Rechte sind immer relativ. Meistens hat man dann nicht recht, wenn man es am notwendigsten braucht oder es sich nicht leisten kann. Die letzten Wochen hörte und las man ja von verschiedenen Formen der angetönten Rechte. Auch von Menschenrechten konnte man wiederholt lesen. Die vielleicht für mich skurillste, um in der Bloggerszene zu bleiben, war vielleicht die Diskussion auf schweizweit.net um “das Menschenrecht auf ÖV “ (Öffentliche Verkehrsmittel) ?? bei gleichzeitiger Verdammnis des Autos aus dem Alltagsverkehr. Die ÖV-Fans lassen grüssen. (interessant die Kommentare)
Während man solche Diskussionen nicht allzu ernst nehmen darf, gibt es doch wirklich wichtigeres auf diesem Planeten, worauf wir künftig unser Augemerk richten sollten. Dieser Tage sah ich im Österreichischen Fernsehen einen Kurzbeitrag über eine junge Familie mit einem Kleinkind aus Tirol, wo der Vater am Tourette-Syndrom erkrankt ist. Eine neuropsychiatrische Erkrankung, welche der Neurologe frz. Gilles de la Tourette schon 1885 in einer wissenschaftlichen Arbeit veröffentlichte und somit Namensgeber dieser äusserst auffälligen und manchmal für den Körper gefährlichen (Verletzungsgefahr) Krankheit wurde, die sich neben motorischen Tics auch in vokalen Lauten ausdrückt. Bei mehr Interesse bitte bei Tourette Gesellschaft Schweiz nachschlagen. Jedenfalls zeigen sich bei bisherigen zugelassenen Medikamenten leider auch die ein oder andere Nebenwirkung.
Eine Droge kann, aber darf nicht helfen oder bin ich keine Leber wert
Nun gibt es ja in unserem Nachbarland die Möglichkeit sich ärztlich Cannabis verschreiben zu lassen. Leider muss die junge Familie die Kosten dafür selbst tragen. Das ergibt immerhin rund 1.500.- Euro pro Monat und eine stetig steigende Verschuldung und Reduzierung des Freundeskreises. Damit sind wir beim Punkt meines heutigen Artikels. Cannabis steht ja heute als Rauschgiftmittel auf der Verbotsliste. Nur wenn man die Wirkung des Cannabis nach einem Anfall bei dem jungen Vater im Bericht live miterlebt hatte, versteht man nicht, warum diese Kosten noch nicht von der Krankenkasse übernommen wurden. Umso mehr es bei der Einnahme zu weit weniger Nebenwirkungen kommt, als bei bisherigen Medikamenten. Viele Rheumakranke werden mir auch beipflichten, denen damit auch die Schmerzen gelindert werden (was auch manche Rentner wissen). Hier schlummert ein grosses Einsparpotential im Gesundheitswesen würde man Cannabis legalisieren. Denn umgekehrt müsste man gesellschaftlich akzeptierte Drogen wie Tee, Alkohol, Kaffee usw. auch verbieten oder künftig ärztlich verordnen lassen.
Wenn wir über den grossen Teich nach Amerika blicken, gibt es aber ebenort in vielen Staaten schon Cannabis auf Verschreibung, da die positive Wirkung der Inhaltsstoffe wissenschaftlich bewiesen wurde. Nun wurde dieser Tage ein Transplantationsstreit in den USA entfacht, der mir persönlich als Herzrisikopatient nicht ganz unbekannt ist.
Norman S. wartet auf eine neue Leber, wahrscheinlich umsonst. Denn eine Klinik in Los Angeles hat den 63-jährigen Krebspatienten von ihrer Warteliste für ein Spenderorgan gestrichen - weil er Cannabis konsumierte. Cannabis das ihm allerdings vom Arzt wegen seiner Rückenschmerzen verordnet wurde. Nun stellen Mediziner die Frage: Wer ist es wert, eine Transplantation zu bekommen?
Ich stand ja nach meiner persönlichen Hiobsbotschaft ebenso vor der Frage, wie komme ich bloss auf eine Warteliste für ein neues Herz. Das, bei ähnlichem Alter (59) wie der Krebspatient. Und es wurde mir bald klar, dass es nicht reicht nur ein kaputtes Herz zu haben um in den Genuss der Listenreihung zu kommen. Plötzlich stellten sich da andere Fragen, mit welchen man im ersten Moment gar nicht gerechnet hat. Da wäre mal die geringe Zahl an Herzspenden in der Schweiz (ca. 25). Hund muss weg wegen der Hygiene, Gewicht reduzieren usw. Und mit ein wichtiger Punkt wäre u.a. das Alter, neben noch anderen zahlreichen Voraussetzungen.
Hier habe ich etwas länger mit mir ringen müssen. Aber selbst als vierfacher Familienvater begann ich mir vorzustellen, wie es wäre, wenn ein junger Familienvater wegen mir zurückstehen müsste und die Wartezeit nicht mehr erlebt. Es ist scheinbar mein Schicksal, wie meine Brüder, diese gentechnische Krankheit geerbt zu haben. Heute bin ich dabei mit meiner Frau, die selbst von Krebs betroffen ist, zu versuchen den Rest an Lebenszeit, welche uns noch von Gott vorgesehen ist, zu geniessen. Den trotz aller Spezialisten in der Schweiz, kann solch einen Transplantation auch schief gehen, wie einen Reportage des SF vor Jahren zeigte.
Nur in den obigen Fall mit dem Cannabis oder in zig anderen Fällen plötzlich Richter über das Leben von Patienten zu spielen und dabei nur jene vorzureihen, wo die Chancen des Verhaltens nach der Operation annehmen lassen, dass dieser Patient dem Organ würdig ist. Wer möchte hier wirklich neutral werten und entscheiden, wer den nun würdig ist eine Organspende zu empfangen. Den Kommerz mal aussen vorgelassen. Dazu bedarf es nämlich vorab einer weit höheren Anzahl von Organspendern als heute. Man braucht sich nur durch die Kommentare des Artikels lesen um zu sehen, wie weit hier die Meinungen im Leserkreis auseinander gehen. Zumindest aber in diesem Bereich sollten alle gleich sein. Die Armen und die Reichen, die Braven und die kleinen Sünder. Niemand kann die Verantwortung für einen “gerechte“ Vergabe auf sich nehmen.
Denn dann müssten er/sie/wir im selben Aufwasch auch die Verantwortung für die Verstorbenen auf der Liste übernehmen, die es letztendlich nicht geschafft haben. Ohne Diskussion. Dies aber alles mit einem Menschenrecht zu verbinden finde ich überhaupt nicht schlüssig, eher skurril in Hinblick auf das Elend auf dieser Welt.
ÜBRIGENS : Am 10.Dezember ist der Tag der Menschenrechte

