99% finden Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht nicht nötig!
Die beim Verkaufspersonal des Kantons Bern von der Unia durchgeführte Umfrage zur Verlängerung der Ladenöffnungszeiten zeigt klar auf: 99% des Verkaufspersonal ist deutlich gegen eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht und gegen die generelle Sonntagsarbeit.
Umfrageresultate zur Verlängerung der kantonalen Ladenöffnungszeiten.
Die Gewerkschaft Unia hat in den vergangenen Wochen eine Umfrage bei den Detailhandelsangestellten des Kantons Bern durchgeführt. Dies aufgrund der von den Grossräten Erich Hess (SVP) und Matthias Tromp (BDP) eingereichten Motionen. Diese sehen Ladenöffnungszeiten werktags von 5-24 Uhr, samstags von 5-23 Uhr und generelle Sonntagsarbeit vor. Die Umfrage wurde im ganzen Kanton Bern durchgeführt. 1406 Personen aus rund 800 Geschäften haben sich an der Umfrage beteiligt. Die Resultate zeigen ein klares Signal: 99% der Befragten sind gegen Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht und 97% gegen regelmässige Sonntagsverkäufe. Interessant ist, dass die Antworten aus Arbeitgeberperspektive nur minim von denen der Angestellten abweichen: Von den Filialleiter/-innen sind 98% gegen Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht und 95% gegen regelmässige Sonntagsverkäufe, von den Ladeninhaber/-innen finden 98% Ladenöffnungszeiten bis Mitternacht und 96% regelmässige Sonntagsverkäufe nicht nötig.
Längere Ladenöffnungszeiten schaffen keine neuen Arbeitsplätze
Nur gerade 8 % sind der Meinung, dass längere Ladenöffnungszeiten mehr Arbeitsplätze bringen! Längere Öffnungszeiten sind aus ökonomischer Sicht nicht rentabel. Der Konsum verteilt sich lediglich zeitlich, nimmt aber nicht entsprechend zu. Dem gleich bleibendem Umsatz stehen jedoch höhere Kosten gegenüber (Aufwand für Personal und Infrastruktur).
… und erhöhen den Druck auf die Angestellten
Wenn Geschäfte trotzdem länger öffnen (müssen) - z.B. in den Einkaufszentren oder wegen des Konkurrenzdrucks -, entsteht Druck auf die Arbeitsbedingungen: Weniger Personal muss grössere Flächen abdecken, mehr Arbeit auf Abruf, längere Wochenarbeitszeit und Aufspaltung der Tagesarbeitszeiten (z.B. 3 Stunden Mittagspause). Hinzu kommen die Zerstörung des Privatlebens und die gesundheitliche Gefährdung durch immer höhere Arbeitsbelastung. „Wir arbeiten schon heute genug und zu schlechten Bedingungen – es reicht!“ heisst es in einer Resolution, die an einer Versammlung der Detailhandelsangestellten am 11. Januar verabschiedet wurde.
Das Bedürfnis nach einer weiteren Verlängerung der Ladenöffnungszeiten ist nicht gegeben. Bereits die heutigen Ladenöffnungszeiten werden nicht ausgeschöpft. Ende Januar 2011 entscheidet der Grossrat über beide Motionen, welche der Regierungsrat zur Ablehnung empfiehlt. Für die Gewerkschaft Unia ist klar: Die beiden Motionen sind unnötig und sollten abgelehnt werden.
Im Anhang finden Sie die Auswertung der Umfrage. Weiter Argumente sind auch hier zu finden.
IM-Kommentar: Bei solchen Befragungen besteht natürlich die Gefahr, und das wird ja bestätigt, dass ein hoher Prozentsatz ablehnt. Genau ähnliche Ergebnisse würde man erreichen, wenn man Polizisten, Ärzte, Krankenschwestern, Gastronomiepersonal usw. befragen würden. Unserer Meinung nach geht es aber bei den längeren Öffnungszeiten nicht darum, bestehendes Personal über Gebühr einzusetzen, sondern für die Randzeiten, zusätzliches Perosonal einstellt. Viele Familien wären froh ob einem Nebenverdienst. Hier könnten Hausfrauen am Abend einspringen, würden sich ein paar Franken verdienen und das Familienbudget entlasten. Umgekehrt kostet Freizeit Geld. Tests in Amerika haben gezeigt, als man die wöchentliche Arbeitszeit in die ersten drei Tage packte, dass dies zwar am Anfang lustig war. Nach einer gewissen Zeit tauchten aber Probleme mit der Finanzierung der Freizeitaktivitäten und mit der Freizeit auf.
Wir brauchen Arbeitsplätze und das nicht zu knapp. Bestreben der Gewerkschaften sollte es sein, hier eher ein funktionierendes System zu finden und nicht immer wieder auf die alten Vorurteile zurückzugreifen. Ein indirekter Beweis für einen Bedarf sind die Steigerungen im Onlineverkauf(24Std.). Nach mehr als 30 Jahren Fremdenverkehr und 4 Kindern kann ich nur sagen, es wäre eine Chance für Arbeitsplätze.Glauben sie kein Unternehmer würde ohne Rendite mitmachen. In Tschechiens Einkaufsmeilen schaffen viele Kassiererinnen in den Abendstunden und können sich so mehr leisten als andere Kollegen. Zumindest gehen sie solange bis sie zB ihr Haus gebaut haben usw. Auch der Alltagsverkehr würde entlastet, weil nicht alle Samstag Vormittag en bloc die Einkaufszentren stürmen. Einkaufen kann auch ein Erlebnis mit der Familie sein. Der Mix macht es aus. Schluss mit den immer mehr Regulierungen. Und wegen Sonntag - Gott ist überall. Ich kann das aus persönlicher Erfahrung bestätigen.