Montag, 17. Januar 2011

Bloggen, kommentieren und frustrierte Zeitgenossen

Insgesamt ist es ja ums Bloggen als solches ruhiger geworden. Immer mehr langjährige Qualitätsblogger haben ihre Tore geschlossen. Zwar wird die Szene quantitativ mit immer neuen Blogs auf Stand gehalten. Nur bei vielen fehlt einfach die Würze oder Konsequenz. Ich kann das auch einerseits immer mehr verstehen. Umso mehr wenn viele ihre Kommentatorfunktion eingeschränkt oder gesperrt haben (müssen).


Den eines der grössten Probleme im Internet sind die anonymen Blogger, die all ihren Frust der sich so im Laufe des Tages aufstaut, in ihren diversen Kommentaren abladen. Würden sie das unter ihrem Namen machen, so kann man das ja noch verstehen. Da hätten sie Rückgrat und man könnte helfen. Sich aber hinter anonymen Phantasienamen (@raffnix) verstecken, finde ich in diesem Zusammenhang persönlich einfach feige. Ausserdem wird damit einem Blogbetreiber, der seinen Blog interessant und offen gestalten möchte, jede Menge zusätzlicher Arbeit mit der Kontrolle aufgebürdet. Der Verfasser schreibe einfach einen Sch…. , irgendwer wird es schon richten oder sich provozieren lassen. Mit solchen Einwürfen qualifiziert sich ein Kommentator selbst .  Nur rafft er es einfach nicht. Schade auch für Blogbetreiber die solche Leute ungestört kommentieren lassen. Ist Ranking wirklich so geil ?


Soziale Netzwerke

Somit unterscheidet sich das Internet mit seiner Blogwelt, nicht mehr vom realen Leben, wo einzelne Leute grundlos auf der Strasse angepöbelt oder zusammengeschlagen oder in der Firma und im Alltag gemobbt werden. Dialog scheint man nur mehr in Geschichtsbüchern zu finden. Ich bin sicher für Datenschutz und meide deshalb auch die neuen sozialen Netzwerke. Nur für solche Querulantenkommentatoren  würde ich es verstehen, wenn man eine zentrale Meldepflicht einführen würde. Sicher kann man auch privat mit einigem Aufwand die Spreu vom Weizen trennen. Darunter würde aber in meinem Fall die Lebensqualität leiden, weil ich nicht mehr über jene Lebenszeit verfüge, solchen Typen zur Verantwortung zu ziehen.

So haben wir dies bei all unseren Blogs machen müssen und die Funktion zum Kommentieren gesperrt. Wobei wir sonst nichts mehr begrüssen, als einen insperierenden, friedlichen, offenen Dialog. Aber alles muss seine Grenzen haben. Wenn irgendwelche pubertären Lemminge der Meinung sind, ihren Frust bei anderen Menschen anonym abzuladen, zeugt das nicht von der allerbesten Kinderstube. Facebook und Co haben sich heute zu einer grossen Konkurrenz der Bloggerszene entwickelt. Interessanterweise veröffentlichen dort die User mehr ihrer privaten Daten, als sie es je beim Bloggen getan haben. Umgekehrt sind schon namhafte Blogger bald wieder ausgestiegen und zum Bloggen zurückgekehrt, weil ebendort auch genug Lemminge unterwegs sind.

Realität 

Selbst halte ich mich mit Kommentaren auf fremden Blogs schon eher zurück, weil ich weder rassitisch angegriffen (wieso auch), beleidigt oder verarscht werden möchte. Wir haben mit vielen Blogs eine gute Zusammenarbeit. Ohne sogenannten Schwanzvergleich, Rankingstatistiken und was weis ich noch alles. Wir sind mit unseren Zugriffszahlen zufrieden und halten unseren Blog werbefrei. Bei uns muss man halt mehr als zwei Zeilen lesen, weil wir den Blog in Echtschreibung bedienen. Das geht halt oft nicht mit knapp 200 Zeichen. Das heisst, es kann ebenso mal vorkommen, dass sich kleinere Tipp- oder Schreibfehler einschleichen. Wir verwenden eine einfache Sprache, so wie als ob das Leben selbst schreiben würde. Das Thema Soziales ist nicht nur ein Blogthema, sondern trauriger Alltag für immer mehr Menschen im Lande. Wenn mich dann einer anonym zu meinem IM-Zitat frägt : “Immer mehr Menschen müssen aussen vorbleiben“* ob das den türkisch sei, dann verstehe ich länger wie mehr die jüngsten Pisa-Ergebnisse und  Fremdenhass wo gar nichts fremdes ist.  Alleine 200.000 Working-Poors und 15.000 verdiente Schweizerinnen, der man trotz mehrfacher schweren Krankheiten eine IV-Rente vor enthält oder streicht, finde ich eines Sozialstaates für unwürdig.

Das musste ich einfach wieder einmal schreiben, denn manchmal frage ich mich schon, von was sich solche Leute eigentlich ernähren. Wir haben in der Schweiz eine insgesamt gute Bloggerszene, wenn auch manchmal das Gemeinsame fehlt. Dem Aufruf des Top-Bloggers “Lupe“ zum gegenseitigen verlinken “Von Blogger zu Blogger“ sind bisher nur wenige gefolgt. Anscheinend wird der Platz eher für Rappenwerbung verwendet. Schauen wir doch zumindest, dass die Schafherde nicht grösser wird. Marktschreier haben wir schon genug. Dort wird ihnen aber erfahrungsgemäss sicher nicht geholfen. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich für Ihr grosses Interesse an unseren Blogbeiträgen bedanken.

Zum Thema : Spamaufkommen steigt zum Jahresanfang 2011 (Tagesanzeiger)

* aussen vor : etwas unberücksichtigt lassen; etwas nicht einbeziehen / beachten; etwas ausschließen. "Inhaltliche Qualität bleibt außen vor"; " Die Armen bleiben außen vor: Nur kleine Erfolge bei der Welthandelsrunde"; "Das Handwerk darf bei E-Commerce und Telelearning nicht außen vor bleiben"; "Einmal wöchentlich treffen sich Personen mit gleichartigen Problemen in neutraler Umgebung ohne einen therapeutischen Experten. Ratschläge bleiben aussen vor, jeder erzählt von sich, ohne über die anderen zu urteilen"; "Häufig tendieren Mitglieder einer Erbengemeinschaft angesichts der Nachzahlungen dazu, das Schwarzgeld aufzuteilen und das Finanzamt dabei aussen vor zulassen"