Dieser Artikel (Story) im Tagesanzeiger hat mir das Sonntags-Frühstück und mein Time Out versaut. Deshalb ein kurzer Artikel dazu.
Ich bin ja bei Gott kein Teilhaber von Aldi, Lidl und Co. Nur ist die Aussage von Herrn Loosli (abtretender Chef von COOP) im Artikel des Tagesanzeigers, so hanebüchen, dass ich es als einen persönlichen Affront empfinde. Den eigenen Kunden zu unterstellen, sie würden aus falsch verstandenen Sparbemühungen im nahen Ausland einkaufen und damit Arbeitsplätze in der Schweiz gefährden. So bitte nicht, wenn man selbst im Glashaus sitzt. Ich möchte dazu nicht das "Geiz ist geil" Schlagwort in Anspruch nehmen, weil dies an der Lebenssituation vieler lt. Loosli abtrüniger Einkaufstouristen vorbeigeht und eher pauschal abwertend klingt. Für mich schlichtweg ein Unwort. Sein Appell an das soziale Gewissen jener Menschen, welche versuchen mit ihrem Einkommen das Auskommen zu haben, finde ich in Zeiten wie diesen mehr als deplatziert.
Der starke Franken kostet den Schweizer Detailhandel Milliarden. Nach Ansicht des abtretenden Chefs fliessen alleine bei Lebensmitteln deutlich über 2 Milliarden Franken ins grenznahe Ausland. So übt er deshalb Kritik und bittet um Verständnis, wer ennet der Grenze einkauft, persönlich profitiert und Arbeitsplätze in der Schweiz gefährdet. Vielleicht deshalb auch das geplante Engagement des COOP-Konzerns in Russland 15 bis 17 Cash&Carry-Märkte zu betreiben, vor allem im Grossraum Moskau. In Polen und Rumänien sollen es bis in fünf Jahren 20 bis 25 Märkte sein, sagte Loosli. Dazu kurz das Leitbild von COOP wie sie ihre Arbeit und Philosophie verstehen: nah, vielfältig, profiliert, innovativ und partnerschaftlich.
Um seinen Standpauke zu unterstreichen, verweist er auf die Lohnsituation in der Schweiz und im nahen Ausland (vergisst aber seinen eigenen Lohn anzuführen). Im Gegensatz zu Deutschland bezahlt COOP Mindestlöhne von 3700 Franken. Ein uralter Lohnvergleich, der aber jedes Mal an den verschiedenen Kaufkraftsituationen der Länder scheitert. Der Kollektivlohn beträgt lt. unseren Internetrecherche zB. brutto 1.300.- - 1.400.- Euro Anfangslohn (GAV) in Österreich. Mit Nettolöhnen konkretisiert sich die Situation. Die Transportkosten sind hüben und drüben ähnlich. Was aber in der Schweiz jahrzehntelang gefehlt hat, war der Preiskampf der Detailhändler wie in der BRD.
Es war einmal
Das waren noch Zeiten, wie COOP und Migros, neben Denner den heimischen Markt bestimmten. Dann kam Aldi und Lidl. Gross der Aufschrei. Ja man sprach sogar von einer "Aldisierung" der Schweiz. Plötzlich gingen die Preise der beiden grossen Supermarktketten stark gegen unten. Der Konsument wunderte sich nur mehr, was plötzlich preislich nach unten alles möglich war. Aldi und Lidl mussten sich auf den Schweizer Markt einstellen. Die starken Seilschaften verhindern das Aldi heute in der Schweiz seine Preise nicht durchsetzen kann, wie in seinem Stammland. Mit ein Grund, weshalb der Einkaufskarawane wieder über die Grenze zieht, trotz Aldi in der Schweiz.
COOP ist eine Genossenschaft
Also nicht unbedingt auf Gewinn programmiert. Wir (ich) sind Mitglieder. Bekommen alle Jahre unser Kärtchen um den Vorstand zu entlassen (oder nicht). Tragen via Supercard unseren Beitrag zu einer effizienten Lager- und Verteilungslogistik bei. Helfen sparen. Offenbar aber fühlt sich Herr Loosli in seiner Arbeit falsch verstanden und möchte jetzt gerne seinen (ehemaligen) Kunden den Hals waschen. Nicht die feine französische Art. Und an den Tatsachen vorbei. Für die Arbeitsplätze sind andere verantwortlich, vorallem die Politik.
Der Einkaufstourismus wird ja nicht von Millionären betrieben. Sondern von einfachen Bürgern . Vielfach finden sich auch Ausgesteuerte, abgewiesene IV-Antragssteller und kinderreiche Sozialfamilien dabei, die mit Fahrgemeinschaften versuchen ihren Lebensunterhalt dem Einkommen anzupassen. Scheinbar ist das in der Schweiz nicht möglich. Niemand möchte sich dabei persönlich bereichern. Genau so wenig, wie die Einkauftouristen nicht patriotisch wären.Diese Aussage finde ich einfach fern jeder Lebensrealität und noch dazu beschämend.
COOP versuche, auf Direktimporte auszuweichen. «Aber fast immer bekommen wir nicht genug Mengen.» Im Kampf für tiefe Preise mache man auch jede Woche Druck auf die europäischen Lieferanten, weil sie ihre Devisenvorteile zurückhalten würden, so Loosli im Tagesanzeiger.
Da frage ich mich schon eher was das soll und was das den Arbeitplätzen in der Schweiz bringt, warum COOP des Wachstums zuliebe gegen Osten zieht, weil die u.a. auf Wachstumskurs vollständig erworbene Grosshandelsgruppe Transgourmet dort grosse Gewinne verspricht. Insgesamt also eine unangebrachte Aussage eines scheidenden Managers, der offenbar seinen aufgestauten Frust auf diese Art noch los werden wollte und die Kunden am liebsten an die Leinen nehmen würde (wollte). Punkt.