Freitag, 24. Dezember 2010

Weihnachtsbotschaft aus der Redaktion

Täglich bringt der Briefträger Weihnachtswünsche von Leuten aus dem privaten und Freundeskreis, welche ich schon Jahre nicht mehr gesehen habe. Offenbar unterliegt das Schreiben von Weihnachtspost einer gewissen Routine, welche man trotz guten Vorsätzen im Vorjahr, doch wieder schreibt. Inzwischen haben sich die Ausgaben vervielfacht. Schon alleine ein weihnachtliches, ansehnliches Billet kostet ab FR 5.-. Dazu das Porto. Schnell summiert sich da ein stolzes Sümmchen.

Ich persönlich habe mich schon vor Jahren dazu durchgerungen, zuerst die Anzahl der Empfänger und die Art der Weihnachtspost zu vereinfachen. Sicher hilft mir dabei das Internet. Dank Quelltext-Mails lassen sich heute wunderbare Weihnachtsgrüsse selbst erstellen und versenden. Wobei ich vielleicht berufsbedingt zu Weihnachten ein besonderes Verhältnis habe. Das lag einerseits an meinem Job im Hotelfach und andererseits dem "einfach weihnachtlich gestimmt zu sein". Der eigentliche Zweck des Festes der Besinnung, des Innehaltens ist zu einem Kommerzhype verkommen, der sich trotz scheinbarer Krise jährlich in immer mehr Umsatz niederschlägt. Hektik bis zu letzten Moment. Ein Wettrennen der Wertigkeit. Letztes Jahr ein Geschenk um ca FR 50.- erhalten. Dann muss ich mich heuer grosszügig zeigen und das Ganze topen. Nein liebe Leute – nicht mehr mit mir/uns. Solange die Kinder noch kleiner waren gab es das ein oder andere Geschenkli ausserhalb der Reihe. Sonst wurde geschenkt, was die Kinder eben brauchten.

Heute ist es mit jeder Art von Geschenk vorbei. Gegenseitig und im Einverständnis mit meiner Frau. Wir haben beide schwere Krankheiten gemeistert, wurden damit reich beschenkt und dürfen noch ein paar Tage auf dieser Erde verweilen. Das hat uns zusammengeschweisst und aus zwei halben ein Ganzes geschmiedet. Gesundheit ist eines der wenigen Güter, die man sich  nicht kaufen kann. Man kann sich das krank sein vielleicht besser leisten. Ob man allerdings dabei glücklicher ist, sei dahingestellt.

Haben sie in letzter Zeit einmal Freunde oder Kollegen aus ihrem Weihnachtspostverteiler gebraucht, versucht sie zu erreichen ? Die Ausreden gerade an diesem Tag einen wichtigen Termin zu haben wenn man sie brauchen würde, könnte ganze Bücher füllen. Freunde sind für mich jene Mitmenschen, die ich nach zwei, drei Jahren anrufen darf und die am nächsten Tag auf der Matte stehen. Ohne wenn und aber. Diese Menschen gibt es immer seltener. Aber sie sind das Salz in der Suppe, die das geschenkte Leben lebenswert machen. Alleine eine Krankheit zu überstehen ist nicht alles. Es muss auch das Umfeld passen. Zu wissen, da und dort gibt es noch Menschen, die nicht verschnupft sind, weil sie keine Weihnachtsgrüsse erhielten erfüllt uns mit Zufriedenheit und Wohlwollen. Sie sind einfach da. Man kann sie allerdings auf einer Hand abzählen.

Sicher ist die Zahl jener grösser, die heute den ganzen Tag und die Nacht in der Schweiz bereitstehen, um uns in Notfällen zur Seite zu stehen, zu helfen. Ihnen gebührt unser besonderer Dank. Ich war 30 Jahre einer von ihnen. Nicht nur deshalb weiss ich, was es heisst solche Anlaufstellen zu haben. Meine erste Wintersaison verbrachte ich im steirischen Bad Aussee. Mein erstes Weihnachtsfest von zu Hause weg. Nach dem Abendessen der Hotelgäste und einer kleinen Weihnachtsfeier haben sich diese zurückgezogen und auch fast alle Kollegen fuhren zu ihren Familien. Ich ging um ca 22 Uhr auf einen kleinen Spaziergang durch den Ort. Das Wetter war wirklich wie bestellt. In dicken Flocken schneite es vom Himmel, als ob Frau Holle alle ihre Polster ausschütteln würde. Hinter vielen Fenster sah man weihnachtliches Treiben. Da und dort brannten noch die Kerzen am Christbaum. Weihnachtslieder und Musik drangen an meinen Ohren und mir wurde für erste schwer um`s Herz. Nie mehr in meiner ganzen Berufslaufbahn verbrachte ich so einen schönen Weihnachtsabend. Draussen im winterlichen Ort, dicke Schneeflocken und fröhliche Leute. Kein Mensch ist mir begegnet. Für mich ein einmaliges, spezielles Erlebnis. Wusste ich doch jetzt, Weihnachten kann man nicht steuern, nicht kaufen. Es ist ein Fest der Stille und der Freude. Und so soll es bis heute bleiben.

Ich möchte allen Ärzten, Schwestern, Pflegern, Polizisten und Helfer, sowie jenen "wirklichen" Freunden und meiner Familie für das schöne, wenn auch erlebnisreiche Jahr danken. Ganz besonders meiner Frau, die wie selbstverständlich immer für mich da ist, obwohl sie selbst genug eigene gesundheitliche Probleme hat. Vielleicht braucht es solche Situationen, um die ein oder andere Familie unter dem Weihnachtsbaum zu versammeln. Für einander da zu sein, auch wenn es stürmt und schneit. In diesem Sinne ein frohes Fest – danke für alle Unterstützung und Hilfe. Ohne speziell Namen zu nennen – jeder würde sich einen grossen Weihnachtsstern verdienen, den wir somit auf digitalen Weg auf die Brust stecken.

Auch danke an die zahlreichen Leser unseres Blogs, die ohne es zu wissen, mir persönlich helfen mein Leben abwechslungsreicher zu gestalten. Die meine (unsere) Gedanken und Geschichten lesen und es mit einem neuerlichen Besuch belohnen. 

Somit ein geruhsames Fest aus der kleinsten Redaktion der Schweiz entbieten wir allen Mitbürgern. Auf einen Jahresrückblick verzichten wir bewusst. Die Katastrophen waren schlimm genug und müssen nicht immer wieder medial aufbereitet werden. Die Medienkarawane zieht weiter. Und zu den Geschichtel`n rund um die Cervelat-Prominenz und Möchtegern-VIPs sind wir nicht der richtige Ort. Es wurde uns nur übers Jahr bestätigt, dass Recht nichts mit Paragrafen zu tun hat, sondern mit Geld,Einfluss und Macht. Alles andere entnehmen sie bitte der einschlägigen Presse und den Medien. 


Uschi, Peter und Redaktionshündin Laika



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