(IM) Der dieswöchige Profilartikel von Frau Elfriede Hammerl /Profil.at zeigt an einem Beispiel auf, was täglich heute in den ein oder anderen Familienhaushalten mit einem Senior abläuft. Wenn Kinder zu Leibeigegen werden, oder die Mutter oder der Vater jegliche Hilfe von aussen, sei es Spitex oder ähnliches, ablehnt. Meistens ist es eine/r von mehreren Geschwistern die zur Pflege, Besorgungen und Arztbesuchen erkoren wird. Sie ist es dann, die einzige, die von der Mutter wenn nötig, zur Hilfe aufgerufen wird. Nicht selten leidet der Familienfrieden des "Helfers" wider Willen. Nicht das man nicht gerne hilft. Aber waruum immer ich. Da wären doch noch der Hans, die Mitzi oder die Vanessa, ja und die sozialen Dienste. .............................
Rücksichten
Im Grunde geht es um Kleinigkeiten. Und doch. Am Beispiel einer Frau, nennen wir sie Eva. Eva hat eine sehr alte, aber einigermaßen rüstige Mutter, die allein lebt und das auch möchte. Eva selber ist Mitte fünfzig und berufstätig. Wenn Not am Mann beziehungsweise an der Frau ist, wird sie von ihrer Mutter zu Hilfe gerufen. Das findet sie prinzipiell durchaus in Ordnung, was sonst. Bleibt allerdings die Frage, wie Not und wie Hilfe definiert werden.
Evas Mutter legt Wert auf Selbstständigkeit und Selbstbestimmung. Sie braucht keine mobilen sozialen Dienste und kein Essen auf Rädern. Einmal in der Woche kommt eine Bedienerin, das reicht, und wenn sie was Medizinisches benötigt, wendet sie sich an ihren Hausarzt, einen netten und kompetenten Allgemeinmediziner.
Evas Mutter ist allerdings auch eine rücksichtsvolle Frau. Deswegen mag sie die Bedienerin nicht bitten, die Fenster zu putzen, die Arme plagt sich eh genug in anderen Häusern, bei ihr soll sie es leichter haben. Auch sämtliche Angebote der Nachbarin, ihr Lebensmittel aus dem Supermarkt mitzubringen, schlägt sie aus. Und nie würde sie den lieben Herrn Doktor zu sich nach Hause kommen lassen, wenn sie krank ist. Der liebe Herr Doktor muss schon genug Hausbesuche machen, da will sie ihm nicht auch noch zur Last fallen. Stattdessen: Anrufe bei Eva. Könntest du mich zum Arzt bringen, Liebes? Würdest du mir was einkaufen? Wenn du das nächste Mal vorbeikommst, sei doch so lieb und wisch mir schnell über die Fenster. Und so weiter. Evas Mutter ist rücksichtsvoll zu aller Welt, weil sie schließlich eine Tochter hat. Evas Mutter braucht keine Hilfsdienste, weil Hilfsdienste nur was für anhanglose Menschen sind. (mehr)
(mfG)
Autorin : elfriede.hammerl@profil.at
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