Fast im Stundentakt werden wir mit Horrornachrichten von den sechs Reaktoren im AKW Fukushima, welche durch einen Riesentsunami und Erdbeben stark beschädigt wurden, überschüttet. Traumzahlen geistern durch die Gazetten, welche die Auswirkungen der Schäden und des Wiederaufbaus auf 4000 Milliarden Euro schätzen. Eine unvorstellbare Summe. Die Betreiberfirma Tepco will die vier havarierten Blöcke nicht wiederaufbauen, die japanische Regierung will alle sechs Reaktoren stilllegen.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde den Japanern eine Verfassung von den US-Besatzern auferlegt, die ihnen nur mehr erlaubt ein Selbstverteidigungsheer zu halten. Es darf also nur das eigene Territorium verteidigen. Trotzdem ist der Stand des japanischen Militärs mit rund 250.000 Mann verhältnismässig hoch. Diese sonst nicht so beliebten Soldaten wurden sofort nach der Katastrophe in das Unglücksgebiet geschickt. Früher konnten bei solchen Ereignissen noch Freiwilligenscharen aktiviert werden. Heute hilft fast das halbe Militär Vorort die Schäden des Tsunamis aufzuräumen. Die Soldaten sind vielerorts im Katastrophengebiet die einzigen Helfer.
Während wir uns hier in Europa von den Medien verunsichern lassen und der ein oder andere Ängste vor möglicher Strahlung entwickelt, versuchen diese Helfer unter wirklicher Strahlungsgefahr die Schäden zu beheben. Auch die unbeliebeten stationierten US-Truppenhelfen fleissig mit, das es zumindest in Teilen wieder Strom gibt.
Besonders gefährlich leben jene Arbeiter, die direkt in den Reaktoren versuchen, die Folgen des Atomunfalles im Rahmen zu halten. Helfer aus 35 Ländern unterstützen die örtlichen Gemeinden und Regierungen, um wieder etwas Ordnung in das Chaos zu bringen. Alle Akten sind ja vernichtet.
Todesurkunden müssen ausgestellt werden.
Speziell die Arbeiter in den Reaktoren riskieren ihr eigenes Leben, sicher primär für die eigenen Mitbürger. Indirekt, damit sich Leute welche tausende Kilometer entfernt leben, sich nicht sorgen müssen. Teils skurril die Ängste europäischer Bewohner, ob man den jetzt noch japanische Autos kaufen könnte oder überhaupt Produkte aus dem Multi-Medienbereich und Haushaltselektronik. Es wird lange brauchen, bis die Industrie wieder ans Laufen kommt. Es wird gemessen und der Himmel beobachtet, damit unsere heile Welt keinen Riss bekommt.
Ich habe grosse Achtung vor den Leuten, die sich unter des Risikos einer tödlichen Verstrahlung darum bemühen, den schaden in Grenzen zu halten. Spätestens an diesem Punkt fällt mir die Fernsteuerung aus der Hand. Sicher können wir nicht bei jeder Katastrophe mitleiden. 2010 war diesbezüglich ein Rekordjahr. Nur habe ich das Gefühl, dass man den Einsatz der Arbeiter Vorort zuwenig schätzt und nur um das eigene Wohlergehen besorgt ist. Dies lässt sich auch nicht mit einer Spende gerade biegen. Sie sind die wahren Helden. Ihnen gebührt die ganze Hochachtung.
Zum Thema :
Evakuierungszone wird nicht ausgeweitet (Bild.de)
Freiwillige Feuerwehr in Japan - Dauereinsatz in der Todeszone (Spiegel.de)
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Atomkraft (spiegel.de)