Donnerstag, 16. Juni 2011

Rückblende 2006 :Kind, sei doch nicht traurig!

Wie ein Kind empfinden dürfen muss ……

"Sei doch nicht so schüchtern, sag’ guten Tag zu unserem Besuch!",

fordert die Mutter ihren Dreijährigen auf. Der dreht das Gesicht weg, klammert sich ans Bein seiner Mama und sagt keinen Ton. "Nun setz’ dich doch mal durch, DU bist doch jetzt dran", ruft ein Vater seiner vierjährigen Tochter auf dem Spielplatz zu, als diese nun schon das zweite drängelnde Kind an der Rutsche vorlässt. "Du brauchst doch nicht traurig zu sein, morgen spielt Lea sicher wieder mit dir", tröstet die Erzieherin wohlmeinend ihren enttäuschten Schützling. "Na? Da freust du dich aber, dass du jetzt eine kleine Schwester hast, nicht wahr?", insistiert die Oma erwartungsfroh bei der vierjährigen Enkelin. Die guckt mürrisch und kneift wenig später ihre schlafende Baby-Schwester so fest, dass diese losbrüllt.

Sie haben es manchmal ganz schön schwer, unsere Kinder. Denn wir haben hohe Erwartungen an sie. Fröhlich und unbeschwert soll unser Kind sein, das wünschen wir uns zu allererst. Dann natürlich noch kontaktfreudig und aufgeschlossen. Es darf gern auch Ellbogen beweisen (auch wenn wir das nicht laut sagen), denn schließlich soll es sich ja im Sandkasten nicht unterbuttern lassen. Wenn sich ein kleines Geschwisterchen ankündigt, soll sich das ältere Kind herzlich freuen. Eifersucht ist da ganz unnötig. Unser Kind sollte zu seiner eigenen Sicherheit außerdem energisch "Nein" sagen können, das schon. Aber bitte nicht zu uns. Wut, Trauer, Neid – all das lieber nicht, denn das passt nicht in unser Bild davon, wie sich ein glückliches Kind verhalten sollte. Warum aber fällt es uns manchmal so schwer, Aggressionen, Schmerz, Traurigkeit oder Eifersucht bei un-serem Nachwuchs zuzulassen? Wie ein Kind empfinden dürfen muss, um seelisch gesund zu bleiben, erklärt die Familientherapeutin Alice Miller (vollständiger Artikel mit interessanten Tipps via www.urbia.de)