Nun, die Bloggerszene scheint im Aufbruch. Die sogenannten sozialen Netzwerke gewinnen an Oberhand. Mit wenigen Worten drücken die Benutzer aus, was sie beschäftigt, was sie machen, wozu sie stehen oder sie wollen einfach auf sich aufmerksam machen und um Freunde buhlen.
Bloggers Beiträge sind jedoch für mich wertvoller, weil man sich hier nicht auf wenige Buchstaben beschränken muss. Jeder der möchte und darf, kann sie lesen. Man muss nicht Mitglied sein. Selbst auf die Gefahr hin, dass man bei ausführlicheren Artikeln nicht gelesen wird. Über den Mehrwert oder Minderwert solcher Einträge kann man sicher streiten. Erinnert mich ein wenig an meine CB-Funkerzeit in den 70-ern. Damals war eine der meist gestellten Fragen :“Wie komme ich bei dir an ?“ und „ Wo bist du ?“.
Was manchen der damaligen CB-Funker mit vielen Blogschreibern verbindet, ist ihre Anonymität. Man konnte zwar erkennen mit welcher Stärke der Kollege ankam, man wusste aber nie, wer wirklich hinter dem Mikrofon sitzt und von wo er funkte. Die Blogger der Schweiz haben ja in den Anfangsjahren immer wieder versucht sich zu organisieren, Richtig daraus etwas geworden ist es aber nie. Was bleibt sind neben den zahlreichen kompetenten Bloggern und Webseiten die anonymen Blogger oder jene Blogger/innen welche ihren Blog, wenn zwar im bescheidenen Rahmen, als Einnahmequelle benutzen in dem sie für Trigami o.ä. Beiträge zu Dingen des Alltags verfassen. Dabei kann es einem schon passieren da so ein Blog zweigleisig läuft. Wie denn ? Nun ja, wenn es um Klickzahlen geht, darf jedermann und Frau den Blog besuchen und mitlesen. Ansonsten kann man sich zum Lesen von Beiträgen nur per Passwort einloggen. Der gemeine Blogger wird solcherart für kommerzielle Zwecke missbraucht. Er/sie darf aussen vor bleiben.
Ein zweites Phänomen sind Blogger, die sich hinter einem Pseudonym verstecken. Spricht oder schreibt man dabei von seiner Frau, welche sicher einen schönen Vornamen trägt, steht dann einfach “my wife“. Dabei schaffen es solche Blogger noch zu einer der wenigen Auszeichnungen der Schweizer Bloggerszene von Antrazit als beste Webseiten der Schweiz erkoren zu werden. Bedenklich wenn ein Medium Anonymität auf solche Art auszeichnet. Zwei Beispiel die zu denken geben. Dabei haben wir doch die Meinungsfreiheit im Lande. Demokratie muss eine freie Meinungsaäusserung aushalten, sonst lasse ich es.
Der Wechsel vom Bloggen zu Facebook bringt, wenn man die Meldungen darüber liest, auch nicht die Erfüllung. Im Gegenteil. Internet scheint für die Ewigkeit und bei Bewerbungen kann man sich mit der einen oder anderen Jugendsünde leicht um seine Chancen bringen. Viele wählen aber bewusst Facebook um einerseits dazu zu gehören und ausserdem über viele zahlreiche virtuelle Freunde zu verfügen. So mehr oder weniger ein Adelstitel umso höher deren Anzahl. Und trotzdem musste Facebook sich jetzt radikal erneuern um vom Mitbewerber Google + nicht überholt zu werden. Der Datenhunger treibt schon seltsame Blüten.
Ich habe immer mit offenen Visier gebloggt. Dabei ging es weniger um Ranking oder Auszeichnungen sondern um die Menschen im Schatten der Gesellschaft, für die wir versucht haben zu lobbieren, zu helfen. Das wahre Leben sozusagen. 2006 erhielten wir überraschend von Reporter ohne Grenzen und der DW eine einmalige Auszeichnung als einziger Schweizer Vertreter beim jährlichen BobAwards, wo Fachleute unter anderem unsere Arbeit anerkannten. So gesehen eine Medienauszeichnung ohne kommerziellen Hintergrund.
Wahrscheinlich bin ich durch meine schwere Krankheit schon zu müde um mich noch um die neuen Sozialwerke zu kümmern. Erste Einblicke haben mir aber gezeigt, dass ich da noch nicht allzu viel versäumt habe. Nur ärgerlich, wenn mich die Medien und Fernsehsender zwingen wollen, Facebook oder Twitter zu benutzen um mich mitzuteilen oder einen Meinungsaustausch zu führen. Zuerst stirbt das Fax, bald das E-Mails und bald schweben wir nur mehr in Wolken. Heute redet fast niemand mehr über CB-Funk – künftig bald niemand mehr über die Bloggerszene. Lässt sich Meinungsvielfalt künftig nur mehr dank der neuen Medien und Netzwerke transportiere ? Ich hoffe nicht.
Kommunikation zweinull - Soziale Netzwerke: 8 Tipps für einen guten Umgang miteinander
