auszug aus dem individuellen Konto verlangt. Wenn die Klientin/der Klient nicht schwarz arbeitet, ist daraus sowohl die Höhe des Einkommens. Mehr via SKOS Medienarchiv.

Samstag, 3. September 2011

Phasen des Burn-out

Burn-out (Blognachlese)

Der Begriff Burn-out beschreibt nicht nur den Endzustand totaler Erschöpfung, sondern auch den Prozess des Ausbrennens. Dieser verläuft in mehreren Phasen mit typischen Symptomen. Der Begriff Burn-out hat in den letzten Jahren eine steile Karriere gemacht:


 

1. Phase Überaktivität und Aggression:

• übertriebenes Engagement (z. B. Zunahme der Überstunden)
• Hyperaktivität, gesteigerter Einsatz
• Gefühl der Unentbehrlichkeit
• Verleugnung eigener Bedürfnisse

2. Phase Flucht und Rückzug:

• Verlust positiver Gefühle, emotionale Distanzierung
• Schuldzuweisung auf andere
• Kontaktverlust
• Verlust des Idealismus
• negative Einstellung zur Arbeit

3. Isolation und Passivität:

• Abbau der Leistungsfähigkeit und Motivation
• Entscheidungsunfähigkeit
• Hilflosigkeitsgefühle
• Verzweiflung
• Depression
• Suizidgedanken

Das Burn-out-Syndrom ist dabei häufig von psychosomatischen Reaktionen begleitet:

Schlafstörungen, Müdigkeit, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen,Magen-Darm-Beschwerden,
reduzierte Immunabwehr, Herzklopfen

Schnell wurde das griffige Schlagwort "Burn-out" zu einer Art "Modediagnose" – wie etwa die Midlife Crisis. Heute ist nach wie vor umstritten, ob es sich bei dem "psychovegetativen Erschöpfungszustand", so die offizielle Bezeichnung, überhaupt um eine eigenständige Krankheit handelt. Zudem sollte nicht verschwiegen werden, dass die Diagnose "Burn-out" dem Betroffenen den vermeintlichen Trost bietet, dass er sich nicht psychisch krank fühlen muss. Nicht er selbst ist "gestört", sondern die Umstände sind schuld daran, dass er sich ausgebrannt fühlt.

Burn-out, so heißt es heute, könne jeden treffen: Manager, Lehrer und Ärzte, aber auch Hausfrauen und Arbeitslose. Das Burn-out-Syndrom wird als geistiger, körperlicher und seelischer Erschöpfungszustand beschrieben, der sich über ein paar Wochen bis hin zu etlichen Jahren hinziehen kann. Zu unscharf sei der Begriff, monieren Kritiker, zu groß die Überlappungen mit anderen psychischen Störungen wie die Erschöpfungsdepression oder das chronische Müdigkeitssyndrom CFS. (Teilquelle: AOK )

Zum Thema: Phasen des Ausbrennens (Focus Online.de ) oder via Google

Freitag, 2. September 2011

Synonym für das Leben

Dieser Tage erreichte uns eine Mail mit einer Alltagsgeschichte, die auf den ersten Blick aus irgendeinem Roman stammen könnte. Sie hat sich aber tatsächlich so erst jüngst begeben. Die Verfasserin ist uns als langjährige Freundin bekannt und wir kennen auch einen grossen Teil ihre Lebensgeschichte. Einen Lebensgeschichte, die trotz des vielen Leids, die Frau nie verzweifeln liess. Sie nahm ihr Schicksal an, ohne dabei ihren Humor zu verlieren. "Da versuche ich halt immer mich abzulenken, noch das zu machen was ich noch kann und was mir oder andern Freude macht und das hilft dann wieder."

Eine kummervolle Begegnung*

Ich stehe am Grab meines Mannes und versuche eine Kerze anzuzünden. Eine ältere Frau am Stock kommt aus der hinteren Grabreihe auf mich zu und beginnt ein Gespräch. Sie war ebenfalls am Grab ihres Mannes. Ich habe sie noch nie gesehen. Sie erzählt von ihrer Tochter, die vor Jahren Schulden gemacht habe und nicht mehr ein noch aus wusste. Ihr Mann war ein einfacher Arbeiter, sie haben ein Leben lang gespart und nun wollte sie der Tochter vom Ersparten aus den Schulden helfen. Ihr Mann warnte sie, sie bekomme sicher noch Teufels Dank dafür, doch die Frau konnte als Mutter nicht anders handeln als der Tochter ihr fast gesamtes Erspartes zu geben. Der Mann hatte recht, die Tochter nahm das Geld und liess dann jahrelang nichts mehr von sich hören. Der Mann starb und sie, die Frau lebt heute von einer kleinen Rente und Ergänzungsleistungen.

Die Tochter hatte inzwischen erstaunlicherweise Karriere gemacht, geheiratet und besitzt ein Haus mitsamt einem BMW. Als ihr in den Sinn kam, sie könnte die Mutter brauchen, meldete sie sich bei ihr. Sie sollte in ihrer Abwesenheit das Haus hüten, Wäsche waschen und auch alles bügeln. Die alte Frau tat das denn auch, in der Hoffnung ihre Tochter nehme sie auch sonst wieder in ihre Familie auf. Aber die Mutter passte nicht zum noblen Milieu. Sie musste jedesmal von Bernhardzell nach was weiss ich wohin wandern, weil sie kein Postauto hatte um ihr die Wäsche zu machen usw. Dabei geht sie am Stock. Ich schätzte die Frau auf jeden Fall auf über 80 Jahre. Eigentlich möchte ich noch zu den Gräbern meiner Söhne. Aber die Frau geht neben mir und leert ihr ganzes armes Herz vor mir aus und ich kann nur zuhören und Teilnahme zeigen. Als einmal ihr Hund krank wurde, sagte sie der Tochter, sie wolle beim Hund bleiben und morgen nicht für die Wäsche kommen, da brach die Tochter die Verbindung wieder ab.

Nun hatte sie vor nicht allzu langer Zeit einen leichten Herzinfarkt und wurde notfallmässig einfach so im Nachthemd ins Spital gebracht. Am andern Morgen rief die Tochter empört an, warum sie ihr dies nicht berichtet habe, aber die Frau hatte ja gar nichts bei sich, auch kein Geld zum telefonieren, auch wenn sie dazu noch im Stande gewesen wäre. Die Tochter fragte ob sie kommen müsse und die Mutter antwortete, nein sie müsse nicht kommen. Sie bat dann eine Nachbarin ihr Kleider und Toilettensachen zu bringen. Die Tochter kam nicht vorbei. Ich stehe da, hilflos und mein Trost bringt sicher nicht viel, ich kann ihr nicht helfen nur sagen, sie als Mutter hätte mehr als die Pflicht getan. Die ganze Verantwortung liege nun bei der Tochter. Wenn ich diese Geschichte in einem Heftli lesen würde, könnte man denken es sei eine rührselige erfundene Geschichte, aber die Frau hat mir einfach ihr Herz ausgeschüttet und ich hoffe es habe ihr gut getan. Verstehen kann ich es ja nicht, dass es Menschen gibt die überhaupt kein Herz zu haben scheinen. Ich denke, irgend einmal wird dieser Stein anfangen die Tochter zu drücken, aber es könnte dann auch zu spät sein.

* Name der Redaktion bekannt IM-Mediennachlese