Donnerstag, 24. Februar 2011

Zuerst wird beim Arztbesuch gespart

Jeder Siebte leistet sich keine Arztbesuche

Trotz obligatorischer Krankenversicherung ist vielen der Arztbesuch unter Berücksichtung einer hohen Franchis zu teuer. Dabei verzichtet Herr und Frau Schweizer am ehesten auf den Zahnarzt oder lässt sich dringend notwendige Reperaturen im Ausland , speziell in Ungarn, durchführen. Ich habe es schon selbst erlebt, dass man sich bei einem Sozialamt überlegt hat, den Bezüger zur Behandlung nach Ungarn zu schicken.

Eine obligatorische Krankenversicherung ist in der Schweiz Pflicht. Der Gang zum Arzt für viele Menschen in der Schweiz zu teuer, speziell wenn man eventuelle Medikamente oder Hilfsmittel in Betracht zieht. Persönlich wurden mir von meiner KK für den mobilen Einsatz Sauerstoff in Dosen a 8lt. verweigert (nicht im Katalog) obwohl ich für den stationären Aufenthalt zu Hause einen Sauerstoffkontentrator stehen habe. Die Kasse würde lieber einen teure Mobillösung mit einem Akkugerät bezahlen. Im Kanton Genf verzichtet jeder siebte Einwohner aus finanziellen Gründen mindestens einmal im Jahr auf eine medizinische Behandlung, wie eine Studie zeigt. Forscher am Universitätsspital Genf fragten in den Jahren 2008 und 2009 insgesamt 765 Männer und 814 Frauen zwischen 35 und 74 Jahren, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten aus Kostengründen auf medizinische Leistungen verzichtet hätten. 15 Prozent antworteten mit Ja, wie das Unispital in einer Mitteilung schreibt.(Teilquelle 20min.ch). Noch mehr hält man sich beim Besuch eines Facharztes zurück.

Auf Operation verzichtet

Brillen sind ja seit diesem Jahr keine Thema mehr. Man verzichtet, weil insgesamt zu teuer und behilft sich mit Sehhilfen aus dem Discountmarkt oder via Versandbrille von Tchibo.  Nicht wenige Prozent liessen gar eine Operation sausen. Der Verzicht auf den Zahnarztbesuch kann sich in der Folge mit Herzkreislauf-Krankheiten rächen. So habe eine Analyse ergeben, dass Menschen mit der Zahnfleischerkrankung Parodontitis ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko für Herzkreislauf- Vorfälle hätten.

Besonders häufig verzichten erwartungsgemäss arme Menschen auf medizinische Leistungen. Bei jenen, die weniger als 3000 Franken pro Monat verdienen, lag der Anteil der Verzichtenden bei 30 Prozent. Auch die Ausbildung, der Beruf, die Nationalität und die KK-Franchise waren Risikofaktoren für einen Verzicht.

Zu teure Prämien

Die Studie zeigt unterm Strich, dass einige Menschen trotz Prämienverbilligungen Mühe haben, ihre Krankenkassenprämien zu bezahlen. Die hohen Aussenstände bei der Bezahlung der Prämien führen in einigen Kantonen schon zu schwarzen Listen. Die Patienten werden nur mehr im Notfall behandelt. Die Aussenstände der Spitäler bewegen sich im 2-stelligenMillionenbetrag.  Damit ergeben sich Zuganghemmnisse zur Gesundheitsversorgung, dass einem der reichsten Länder der Welt nicht sehr schmeichelt. Der Verzicht auf medizinische Leistungen kann langfristig dazu führen, dass sich der Gesundheitszustand eines beträchtlichen Teils der Bevölkerung verschlechtere und damit indirekt die Gesundheitskosten der Allgemeinheit belastet werden. Das Solidaritätsprinzip stösst an seine Grenzen.

Ein paar zufällig ausgesuchte Kommentare zum Thema spiegeln die Realität im Volk wieder(20min.ch)

Im Ausland zum Arzt
Ich gehöre auch dazu: bei einer Franchise von 2500.- muss ich eh alle Arztbesuche selber bezahlen. d.h. ich geh hier in der Schweiz nicht mehr zum Arzt. Die letzte Untersuchung machte ich vor zwei Jahren im Ausland, während den Ferien, weil es dort nur ein Drittel kostet.

Kreativität
als Familie haben wir (Eltern) die höchste Franchise. Jeder Arztbesuch muss genau durchgerechnet werden. Die Prämien für die Kinder sind indessen einigermassen Akzeptabel. Zahnbehandlungen gibt es seit Jahren nur noch in Ungarn. Gute Qualität zu einem sehr günstigen Preis!

KVG ist ein Verbrechen!
Was heisst hier verzichten? Ich kann mir den Zahnarzt schlicht und einfach nicht mehr leisten. Auch die Krankenkosten betragen bei uns (5Köpfige Familie) samt allen Selbstbehalten und Franchisen über 2000 Fr. pro Monat. Ich habe jetzt schon nur die Wahl: Steuern zahlen oder Krankenkosten zahlen. Man sollte die Verursacher dieses KVG Verbrechens aufhängen.

Eine Schande
Es ist eine Schande, dass unsere Politiker die seit Jahrzenten überproportional steigenden Krankenkassenprämien nicht in den Griff bekommen. Alles nur Versprechungen und Symptombekämpfung. Die eigentlichen Kostentreiber werden nicht angegangen. Kein Wunder solange mehr Lobbyisten wie Politiker in der Wandelhalle im Bundeshaus verkehren.

Dem lässt sich nicht mehr viel hinzufügen. Dies lässt sich auch wenige mit "gesunder"Ernährung kompensieren.