Egal ob "Licht ins Dunkel","Spendenmarathon" usw., sie alle nutzen die vorweihnachtliche Zeit um an das Geld der Zuseher zu kommen. Um zusätzlich den Mitleidsfaktor zu steigern werden diverse Filmchen eingespielt, die zu 90 Prozent im Ausland aufgenommen wurden.
Sicher erschüttern einem solche Bilder, die man da und dort sieht. Vergleichen wir aber diese Bilder mal mit einem Sozialhilfebezieher in der Schweiz. Er hat vorher 40 Jahre gearbeitet, ist nicht mehr vermittelbar, ausgesteuert – Endstation Sozialhilfe. Hier wird sie/er mit diversen Regeln konfrontiert, an die man sich zu halten hat, wenn man Sozialhilfe bezieht. zB. kein Fahrzeug mehr. Angepasster Wohnraum (den es so trotzdem nicht gibt), beschränkter Zugang zum Gesundheitssystem usw.
Angepasst an deren Kultur und örtlichen Gegebenheiten sind beide armutsbetroffen oder armutsgefährdet. Der Sozialhilfebezieher weiss welchen Betrag er erhält. Jene in Afrika wissen nicht, wieviele Franken es braucht, damit sie einen in die Tasche bekommen. In der Schweiz sind wir ja heute soweit , das Familien mit 4 oder mehr Kindern auch als sozialgefährdet zählen. Die Praxis bestätigt, es ist hart. Trotz Fulltimejob. Wir haben also eher unseren Kinderdurchschnitt auf 1,35 Kinder gesenkt. Ohne Zwang von oben. In den sogenannten Schwellenländern sind für Eltern Kinder insofern Kapital, da sie Arbeitskräfte darstellen, die die Familien ernähren, fürs Einkommen sorgen. Mühlratten werden sie genannt. Umgekehrt ist aufgrund der Hygiene die Kindersterblichkeit im ersten Jahr relativ hoch. Jetzt erlaubt ja sogar der Papst Präservative. Geburtenkontrolle – davon habe ich in all den netten Spots nur wenig bis gar nichts gehört. Hier sollten wir oder diejenigen Vorort ihre Hilfe lenken. Den Kinder den ausgemusterten PC-Schrott vor der Haustür abzuladen, damit die Kinder unter den schlimmsten Bedingungen noch verwertbare Metalle rauszuwaschen. Weiters sind sie billige Erntehelfer und Wasserträger. Beruhigen wir etwa mit einer Spende unser schlechtes Gewissen oder sind wir der Meinung, mit unseren Kleidersammlungen aus Chemiefaser lindern wir dort die Not. Nein, sie verursacht Ekzeme und andere schlimme Krankheiten.
Und bei den Organisationen (Obdachloser Maserati)
Alice Schwarzer (Herausgeberin und Feministin) hat trotz ihrer Intelligenz 500.000.- Euro-Lehrgeld bezahlt und einem Betrüger in den Rachen geschmissen. Laut Medien ist kein einziger Euro weitergegebn worden. Sie dienten dem Herrn zur Befriedigung seiner luxurösen Bedürfnisse. Dazu schreibt die Süddeutsche unter "Betrug mit Spendengeldern". Die Geschichte der Bereicherung an Spenden ist keine neue Erfindung. Wo es viel Geld zu verteilen gibt, ist oft auch die Gier der Verteilenden nicht weit. Meist liegt das Problem in der mangelnden Kontrolle - oder der Gutgläubigkeit. Auch bekannte Beispiele wie das Kinderhilfswerks Unicef blieben nicht verschont. Dort wurden 2007 einem pensionierten Mitarbeiter, ohne dass es einen schriftlichen Vertrag gab, für die Spendenwerbung Provisionen gezahlt, und zwar 280.000 Euro für zwei Jahre. Die Folge dieser Enthüllung: mehrere Millionen Euro entgangene Spenden, der Rücktritt des gesamten Vorstands, der Absprung mehrerer tausend Fördermitglieder und der Entzug des Spendensiegels. Spektakulär war jüngst auch der Fall der Treberhilfe, eines Berliner Projekts für Obdachlose. Der Chef der gemeinnützigen GmbH fuhr zu "Repräsentationszwecken" einen Maserati als Dienstwagen, der mehr als 114.000 Euro gekostet haben soll. Als auch die Höhe seines Jahresgehalts massiv kritisiert wurde, trat er im Frühjahr von seinem Posten als Geschäftsführer zurück. Die Liste liesse sich hier beliebig fortsetzen. Das ist aber nicht des Pudels Kern.
Bei all diesen Wirren im Spendendschungel stellt sich für mich die Frage, warum erfahren Armtsbetroffene in der Schweiz nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie jene der Drittländer. Noch vor 1500 Jahren sah es in der Schweiz auch nicht anders aus. Keine befestigten Strassen, keinen Elektrizität, keinen Autos, keine Bahn und keinen Einkaufszentren. Morast, wilde Bäche und einfache Hütten. Damals fehlte Radio und Fernsehen. Hätte aber an der Situation nicht viel verändert.
Damit wir uns richtig verstehen. Ich anerkenne die grossartige, langjährige Tätigkeit international tätiger Organisationen. Jeder VIP hat heute schon seinen eigenen Verein. Nur sehr wenige, die man auf zwei Händen abzählen kann, kümmern sich um ihre Mitbürger in der Schweiz. Hier fehlt mir das vielgepriesene "Wir-Gefühl". Auch der Nachbar kämpft vielleicht Monat für Monat, aber selten macht er es öffentlich. Im Gegenteil. Sie ziehen sich eher zurück um unangenehmen Fragen auszuweichen. Gerne gibt man um zu helfen – aber wir wüssten auch wohin das Geld geht und stellen uns die Frage, warum die Menschen am Rande der Gesellschaft im Lande weit weniger davon profitieren. Und ehrlich gesagt zum Abschluss: Das Angebot ist nicht mehr überschaubar und noch weniger kontrollierbar. Kein leichter Job für die Zewo.
Zum Thema :
"Vorsicht vor schwarzen Schafen" (bei Haitihilfe) Sueddeutsche.de
