Euromillions was wäre wenn
Wer träumt nicht vom grossen Gewinn. Mancher hat das Glück und verspielt es dann innert kurzer Zeit, wie diese Woche im deutschen Fernsehen gezeigt. Zuerst Schulden gemacht – dann einen 6-er mit rund 800.000.- Euro und heute wieder Schulden im 200.000-er Bereich. Die Gute spielt wöchentlich um rund 10.000 Euro am Kiosk. Also ohne stattliche Kontrolle a la Casinos. Dabei hat die Frau zweimal Glück. Einmal mit dem Gewinn und das zweite Mal, das sie immer wieder Freunde und Bekannte fand, die ihr Geld zum Spielen borgten. Auch nach dem Absturz. Manch anderer ehemaliger Millionär bezieht heute Sozialhilfe.
Wie hoch muss also der Gewinn sein, dass solche Menschen trotz eines Super-Gewinnes nicht wieder in die Schulden geraten. Ich behaupte hier mal frech, die würden auch den derzeitigen Jackpot von umgerechnet 243 Millionen Franken glatt durchbringen. Irgendwie scheint man mal den Durchblick zu verlieren. Über abgestürzte Lotto-Millionäre wurden ja schon eine Menge von Büchern ge-schrieben. Auch über das Gewinnen.
Im kleinen Kreis haben wir dieser Tage diskutiert, was wir wohl mit solch einem hohen Gewinn anstellen würden, sollten wir der oder die Glückliche sein. Ich denke die Summe, wäre für einen Menschen schon fast zu hoch. Bitt- und Bettelbriefe würden wahrscheinlich durch die Post per LKW zugestellt. Sicher hängt es mal vom Lebensalter ab, bei wem das Glück zuschlägt. Ein Junger wird anders darüber denken als ein älterer Mitbürger. Am meistens würde ja mal zuerst das Finanzamt kassieren. Je nach Kanton gehen mehr oder weniger ins Kässli.
Dann würde derjenige, welcher hat, sicher einen Teil seinen Kindern oder den Enkelkindern abgeben. Den Traum vom eigenen Häuschen erfüllen und versuchen, soweit es geht, normal weiterzu-leben. Dazwischen eine Kur einschieben um die Zellen auf Vordermann/frau zu bringen. Gute Vor-sätze lassen sich aber in der Praxis eher schwer umsetzen. Es ist also eher verfänglich, anstatt Fitness und leichtem Sport, sich lieber dem süssen Leben und Nichtstun hinzugeben.
Jetzt schreibt er da schon mehrere Absätze. Jetzt wollen wir endlich wissen, was den der Verfasser mit den Millionen machen würde. Lass doch mal die Katze aus dem Sack! Nun ihr werdet überrascht sein. Mal davon abgesehen, sind so einem Geldsegen natürliche Grenzen gesetzt. Ein neues Herz kann ich mir damit auch nicht kaufen. Auch wenn ich in den fernen Osten reisen würde und dort das Herz eines zum Tode verurteilten kaufen würde, habe ich keine Garantie gegen Abstossreaktionen. Da verlasse ich mich schon lieber auf Gottes Fügung oder die heimische Medizin.
Bleibe lieber auf den Boden der Tatsachen.
Zuerst würde ich mal das sorgenlose Fortkommen meiner Frau absichern. Damit es ihr soweit an nichts fehlt. Bei 4 Kindern ist die nächste Antwort auch schon oben vorgegeben. Persönlich dürfte es ein bequemes Wohnmobil sein, eine praktische Came-raausrüstung dazu und dann, dann komme ich Europa. Vor allem Bauwerke wie Kirchen und Brü-cken wären dabei meine erklärten Motive. Die Architektur begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Am liebsten im Klimabereich der Toscana oder Cotes bzw. Provence.
Mit ein paar Millionen würde ich einen Rechtshilfefonds einrichten, damit auch Sozialschwachen eine optimale Vertretung für ihre berechtigen Belange garantiert wird. Ergänzend dazu würde ich leistbaren Wohnraum schaffen. Sowohl für Familien, aber auch für SeniorInnen. Leistbar insofern, dass sehr wohl ein kleiner Betrag monatlich zu zahlen wäre. Zumindest die Betriebskosten sollten es schon sein. Den älteren sollte ein würdiger Lebensabend garantiert werden. Ob dabei Kombinationen mit den jungen Familien möglich sind, würde die Praxis zeigen. In Bayern gibt es da schon mehrere ähnliche Pilotprojekte. Ein paar Laptops würde ich noch an Bedürftige, speziell jenen, die es zur beruflichen Weiterbildung bzw. Berufseinstieg brauchen, verschenken oder zu einem symbolischen Franken im Monat vermieten.
Ja dann, dann wäre es wohl bald vorbei mit der Kohle. Natürlich, für ein paar Rücklagen sollte es schon noch reichen. Und vor allem Ruhe, Ruhe. Ruhe kann man sich nicht kaufen. Aber das Häu-schen sollte schon etwas abseits des Alltagtrubels stehen und sicher auch Platz für ein paar Tiere der Frau bieten. Da müsste ich allerdings aufpassen. Denn bald wären wir dann grösser als der Züricher Zoo.
Also im Prinzip ein einfacher Traum, der schon deshalb nicht wahr werden würde, weil ich fast gar nie mitspiele. Sporadisch im Monat vielleicht einmal ein paar Franken. Aber wenn es den sein sollte, reichen auch die. Ich kenne aus Kärnten einen Super-Lottogewinner, der ob seines Gewinnes schlichtweg verrückt wurde. Er, der eigentlich zu Geld eine andere Beziehung haben müsste, als der gemeine Bürger. In Salzburger Land hatten wir (während der Öffnungszeiten im Winter) einmal wöchentlich einen Casinoabend mit unseren Hausgästen. Wir begleitenden sie ins Casino, erledigten den Checkin, schleussten sie dort durch die Eintrittskontrollen und weiter zum obligatorischen Sektempfang, um sie dann Stunden später wieder nach Hause zu begleiten. Je nach Gruppe wurden sie persönlich vom Direktor empfangen. Dabei bleibt viel Zeit, Fortuna über die Schultern zu schauen. Das Glück und das Spiel darum herum im speziellen zu beobachten. Es eröffnet einem ganz andere Perspektiven. Selbst durften/sollten wir ja nicht spielen. Erfahrungsgemäss war Fortuna den Neo-besuchern eher wohl gesonnen. Die meisten Erstbesucher gewannen interessanterweise mal mehr, mal weniger. So aber landeten sie in die Klauen des Glückspiels. Viele glaubten, ein Urlaub lässt sich so im Vorbeigehen finanzieren, wenn es schon beim ersten Mal geklappt hat. Sicher hat niemand bei uns nachher Teller waschen müssen. Aber für manche war es der sparsamste Urlaub seiner Karriere. Auch für einen französischen Gast, Beruf Grossmetzger, aus einem Nobelhotel im Ort. Der hat vor Weihnachten mehr als eine Million (damals noch Schillinge) gewonnen. Vorzeitig abgereist ist er mit 1,5 Millionen Schulden und trotz seiner Bibliothek an Kreditkarten konnte er sich nicht mal mehr ein Gläschen Mineralwasser leisten. Selbstverständlich wurde er von der Geschäftsleitung dazu eingeladen. Sogar Sekt gab es für den guten Mann.
Kann man vom Glücksspiel leben?
Nun ja, mit einiger Selbstdisziplin kann es angeblich möglich sein, klärte mich eine "Berufsspielerin" aus Graz/Stmk auf. Viele ihrer Argumente mag ja persönliche Phantasien sein, manches entspricht meinen Beobachtungen. Das schwierige im Casino ist ja nicht das Gewinnen, sondern eher das rechtzeitige Aufhören. Wenn auch mal mit kleinen Gewinnen. Hier scheiden sich die Geister. Der Profi würde beim nächsten Besuch nicht mehr als die Hälfte des Gewinnes einsetzen. Er würde bei den Pausen des (seines) Croupiers ebenfalls unterbrechen. Umsomehr viele überzeugt sind, den Wurf der Kugel durch einen bestimmten Croupier besser ab/einschätzen zu können um Fortuna hold zu stimmen. Es ist eine von vielen Mythen aus der Welt der Spieler
So gibt und es gab es viele Geschichten die sich um das Glücksspiel in all seinen Variationen ranken. Vom Lotto, über Rubbellose, Automatenspiel bis hin zu Poker oder andere Casinospielen. Jede/r glaubt und hofft, dass gerade im das Glück wohl gesonnen sei. Doch Glück ist wie ein kleines Vögerl im Wind. Mal da, mal dort und plötzlich wird es durch eine Böe weit in die Ferne weggetragen.
Möge es den Rechten treffen, der dann sein Glück auch verkraftet und es sich tatsächlich langfristig verbessern kann. Bei der Summe würden die Voraussetzungen sicher schon stimmen. Wenn es mehrere treffen würde, bliebe für jeden genug.
IM: Heute aktueller den je - umso schlechter die wirtschaftliche Lage für Otto Normalverbraucher, desto mehr wird gespielt. Am Kiosk kann man sich heute eher verschulden als im Casino.