Für viele Kinder mag das bevorstehende Weihnachtsfest nicht schnell genug näher rücken mögen. Doch für viele Alleinstehende ist Weihnachten und die Adventszeit die traurigste Zeit des Jahres. Keinen Familienfeste, kein Partner mehr an der Seite mit dem man am heiligen Abend gemeinsam feiern konnte. Weihnachten ist seinem ursprünglichen Sinn schon weit entronnen. Heute ist es ein grosses kommerzielles Fest und die Geschenkansprüche steigen von Jahr zu Jahr. Viele Familien verschulden sich, um all die Wünsche erfüllen zu können. Den Kindern reicht heute kein Tastenthandy mehr. Nein, es muss welches mit einem Touch-Bildschirm sein. Als ob die vielen bunten Bilderchen a la Apps das telefonieren billiger machen würde.
Ich zähle noch zu jener Generation, für die Weihnachten in erster Linie ein christliches Fest ist. Aber auch hier hat sich einiges verändert. Die Mette ist in den meisten Pfarreien nicht mehr um Mitternacht sondern schon um 10 Uhr. Ja es hat sich vieles verändert u jener Zeit, wo wir als Kinder versuchten via Schlüsselloch einen ersten Blick auf das Weihnachtszimmer zu erhaschen. Damals gab es noch hauptsächlich praktische Geschenke zum Anziehen oder für die Schule. Für jeden für uns 4 Kinder war auch ein Spielzeug dabei. Heute weiss ich, dass meinen Eltern zu dieser Zeit bis an ihr finanzielles Limit gehen mussten.
Mit Beginn der Lehrzeit war es vorbei mit dem familiären Festen. Im Fremdenverkehr gibt es keinen Feiertage mehr. Die Gäste möchten verwöhnt und bewirtet werden. Meinen ersten heiliegen Abend verbrachte ich damals in Bad Aussee/Stmk. Nachdem Abendessen für die Hotelgäste verschwand das hauptsächlich ortsansässige Personal Richtung Familie nach Hause. Es war ein Bilderbuchabend. Leise fiel der Schnee in grossen Flocken vom nächtlichen Himmel . Da und dort erhielt man einen Einblick in die Festaktivitäten vieler Familien. Bunte Lichter drangen durch die Vorhänge nach draussen. Begleitet von bekannten Weihnachtsliedern, die dufch die Stille der Nacht nach aussen drnagen . Die Strasse war menschenleer. Es wurden noch viel solcher einsamen Abende in meinem Leben. Einer der Nachteile des Berufes im Hotelgewerbe. So wie auch die zahlreichen Helfer im Gesundheitsbereich, Sicherheitsbereich und öffentlichen Einrichtungen.
Es war vielleicht nur ein kleiner Vorgeschmack, wie es vielen heute in dieser Zeit geht. Einsam, mit sentimentalen Gedanken an früher als alles anders war, ohne den geliebten Partner, die Kinder dem Haus entflogen verbringen heute viele den "Heiligen Abend". Der ein oder andere versucht sich mit einem Buch abzulenken, sieht fern oder geht bei Zeiten schlafen. Doch das alles hilft selten gegen die Einsamkeit. Eine Zeit in der man sich oft mehr bewusst ist, wie schön das Gemeinsame sein kann und wie befreiend.
Heute könnte ich gross feiern. Doch unsere Krankheiten hat uns wieder gläubiger gemacht. Und ich bin dankbar, mit einem geliebten Partner den Abend und die Zeit davor verbringen zu dürfen. Beschert mit dem schönsten Geschenk, welches man nicht bezahlen, geschweige dem kaufen kann – Lebenszeit. Wieder 365 Tage. Manchmal durchwachsen, aber insgesamt viele schöne Stunden liegen da an Stelle grosser Päckchen des kommerziellen Weihnachtsfestes unterm Weihnachtsbaum. Nicht einmal den haben wir. Tradition ist ja schön. Aber das jährliche Abschlachten der Wälder, nur um junge Bäumchen im Zimmer verdürren zu lassen. Nein, dass brauchen wir heute nicht mehr für ein besinnliches Fest. Es sind die Minuten des Zusammenseins, des Kuschelns, wo jeder kurz seinen Gedanken nachhängt und man sich dann wieder real ein frohes Fest wünscht. Einfach so und ohne Geschenke. Lieber unterm Jahr, wenn einem danach ist oder jemand etwas dringend braucht. So haben wir 365 tage Weihnachten. Und das find eich schön so.
Wir wünschen speziell jenen, die am heiligen Abend alleinen und ohne Ansprache in ihrer Wohnung, Krankenbett oder Heimzimmer sitzen, ein besinnliches Fest.
Wir werden für all diese Mitbürger eine spezielle Kerze anzünden und sie gedanklich bei uns am Tisch begrüssen.
In diesem Sinne allen Lesern, Besuchern und Bewohnern dieses Erdballs ein frohes, geruhsames Fest.