Eine Diskussion auf einer bekannten Schweizer Blogseite, welche sich mit Themen rund um die IV befasst, hat mich dazu gebracht mich näher mit dem “Jammern“ im allgemeinen aber auch im besonderem zu befassen. Vielleicht ist jammern ein allzuviel mit Vorurteilen besetzter Begriff. Im Rahmen einer Diskussion wurde jedenfalls aus meiner Sicht der Begriff etwas verniedlicht. Dürfen Behinderte jammern,ihre Story erzählen und damit über ihre Leiden und Sorgen im Alltag berichten.
Jammern zählt doch zum Standardrepertoire exponierter Mitmenschen. Was sagt Wikipedia dazu. Welche Synonyme finden sich dafür. Da finden wir Wörter wie betrübt, bekümmert, beschweren, wehklagen.
Nachdem wir das nun annähernd geklärt haben möchte ich erklären warum mich das beschäftigt. Die generelle Frage die im Raum stand hiess, dürfen Behinderte jammern. Mich hat daran gestört, dass man nicht jammern darf, wenn man betroffen ist. Auf die Gefahr hin, dass wir als Behinderte in der Öffentlichkeit nicht mehr ernst genommen werden. Nach meiner Ansicht gehört aber klappern zum Handwerk. Es wird überall im Alltag eingesetzt. Die Bauern jammern, die Politiker, die Banker, die Alleinerziehenden. Yves Rossier, der Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen hat Mitte 14. September des Jahres anlässlich des Festes zur Einführung der persönlichen Assistenz eine bemerkenswerte Rede gehalten
Herr Rossier ist ja seit 2004 im Amt. Also nicht die ganze Zeit um den beschwerlichen Weg bis zur Einführung einer Finanzierung der Persönlichen Assistenz im Detail miterlebt zu haben. Es war ein fünfzehnjähriger Kampf (!) all die Sorgen an die da oben weiterzugeben, zuzuhören. Dabei zogen nicht alle Einrichtungen am selben Strick. Hervorzuheben dank dem hartnäckigen und äusserst geschickten Einsatz vor allem einer zuhörenden Person: Katharina Kanka.
Recht muss man sich holen
Aus seiner Rede zog er diese Schlussfolgerung: Wenn man etwas erreichen will, muss man nicht warten, bis uns jemand gibt. Wenn man Recht hat, muss man es sich holen. Das habe ich auch in der Bundesverwaltung gelernt (!) *
An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schnell die Kosten eines Rechtstreites ins uferlose explodieren können. Nur wer das Glück hat, kann sich einen Rechtsstreit bis zum Bundesgericht leisten. Umgekehrt würden wir nicht jammern, wobei ich hier das hinweisen auf unsere Situation verstehe, käme das Thema auch in der Politik weiterhin zu kurz. Darf man nicht bekümmert und betrübt sein, wenn man seine sparsamen Mittel einsetzt. Ich werde auch künftig jammern. Ich werde weiter über die mangelnde Zusammenarbeit und Kooperation der bestehenden Organisationen jammern, aufzeigen, berichten. Und ich werde versuchen, jenen Menschen helfen, denen es noch schlechter geht. Nicht weil es meinen Berufung ist, sondern weil ich einen Bedarf für Behinderte sehe. Hören sie rein.
Es war einen gute Rede. Es war aber auch einen Rede, wie man sie von einem BSV-Direktor erwarten dürfte. Auch wenn in einigen Punkten Auffassungsunterschiede bestehen. Würden wir je zum Jammern aufhören, geben wir uns selbst auf. Wir haben diese Behinderung nicht gewünscht (wer tut das schon), Herr Rossier hatte die Wahlfreiheit sich bis zu dieser Position raufzuarbeiten oder es zu lassen. Wenn aber, wie er selbst in seiner Rede feststellt, von der Macht der Strukturen berichtet, lade ich ihm gern ein, einen Zeit unseren Weg zu begleiten. Ob er dann noch die Kraft findet, sein Recht zu holen, oder eher seinen verbleibende Lebenszeit geniesst und aufhört zu jammern, weil es nichts zu holen gibt. Der Staat verweigert sich schlichtweg. Und dagegen ist nun mal kein Kraut gewachsen.
*Diesen Spruch kann man in dieselbe Schublade ablegen wie "Wer wirklich arbeitenwill, bekommt einen Arbeitsplatz" . Wer die Realität am Arbeitsmarkt kennt, speziell für Behinderte, weiss wovon ich schreibe.
*Diesen Spruch kann man in dieselbe Schublade ablegen wie "Wer wirklich arbeitenwill, bekommt einen Arbeitsplatz" . Wer die Realität am Arbeitsmarkt kennt, speziell für Behinderte, weiss wovon ich schreibe.
