Montag, 5. September 2011

Tue Gutes und wundere dich nicht !

(Blognachlese Archiv)

Ich habe es in einem meiner letzten Beiträge angetönt. Offiziell haben wir unser ja Projekt aus Krankheitsgründen bereits geschlossen. Aber es hängt sehr viel Herzblut an dem Projekt, welches wir zu Beginn der 90-er aus der Wiege gehoben haben. Sich einzusetzen und zu helfen. Für Menschen, Mitbürger die im Schatten unserer Gesellschaft am und unter dem Existenzminimum "leben". Da kann man nicht einfach so Schluss machen.

Es sind Mitbürger, die unverschuldet in ihre missliche Lebenslage geraten sind und jetzt bei den Sozialwerken vorsprechen müssen und um Hilfe bitten. Sicher kann man bei dem ein oder anderen darüber diskutieren ob es den wirklich notwendig war. Ob es wirklich soweit kommen musste. Nur unsere heutige Gesellschaft erlaubt keinen Fehler, keinen gesundheitlichen Problem und verschweigt gerne das wahre Ausmass der sozial abhängigen Menschen in der Schweiz. Inzwischen haben uns ja die Banken und die Wirtschaft gezeigt, dass diese Bedenken eher schamhafter Natur sind. Man kann durchaus mit der grossen Kelle anrichten und dann die hohle Hand machen. Darüber mokiert man sich leider nur am Rande. Wenig Einsicht von den Verantwortlichen. Unsere durch Unis geschulten Topmanager sind keine Loser im eigentlichen Sinn. Nein, sie waren einst die Stütze unserer Wirtschaft. Zumindest solange, bis sich ihre Fehler nicht mehr unter den Teppich kehren liessen, ohne darüber zu stolpern. Aber um den Grossteil dieser Kaderleute brauchen wir uns keinen Sorgen machen. Sie haben es sicher noch im Kopf, wie sie ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene zu retten. Manch einer hat aber die guten Ratschläge seiner Professoren in den Wind geschrieben und sich voll dem Konsum und Risiko verschrieben. Das könnte sich jetzt rächen.

Diejenigen, welche aber heute wirklich am Hungertuch nagen, sind die wahren Opfer dieser verfehlten Wirtschaftspolitik. Sie müssen den Kopf für andere hinhalten und noch dazu mit allerlei Kosenamen und Vorurteilen benennen lassen. Dabei wollten sie doch nur eines – mit ihren Familieneinkommen das Auskommen zu haben und als Familienväter für eine künftige ausreichende Altersversorgung der Vorgeneration, aber auch um die eigene zu kümmern. Ergo – ihren Teil zu einer funktionierenden Gesellschaft beitragen.

Mobbing

Eine der neuzeitlichen Lieblingsbeschäftigungen im Alltag ist ja das sogenannte Mobbing. steht im engeren Sinn für „Psychoterror am Arbeitsplatz mit dem Ziel, den Betroffenen aus dem Betrieb hinauszuekeln.“ Im weiteren Sinn bedeutet Mobbing, einen Kollegen ständig zu schikanieren, quälen und zu verletzen.

Unter Mobbing in der Schule (auch: Bullying) versteht man ein gegen Schüler gerichtetes „Gemeinsein“, Ärgern, Angreifen, Schikanieren und Sekkieren. Und hier möchte ich nach dieser kurzen Einleitung ansetzen. Eines Vorab. Auch die Kinder (meist Schlüsselkinder) der Erfolgsgeneration müssen in den beginnenden Rezessionszeiten lernen, das Geldmittel zum Einkaufen auch in sogenannten besseren Haushalten nicht mehr unbeschränkt zur Verfügung stehen. Vorbei also die Zeiten, wo man seine Mitschüler mit Designerklamotten, Hi-Techspielzeug u.v.a.m. ins Abseits stellen konnte. Es stellt sich dabei die Frage, was ist so besonders an Markenkleidung, wenn sie heute doch schon jeder trägt. Zurück zu meiner heutigen Geschichte. Da kennen sich zwei computerbegeisterte Jungs und sind die Leader ihrer Klasse deisbezüglich, was die Kenntnisse rund um den PC ausmacht. Abseits des Mainstreams beschäftigen sie sich sogar mit Linux. Der eine (A) kommt aus einem sogenannten guten Haus, der andere (B) aus einem Haushalt mit alleinerziehender Mutter und drei Geschwistern. A war immer am neuesten Stand. B musste zu Hause seine Bedürfnisse nach dem Einkommen der Mutter und den Ansprüchen der restlichen Geschwister ausrichten. Man hat einen zwar einen eigenen Familien-PC, der umgekehrt allen Familienmitgliedern zur Verfügung steht. Da kann es schon mal zu Engpässen kommen. Durch Zufall erfuhr ich davon und wir durchsuchten unseren Fundus aus Projektzeiten und fanden ein Drahtlosrouter von D-Link und einen USB-WLAN-Anschluss für den Familien-PC.

Zufrieden und mit strahlendem Gesicht hielt dem Jungen nichts mehr. Er wollte nach Hause, das Ganze zu installieren. So schnell, dass er sogar vergass seinen Schuhe anzulegen. Selbständig installierte er das drahtlose Netzwerk und von nun an kann er seine Aufgaben unabhängig in seinem Zimmer erledigen. Dieser Tage traf ich seine Mutter und frug nach, wie es läuft. Anfangs war sie noch ganz glücklich und wir konnten noch über den Lapsus mit den Schuhen lachen. Doch dann wurde ihre Miene ernster und sie erzählte mir, dass der vormals gute Kumpel von der Schule plötzlich begann ihn zu mobben und vor den anderen Schülern lächerlich zu machen. Was war geschehen, das diese scheinbare Freundschaft zerbrach. Er, der Sohn aus einem Mehrfamilienhaushalt hatte plötzlich eine modernere Infrastruktur, als der Junge aus gutem Hause. Anstatt sich für ihn zu freuen, schien dieser das offenbar in den falschen Hals bekommen zu haben.

Auch ich begann mir fürs erste Sorgen zu machen. Umgekehrt, begann ich zu zweifeln, wie eng denn eine Freundschaft sein kann, wenn sie durch so ein Geschenk zerbricht. Es kann doch nicht möglich sein, wenn es jemand mal aus einfacheren Familienverhältnissen trifft, er etwas bekommt, dann der Neid grösser als die Freundschaft von Kollegen ist. Mich hat das noch Tage beschäftigt. Was passiert mit dem Jungen A, wenn er ins Erwachsenenalter kommt. Wird er bis dahin gelernt haben, um was es im Leben wirklich geht. Dass nicht materielle Dinge die Beziehung unter uns Menschen regulieren, sondern die Achtung vor dem Anderen. Aber auch Freude, ohne selber etwas zu verlieren oder einzusetzen, es einem Kollegen und Freund passiert, mal etwas für sich zu bekommen, was man selbst noch nicht hat. Das Leben ein geben und Nehmen ist. Mobbing in der Schule müsste von den Lehrern sofort im Keim unterbunden werden. Das zählt für mich zur Lebensschulung. Und so ähnliches hat mir ein Bekannter über die Patenschaft einzelner Kinder in Afrika erzählt. Da werden einzelne Kinder auf lange Sicht und bewusst aus der Dorfgesellschaft herausgehoben. Sie die Patenkinder rücken plötzlich an den Rand der Gruppe. Tun wir damit wirklich was Gutes. Schaffen wir mit unserem Willen, was Positives zu tun, eigentlich nur Neid und Missgunst anstatt Freude?

Leben wir doch einfach Fairplay im Alltag vor.