Freitag, 23. September 2011

Lügen, Täuschen und Verdecken

Der Wahlkampf läuft auf volle Touren. Am Bundeshausplatz steht ein Glascontainer des SF, worin Politiker/innen via Rundfunk und TV die Möglichkeit haben, sich und ihr Wahlprogramm in 2 Minuten vorzustellen. Nicht viel, um es wirklich auf den Punkt zu bringen. Wobei einem mehr und mehr der Verdacht erfüllt, hier wird auch sehr viel geflunkert. Manches klingt phrasenhaft und einstudiert. Oft gehört. Ein Beispiel das Statement von Frau N.Rickli. Hätte man die Augen geschlossen, dann hätte die 2 Minuten jeder andere SVP-Politiker/in es so hingehaspelt.  

Das bringt mich zu dem Gedanken, was von den diversen Parteiprogrammen ist geflunkert, was ist ernst gemeint ? Entstand aus der Situation des Interviews. Wie vieles  davon ist ehrlich, überzeugend, so gemeint wie gesprochen, wie viel wird gelogen?

Lügen, Täuschen und Verdecken

Man geht in der Psychologie davon aus, dass Lügen lebensnotwendig sind, denn sie dienen dazu, das Selbstwertgefühl zu erhöhen und einen leichteren Umgang mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu ermöglichen bzw. weil sie auch das Miteinander mit anderen Menschen erleichtern. In den 70er Jahren hat der amerikanische Psychologe John Frazer Alltagsgespräche analysiert und die bis heute nicht unumstrittene These aufgestellt, dass Menschen etwa zweihundertmal am Tag lügen, wobei Wahrheit auch in der Lügenforschung nicht eindeutig definierbar ist. Im Alltag lügen Menschen meist aus prosozialen Gründen, oder um das Gesicht zu wahren, eher seltener aus antisozialen Absichten, denn prosoziale Lügen helfen, dem Gegenüber ein besseres Gefühl zu geben. Nur mit den antisozialen Lügen nimmt man in Kauf, dass sie Schaden beim Gegenüber oder einem Dritten anrichten. Zwar gibt es Menschen mit einer pathologischen Neigung, die Unwahrheit zu sagen, doch denen begegnet man eher selten. Übrigens: Die einzigen Menschen, die sicher nicht lügen, weil sie nicht in der Lage dazu sind, sind Autisten, denn ihnen fehlt die Wahrnehmung für das soziale und emotionale Miteinander (Teilquelle: WernerStangel)

Es wird die Realität mehr oder weniger verzehrt. Ist das im Wahlkampf legitim. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass zwischen Wahlzeit und Alltagspolitik oft riesengrosse Unterschiede bestehen. Manche Programmpunkte verschwinden komplett aus den Agenden. Sicher verändert sich die Weltpolitik fast täglich und nimmt Einfluss auf die Tagespolitik. Aktuelles Beispiel der Frankenkurs zum Euro. Aber sind es nicht gerade diese Ereignisse die flexible Politiker verlangen, die ihre Statements vor der Presse runterleiern wie ein Tonbandgerät. Sind dass die Politiker, denen wir mit unserer Stimme unser Vertrauen geborgt haben und die es nicht so zu schätzen wissen, wenn die Wahlen vorbei sind. Heute wird von jedem Arbeitslosen Flexibilität verlangt. Wie flexibel sind die Politiker/innen. Was ist ihre persönliche und was die der Partei. Welchen Einfluss haben Lobbyisten?

Das einzig Wahre ist ihr Stimmrecht

Wir haben lernen müssen, mit diesen Widersprüchen der Politik zu leben. Leider betrifft es immer die Schwächsten in der Gesellschaft. Sie sind die ersten Opfer von diesen Selbstlügen. Ohne Lobby haben die Menschen im Schatten der Gesellschaft wenig Chancen die Situation zu ändern. Eines aber bleibt ihnen – das Stimmrecht. Nutzen sie es. Es ist ihre Chance. Und die heisst es einzusetzen, die Wahlbeteiligung zu erhöhen und den Tarif durchzugeben. Vielleicht wird es dann im Land sozial gerechter und wir hören künftig weniger Lügen und Ausflüchte. Dass musste auch einmal gesagt werden.