Samstag, 19. Februar 2011

Tod nach Plan - eine Nachbetrachtung

André, psychisch krank und lebensmüde

Ein Film von Hanspeter Bäni

„Wenn ihr an mich denkt, seid nicht traurig.“ Diese Zeilen verfasst André Rieder für seine eigene Todesanzeige. Der 56jährige ist seit Jahren psychisch krank und möchte deshalb mit Hilfe einer Sterbeorganisation aus dem Leben scheiden. Akribisch bereitet er sich auf den Tod vor. Seine Freunde, hin und hergerissen zwischen Verständnis und Verzweiflung, haben viele offene Fragen. Doch auch unter Psychiatern ist die Sterbehilfe umstritten. Der Film von Hanspeter Bäni zeichnet die Gratwanderung der Sterbehilfe in der modernen Gesellschaft auf. Ein bewegendes Dokument über einen Menschen, dem der Tod lieber ist, als ein Leben mit einer psychischen Krankheit. - Nach der Sendung können Sie im DOK-Forum mitdiskutieren.


by SFDRS Sendung DOK

Nachbetrachtung IM

Im Vorfeld hat man sogar davon gesprochen, die Ausstrahlung dieser Sendung zu verbieten. Warum? Weil dort ein Mensch es als sein persönliches Ziel sah, sich aus diesem Leben zuverabschieden. Der Person André gebührt dafür meine Hochachtung. Diesen Weg zu gehen, wollten vielleicht tausende vor ihm gehen, haben aber nie den Mut gefunden. Er hat für seinen Freitod den unspektulären Weg gewählt. Sich nicht vor einen Zug geschmissen und damit den Lokführer in ein mögliches lebenslanges Trauma versetzt. Er hat sich  auch von keiner hohen Brücke geschwungen. André hat sein leben vorher im Sinne seiner Vorstellungen noch in Ordnung gebracht und sich von seinen wenigen Freunden verabschiedet.

Haben wir überhaupt das Recht das geschenkte Leben von selbst zu beenden. Ich meinen ja. Man kann gesundheitlich an einen Punkt kommen, wo man austherapiert ist. Wenn es der Herr Doktor zwar bestreitet und argumentiert es gäbe immer Lösungen, sao muss ich ihm widersprechen. Man kann einen schwere Krankheit annehmen und mit ihr versuchen ein Maximum an Lebensqualität zu erreichen. Es ist aber einen Illusion zu glauben, das dies langfristig zum Erfolg führt. Trotz einem leibevollen Partnerund guten Freunden merk man selbst irgendwann, aus, das war es. Man sucht für sich die Erlösung. Menschen in dieser Situation haben einen Antenne was Ärzte diagnostisieren und was sie wirklich meinen. Zum Beispiel sagt dir niemand direkt ins Gesicht " Sie sind zu alt für einen Herztransplantation !" , wie ich aus persönlicher Erfahrung weiss.

An diesem Punkt muss man für sich entscheiden, ob man den Weg via Sterbehilfe wählt. Leider ist es auch hier wie in der Gesellschaft. Man muss sich diesen eher humanen Weg finanziell leisten können. So gesehen haben viele gar nicht die Möglicchkeit. Apropos Gesellschaft. Sie ist kranken, pflegebedürftigen Menschen nicht wohl gesonnen. Sie kosten nur Geld und nehmen mehr aus der Kasse, als sie einbezahlt haben. Und die eigenen Kinder in ihrer Lebenswelt zu beanspruchen darf auch nicht der Weg der Zukunft sein. Wer einmal über Jahre einen nahen Angehörigen gepflegt hat, weiss  was ich meine. Man schränkt ein anderes Leben ein, um das eigene zu verlängern. Kinder sind ein Geschenk. Lassen wir sie doch ihr Leben leben. Lassen wir aber auch Menschen in der Lebenssituation von André oder anderen für sich entscheiden, wie sie ihr Leben führen oder nicht mehr führen wollen. Denn eines kann niemand bestreiten, es ist nicht toll von anderen abhängig zu sein und  sich alles erkämpfen zu müssen.

Dieser Beitrag erscheint diese Woche anstatt des gewohnten Wochenrückblicks.