Donnerstag, 17. November 2011

Gleiches Recht auf Rettung

Trinker und Transplantationen
Eine im "New England Journal of Medicine" veröffentlichte Studie behauptet, der vor einer Lebertransplantation verlangte Alkoholentzug sei unnötig. Daran hat sich jetzt eine Debatte entzündet: Hat jemand, der sich selbst schädigt, das gleiche Recht auf Rettung wie andere Kranke?

Der Mediziner Philippe Mathurin vom Hôpital Huriez im französischen Lille und seine 22 Mitautoren gießen das Fazit ihrer klinischen Studie in einen einzigen, nüchternen Satz: "Eine frühe Lebertransplantation kann die Überlebenschancen von Patienten verbessern, die erstmals an schwerer alkohol-toxischer Hepatitis erkrankt sind und auf medikamentöse Behandlung nicht reagieren." mehr Spiegel Online



Wartezeit und Überlebensrate bei Herztransplantationen
Die Wartezeit für ein transplantierbares Herz ist individuell unterschiedlich und hängt ab von der Blutgruppe und der Grösse des Herzens (abgestimmt auf die Person bzw. deren Alter und Gewicht). Deshalb ist auch die durchschnittliche Wartezeit starken Schwankungen unterworfen. So betrug diese im Jahr 2002 79 Tage - und war damit die kürzeste aller Organe - im Jahr 2006 aber 212 Tage. Am Stichdatum 1. Januar 2007 waren 23 Personen auf der Warteliste für ein Herz. Neun Personen, die auf ein neues Herz warteten, starben im Jahr 2006.
Die Überlebensrate nach Herztransplantationen ist recht hoch und hat sich seit Anfang der 1990er Jahre noch verbessert.

Die aussagekräftigsten Zahlen zur Überlebenswahrscheinlichkeit stammen aus den USA, wo jährlich über 2000 Herzen transplantiert werden (Zahlen von 2003, Quelle: US-Transplant). Demnach leben noch rund 88 Prozent der Herztransplantierten ein Jahr nach der Operation. Drei Jahre danach sind dies noch 80 Prozent, und nach fünf Jahren leben immer noch 73 % der Betroffenen. Zuweilen kann es vorkommen, dass ein transplantiertes Herz nach einer gewissen Zeit versagt und die betroffene Person vorübergehend mit einer mechanischen Unterstützung bzw. einem Kunstherz überleben kann, bis eine erneute Transplantation möglich wird. Die Überlebensrate der Organe liegt (leicht unter jener der Patienten) bei 87 Prozent (nach einem Jahr), bei 79 Prozent (nach drei Jahren) und bei 72 Prozent (nach 5 Jahren).

Bei manchen Patienten mit sehr starker Herzinsuffizienz (Herzschwäche) führt keine der möglichen Behandlungen zu einer Besserung. Für diese Schwerstkranken kommt in seltenen Fällen eine Herztransplantation in Betracht, also der Ersatz des eigenen Herzens durch das gesunde Herz einer verstorbenen Person. Eine Transplantation kann die Überlebenschancen und die Lebensqualität wesentlich verbessern. Leider stehen zu wenig Spenderherzen zur Verfügung, so dass nicht alle Patienten, die von einer Transplantation profitieren könnten, ein Spenderorgan erhalten.


Expertenbeitrag von Prof. Dr. Thierry Carrel
Zum Thema «Herztransplantation» gibt es eine Fülle an Literatur. Die getroffene Auswahl erfolgte nach den Kriterien Bezug zur Schweiz, Verständlichkeit und Übersichtlichkeit. Anregungen, Kritik und Wünsche bezüglich weiterer Literatur oder nützlicher Kommentare sind willkommen und tragen dazu bei, das Transplantationsportal laufend zu aktualisieren und es den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer anzupassen.

Der Kommentar zu folgendem Werk wurde von Prof. Thierry Carrel verfasst. Carrel ist Direktor der Klinik- und Poliklinik für Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals Bern.
Karl Kriens und Doris Gröschke-Bachmann: «Letzte Chance – Herztransplantation»