Nicht einmal staatliche Behindertengleichstellungsgesetz schafft Arbeitsplätze
Während die Verantwortlichen, inklusive dem zuständigen Bundesrat der Meinung sind, im Zuge der IV-Revision wieder aktuelle Bezieher einer IV-Rente oder Behinderte in Arbeit bringen zu können, ist man im Nachbarland Österreich schon einen Schritt weiter. Ein Blick auf die dortige Praxis sollte die heimischen Verantwortlichen doch etwas zum Nachdenken bringen. Rund 500 Millionen jährlich sollte die Invalidenversicherung in den nächsten Jahren sparen. Nach dem erbitterten Widerstand der Behindertenverbände lockert Bundesrat Didier Burkhalter die Sparbremse.
Freikaufen
Laut österreichischem Behinderteneinstellungsgesetz sind die Arbeitgeber dazu verpflichtet, pro 25 Mitarbeiter einen Behinderten einzustellen. Sie können sich jedoch von dieser Verpflichtung mit einer Ausgleichstaxe freikaufen. Diese Ausgleichstaxe beträgt bei einer Firmengröße bis zu 100 Mitarbeitern 226 Euro, bis zu 399 Mitarbeitern 316 Euro und ab 400 Mitarbeitern 336 Euro. Wie viel Geld die Betriebe mit der Ausgleichstaxe im Vorjahr insgesamt gezahlt haben, diese Zahl liegt im Sozialministerium vorerst noch nicht vor (IM: kommt mir irgendwie bekannt vor)
Nun zeigen die jüngsten Zahlen, dass wenige der in Frage kommende Betrieb ihrer Pflicht zur Einstellung von Menschen mit Behinderung nicht oder nicht ausreichend nach kommen. Laut Sozialministerium in Österreich hätten im Vorjahr 17.109 Firmen zumindest eine Person mit Behinderung einstellen müssen. Tatsächlich haben aber nur 3.869 Betriebe oder 22,6 Prozent diese Pflicht zur Gänze erfüllt. Die restlichen 77,4 Prozent haben entweder zu wenige oder gar keine Behinderten beschäftigt.
Wobei sich die Quote von 22,6 % hat sich die letzten Jahre stabilisiert. Es werden einfach nicht mehr. Also nicht einmal ein Gesetz kann die Unternehmer dazu überzeugen, behinderte Menschen einzustellen. Zu einladend wahrscheinlich die Möglichkeit sich letztendlich frei kaufen zu können. Diese Zahlen betreffen grossteils private Arbeitgeber. Wie sieht es nun beim Bund des Nachbarlandes aus. 2009 hat man die vorgeschriebene Quote noch eingehalten. Neue Zahlen sind noch nicht verfügbar.
Schweizer Chefs wollen vermehrt Arbeiter im Ausland suchen
Über 50 grosse Schweizer Unternehmen wollen dieses Jahr neue Stellen schaffen. Laut einer Befragung genügt ihnen aber der heimische Arbeitsmarkt nicht mehr. Mit der 6. IV-Revision sollen rund 17'000 IV-Rentner in den Arbeitsmarkt integriert werden. Damit dies gelingen könne, müsse sowohl die Wirtschaft als auch die Verwaltung einen Effort leisten, sagte Burkhalter. «Alle müssen sich bewegen.» Der Innenminister selbst will mit gutem Beispiel vorangehen: Im Departement des Innern sollen in drei bis fünf Jahren mindestens 50 Personen mit einer Behinderung arbeiten (Betonung auf sollen!). Heute sind es 39 von insgesamt 2445 Mitarbeitenden. Ergänzend will Burkhalter bis Ende 2011 50 Praktikums- und Lehrstellen für Behinderte schaffen.
Besonders frech die UBS. Nach Sanierung mit Steurgeldern droht man nun Teile der Bank ins Ausland auszulagern. Da erübrigt sich dann die Frage wegen der Einstellung von behinderten Menschen aus der Schweiz. Da war doch mal etwas mit der Swiss Airlline. Jetzt fliegt sie wieder in den schwarzen Zahlen. Leider nicht mehr als heimische Airline, aber mit gutdotierter Starthilfe aus der Schweiz. Wer hat es erfunden ?
Auszug aus einem Leserbrief zum Headthema(Name der Redaktion bekannt) :
Dieser Tage habe ich ja erfahren, dass die 6. IV-Revision auch etwas kosten wird: Man will nämlich die IV-Stellen ausbauen, um die wieder einzugliedernden Rentner „aufzutrainieren“ (zu Deutsch: für den Arbeitsmarkt fit machen). Wie viel genau das kosten wird, weiss ich (noch) nicht. Aber ich habe mir ein bisschen die Augen gerieben. Ich hatte immer geglaubt, die IV müsse sparen.
Zum Thema: Der Lug mit dem Betrug
