Dienstag, 4. Oktober 2011

Wirtschaftsflüchtling als Busfahrerin in Zürich (SF Reportage)

Ist man gleich ein Wirtschaftsflüchtling, wenn man das gewohnte Umfeld in Deutschland verlässt, um sich in Zürich als Buslenkerin anstellen zu lassen. Sicher, auf den ersten Blick ist der Lohnunterschied gross. Aber erstens handelt es sich in Zürich und einen überteuerten Mietmarkt und zweitens zahlt man in Deutschland Nettolöhne. Von den unterschiedlichen Lebenskosten möchte ich gar nicht sprechen. Hier aber gleich von Wirtschaftsflüchtling zu sprechen finde ich doch etwas überzogen. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass auch rund 600.000 Schweizer/innen im Ausland beschäftigt sind. Wie werden die benannt ?

Bei den VBZ arbeiten schon seit geraumer Zeit deutsche Bus- und Tramführer(innen), und man ist offenbar mit ihnen zufrieden. Sie bekommen den gleichen Lohn wie ihre Schweizer Kollegen. Dass man nicht genügend Schweizer Bus- und Trampersonal findet, liegt wohl auch daran, dass es sich keineswegs um einen leichten Job handelt, es braucht auch eine grosse Einsatzbereitschaft. Die Bus- und Tramführer(innen) tragen eine enorme Verantwortung und müssen bei ihrer Arbeit viel Stress und Hektik auf sich nehmen. Sie müssen echt motiviert sein, denn die Anforderungen sind hoch. Offenbar sind die in Frage kommenden Schweizer nicht bereit oder fähig, diese Anstrengungen auf sich zu nehmen. So eröffnen sich der Frau neue Lebensperspektiven, wobei sie es sich selbst mit dem Wegzug aus ihrer Heimat nicht leicht gemacht hat.

Es ist eben die Denkweise die uns an dieser sachlich gestalteten  Reportage reiben lässt. Einerseits haben wir einen hohe Anzahl von Arbeitslosen im Lande, andererseits nehmen uns die Deutschen "unsere Arbeitsplätze" weg. Aber so einfach lässt sich das nicht belegen, wenn wir zB. das Gesundheitswesen betrachten. Sicher mangelt es nicht an der Einstellung der heimischen Bewerber. Arzt zu sein bedeutet hohe Stundenzahlen zu leisten. Auch an Wochenenden, wenn die andern feiern oder mit der Familie unterwegs sind. Die Ausbildung in der Schweiz ist sicher nicht schlechter.

Um bei Deutschland zu bleiben. Dort herrscht derzeit ein unheimliches Lohndumping in gewissen Branchen. Ebensowenig herrscht in der Schweiz keine GAV-Explosion. Vor Wahlen, wie jetzt, sind solche Beiträge im TV eher auch heikel. Vorallem wenn man von links und rechts immer zu hören bekommt, wie uns die eigenen Arbeitsplätze von Ausländern weg geschnappt werden. Entscheiden sie selbst und schauen sie sich den Beitrag an. Dann sprechen wir weiter. 

Hier gehts zum SF Reporter Beitrag vom 2.10.2011