Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann | «Swiss Media Forum» |
In Tunesien und Ägypten mobilisierte sich die Bevölkerung mittels Internet und SMS zum Aufstand gegen die Regierung. Neue Kommunikationswege nutzt man auch in der Entwicklungspolitik: Auf Haiti wurde kurz nach dem Ausbruch der Cholera-Epidemie mit SMS und Voice-Mail über die in der Karibik bisher kaum bekannte Krankheit aufgeklärt. Diese zwei Beispiele nennen neuste Medientechnik. Qualitätsmedien sind sie deshalb noch lange nicht. Und von direkten Demokratien kann man weder in Nordafrika noch auf Haiti sprechen. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Die Medien spielen eine entscheidende Rolle.
Meine Damen und Herren, neue Generationen von Handies, aber auch Facebook, Twitter und Youtube verändern unser Verhalten, wie wir miteinander kommunizieren und wie wir uns informieren. Auch an Tempo legen wir zu. Überall und jederzeit sind wir erreichbar. Praktisch live können wir Ereignisse auf der ganzen Welt verfolgen. Diese Schnelligkeit und Vielfalt sind eine gewaltige Herausforderung. Eindrücklich haben die Ereignisse in Japan gezeigt, dass man sich in der Informationsflut nach zuverlässigen Nachrichten sehnt. Doch diese sind nicht immer einfach zu finden. Manchmal wäre weniger mehr. Der Wandel in der Medien- und Kommunikationsbranche fordert uns alle. Politiker, Konsumenten und Medien-schaffende gleichermassen. US-Präsident Barack Obama hat bereits vor zwei Jahren gezeigt, wie man elektronische Medien nutzt, um Wähler zu gewinnen.
Der Konsument entscheidet, wie, wann und wo er sich informiert. Verlagshäuser und Medienschaffende müssen den Spagat zwischen der schnellen Online-Information und gut recherchierten Hintergrundberichten meistern. Ein transparenter, vielfältiger Zugang zur Information ist die Grundlage für das Funktionieren einer modernen Gesellschaft. Nur so sind wir in der Lage, uns eine Meinung zu den verschiedensten Themen zu bilden. Und nur so können wir auch unsere Rolle in der direkten Demokratie wahrnehmen. Das ist für die Bürgerinnen und Bürger ganz besonders wichtig in einem Wahljahr wie diesem. …….
.... Meiner Meinung (BR Schneider-Ammann ) nach müssen die folgenden sechs Kriterien erfüllt sein:
1. Objektivität:
Die Berichterstattung orientiert sich an Fakten.
Tatsachen und Ereignisse werden sachgerecht dargestellt.
2. Korrektheit:
Die Berichterstattung muss fehlerlos und ausgewogen sein.
3. Unabhängigkeit:
Niemand ̶ das heisst, weder Eigentümer, Mächtige, noch Inserenten ̶ nimmt Einfluss auf die Berichterstattung.
4. Vielfältigkeit:
Die Themenauswahl ist gewichtet nach objektiven Kriterien.
Die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten muss zum Ausdruck kommen.
5. Verständlichkeit:
Die Berichterstattung ist verständlich, logisch aufgebaut und spannend gemacht.
6. Konstanz:
Die Berichterstattung zeichnet sich durch konstante Qualität aus.
Meine Damen und Herren, wer seine Arbeit auf diese Qualitätskriterien ausrichtet, dürfte auf die lange Frist gegenüber der Konkurrenz die Nase vorn haben. Die Wirtschaftskrise hat in der Schweizer Medienbranche zu teilweise massiven Einbussen in den Werbeeinnahmen geführt. Vielerorts mussten Stellen abgebaut werden. Entscheidend war, dass in der schwierigen Zeit der Rotstift dort angesetzt wurde, wo die Grundwerte, die Qualitätsgrundlagen des Unternehmens, nicht oder möglichst nicht betroffen wurden. (Auszug aus kompletter Rede, es gilt das gesprochene Wort )
Eidgenössisches Volkswirtschaftsdepartement
Internet: http://www.evd.admin.ch
Ich vermisse ebenso den guten alten Qualitätsjournalismus. Heute wird eher weniger recherchiert, denn schnell verfasst. Es darf nicht die Aufgabe der Medien sein, Strömungen zu unterstützen und weniger zu hinterfragen. Man kann sich einfach des Gefühles nicht erwehren, hier schreibt einer vom anderen ab. Ich als Leser erwarte mir eine objektive Berichterstattung, die sich nicht am Mainstream orientiert, sondern auch alternative Möglichkeiten aufzeigt und nicht den Politikern und Interessensvertretern nach dem Maul schreibt. Vor allem fehlen mir auch Themen, die von den Menschen am Rande der Gesellschaft berichten, ohne das Thema in reiserischen Headlines dargestellt wird um die Empörung im Lnade zu fördern. Die Vielfalt der Ereignisse und Ansichten muss zum Ausdruck kommen. Dann klappt es auch mit den Abonnenten wieder.
