Dienstag, 8. Februar 2011

"Du bist mein Held"

Am Samstag wurden in Berlin die goldenen Kameras verliehen. Eine sonst langweilige, sich in die Länge ziehende Veranstaltung. Doch die diesjährige Verleihung hielt noch einen kleinen Höhepunkt parat. Eine Ehrenkamera wurde an die Sportmoderatorin Monica Lierhaus verliehen. Beinahe vier Monate lag Deutschlands beliebteste Sportmoderatorin nach einer Gehirnoperation im Koma. Sie erwachte in einem Leben, in dem sie jeden Gedanken neu denken und jeden Handgriff neu lernen muss. Jetzt ist Monica Lierhaus, 40, zurück in der Öffentlichkeit. Ihr erster öffentlicher Auftritt.

Schicksalstag 8.Jänner 2009

Ein Tag, der ihr Leben entscheidend verändern wird. Sie wurde von den Ärzten über das Risiko des Eingriffes am Gehirn ausreichend aufgeklärt. Sie wählte trotzdem diesen Schritt und nahm damit auch alles Risken einer solchen OP in Kauf. Es sollte ein Aneurysma im Gehirn verschlossen werden. Dazu gibt es keinen Alternativen. Umso mehr die stark erweiterte Arterie irgendwann platzen hätte können und grossen Schaden verursachen. Leider verlief die OP nicht planmässig. Die Ärzte gelang es zwar die Hirnblutung zu stoppen. Aber sie mussten die Patientin anschliessend für 4 Monate ins künstliche Koma verlegen. Um die Sache abzukürzen – nach der Verleihung bat sie ihren Lebenspartner zu ihr auf die Bühne und stellte ihm die Frage aller Fragen: " Willst du mich heiraten?" Und er sagte ja. Dies ist ein Einzelschicksal, welches durch die Bekanntheit der Patientin in den Fokus der Medien geriet und uns als Zuseher zu ein paar verstohlenen Tränen brachte.

Einzelschicksal/e

Ich werde jedoch nie müde werden, bei solchen Geschichten auf die tausend anderen Schicksale im Lande hinzuweisen, wo ähnliches passiert und die Angehörigen nicht auf die grosse Unterstützung wie in diesem Fall zählen dürfen. Auch Einzelschicksale mit geliebten Menschen, die plötzlich aus dem gewohnten Alltag gerissen werden und von den Angehörigen, hauptsächlich des Ehepartners wieder ins Leben zurück begleitete werden. Die sich aufopfern bei der Pflege und bis an die Belastungsgrenze und manchmal auch darüber gehen. Nebenbei noch gegen die Bürokratie kämpfen müssen um dies oder jenes Hilfsmittel bewilligt zu bekommen. Gespart wird leider überall. Zuerst im Gesundheitswesen. Denn eigentlich will ja niemand krank und gebrechlich sein.

Man könnte in Anlehnung an manche Diskussionsrunde im Fernsehen einfach sagen wenn Betroffene von ihrem Schicksal erzählen - Einzelschicksal. Verallgemeinert in Zahlen, denn Zahlen sind besser zu verkraften, als ein Mensch der tatsächlich davon betroffen ist. Dieses Einzelschicksal jedoch saß dort stellvertretend für die anderen Millionen(!!!!) von Einzelschicksalen, die keine Chance mehr in unserem Land bekommen. So bekommt das Wort Einzelschicksale doch gleich einen ganz anderen Charakter. Nämlich den Plural, die Masse.

Jeder einzelne Mensch ist es heute wert, dass man sich um ihn bemüht und kümmert. Jedem, der heute die Geisel der Menschheit, den Krebs besiegt, hat eine Auszeichnung verdient. Bedenken wir doch, wie schnell wir heute ein Teil dieser statistischen Gesamtzahlen werden können. Ich möchte es niemand wünschen. Leider  hat es vor Jahren auch meinen Frau erwischt. Sie hat gekämpft und das Schiksal tapfer ertragen. Sie ist für mich mein Held. Nur sollten wir einmal in uns gehen und darüber nachdenken. Was bin ich wert, was ist mein Partner wert. Was hat er alles für uns geleistet. Was habe ich für mich und was für die Gesellschaft geleistet.

Es sind alle auf ihre Art Helden – jedem Einzelnen gebührt eine goldene Kamera. Nur würde diese dann ihren exklusiven Charakter verlieren. Brauchen wir solche Auszeichnungen überhaupt? Einerseits wehren wir uns gegen das Klonen von Lebewesen, andererseits sehen wir zu selbst gemachten Helden auf. Fallen auf Scharlatane und Blender rein. Warum müssen wir uns immer wieder messen, im Wettkampf beweisen ? Messen im Alltag, im Sport, in der Wirtschaft. Das Leben hält für uns den vorbestimmten Platz bereit. Akzeptieren wir das doch so. Dann werden wir auch einen andere Optik bekommen und sehen, dass jeder auf seine Art ein Held ist und für seinen Platz im Leben bestimmt ist. Und wenn sie uns dann einen Teil unseres Lebensweges begleiten, finde ich das toll.

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