Freitag, 15. April 2011

Reizüberflutung im Medienbereich

Wenn man sich via News, Onlinetageszeitungen, Newsletters und TV der täglichen Nachrichtenflut aussetzt, bedarf es gewisser Strategien um sich nicht im Gestrüpp von relvanten News, Facten, Halbmeldungen und Halbwahrheiten und Lückenfüllern verstrickt.

Dabei stellt sich die Frage brauche ich überhaupt soviel Information oder reicht es, die Headlines zu überfliegen und nur einen für mich interessanten Artikel genauer zu studieren. Hier mag ja das Interesse durchaus verschieden gewichtet sein. Persönlich kann ich mit dem ganzen Lifestyle, Prominententratsch und Klatsch nicht viel anfangen. Es ändert mein derzeitiges Leben keinen Millimeter, wenn ich weiss wer mit wem und warum. Die Zielgruppe scheint hier eher im jugendlichen bzw. beginnenden Erwachsenenalter zu liegen. Der Tagesanzeiger verweist bei einem Googletreffer unter anderem inhaltlich auf Nachrichten, Analysen, Bilder und Video zu Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Wissen, Technik, Auto und mehr die man nicht verpassen soll. Ich kann mir schwer vorstellen, dass dieses breite Angebot für einen Menschen täglich in allen Facetten von Interesse ist. Man muss Prioritäten setzen, da nur die wenigsten bei einer Quizsendung antreten möchten.

Umgekehrt braucht es ein breitgefächertes Angebot, weil die Menschen eben verschiedene Zielinformationen suchen, die für sie persönlich oder beruflich interessant sind. Für Sport kann man sich interessieren. Selten wird aber jemand Interesse an allen Sportarten haben. Wir haben uns als Patchworkblog den Mitbürgern am Rande der Gesellschaft verschrieben. Der soziale Alltag sozusagen. Leider findet gerade er in den Tageszeitungen nur dann Platz, wenn es um irgendwelche Betrüger im IV-System oder bei der Sozialhilfe gibt. Leader dürfte dabei das Boulevardblatt "Blick" sein. Eine Tageszeitung, die angeblich niemand liest, die aber doch zu den meist verkauften im Lande zählt. Sozialer Alltag, die Situation Betroffener, Opfer der IV-Revision und der neuen ALV ab 1.04. verkommen eher zu Randnotizen. Sie sind wahrscheinlich auch keine Abonnenten

Das Zürcher Verlagshaus Tamedia hat seinen Gewinn im letzten Jahr mehr als verdoppelt - auf gut 110 Millionen Franken. Dazu gehören von 20 Minuten bis zum Tagesanzeiger. Angeblich verdankt man dies u.a. steigenden Inseranten in den zahlreichen Blättern. Nun dieses Thema liesse sich beliebig ausbreiten und diskutieren.

Cold Call

Als unerwünschte telefonische Werbung, auch Cold Calls, Kaltanrufe oder Kaltakquise, gelten so genannte Initiativ-Anrufe durch Unternehmen gegenüber Privatpersonen (Wiki). Leider finden sich darunter immer mehr Verlage die ihre Abos an den Mann oder die Frau bringen wollen. Lästig, bis hin zum Gefühl der Ohmacht lässt sich dieses Vorgehen auf einen Nenner bringen. Mittels einer schrillen Sirene macht man den ein oder anderen ungebetenen Anrufer auf seine Missachtung der Privatssphäre aufmerksam und es hilft (bitten Kinder nicht nachmachen). Bei der Swisscom erhält man keine Teilnehmeranschlussdaten von Keilerfirmen. Man kann sein Telefon um rund FR 100.- überwachen lassen. Dabei ist man nicht einmal gegen die Swisscom eigene Werbefirma gefeiht. (sh.IM- Beitrag). Durch "Cold Calling" sind allein in Österreichs grösstem Bundesland(Kanton) Niederösterreich seit 2010 mehr als fünf Millionen Euro an Schaden entstanden. Darauf hat das Landeskriminalamt am Montag verwiesen. Allerdings nicht alleine durch Abo-Keiler, sondern auch angesichts der Häufung von Anlagebetrügereien durch ausländische Brokerfirmen, die nur mit aufwendig gestalteten Webseiten existieren und mittels 'Cold Calling' Veranlagungen in Wertpapiere anbieten (NÖN.at) Doch zurück zu der Medienflut.

In Bekanntenkreis höre ich immer wieder, ja in dieser oder jener Zeitung sind die Artikel besser recherchiert. Da kann man sich auf die Infos verlassen. Nur stellt sich für mich die Frage wie beim aktuellem Thema Japan, gibt man hier nur als Erfüllunngsgehilfe Agenturmeldungen weiter oder bemüht man sich selbst um konkrete Informationen Vorort. Andererseits stört es mich, wenn man via einer Headline zum Lesen verführt wird, ohne zB. die Folgen der plötzlichen Abschaltungen von Atomkraftwerken zu hinterfragen. Was kostete dies dem Steuerzahler ein solches Werk abzubauen und fachgerecht zu entsorgen. Nur auf dem Mainstream aufzuspringen reicht mir persönlich nicht. Was gibt es für Alternativen ? Lässt sich die Sicherheit in Zukunft noch entscheidend verbessern?

Hier fehlt es mir an Qualität von Artikeln und Berichten. Vielleicht liegt es daran, dass wir immer weniger bereit sind längere Artikel zu lesen. Aber gerade diese Flut an Kurzmeldungen verwirren manche Leute und sie verwechseln mal rasch Äpfel mit Birnen. Ich habe einmal in einem Seminar das sogenannte Blocklesen gelernt. Damit kann man seine Lesegeschwindigkeit enorm steigern. Aber das verlangt niemand.

Zusammenfassend. Ich lese gerne und ich lese viel. Das mag nicht jedermanns Sache sein. Umgekehrt gibt es aber heute noch Leute, die kein Fernsehgerät zu Hause stehen haben und lange brauchten sich mit einem PC abzumühen. Deshalb ist für mich das Entscheidende nicht bei Onlinezeitungen oder ähnlichem, was darf das kosten, sondern was bringt mir das als Leser. So wie derzeit praktiziert ertrinken wir in einer Flut von Nachrichten und Meldungen. Die wirklich wichtigen Informationen für den persönlichen Alltag (Gesetzesänderungen usw) gehen dabei verloren. Und das kostet schlussendlich viel Geld oder bringt unerwarteten Wählerzuspruch wie jetzt bei den Grünen.