Freitag, 12. November 2010

Kurze Augenblicke


NEU NEU NEU NEU ...............

Vier Tage Zwischenstopp im Spital - Teil 2    ( Teil 1 )

Der Nachbar rechts träumt sich dem neuen Morgen entgegen. Doch um etwa 6 Uhr ist es plötzlich vorbei mit der Stille. Mit einem freundlichen "Guten Morgen !" werden die Patienten in den Tag geschickt. 

In einen Tag, der für den einen noch eine Menge Untersuchungen bereit hält oder es ist der grosse OP Tag. Erste zaghafte Schritte zur Morgentoilette. Mühsam verlassen diejenigen, welche noch selbstständig können, ihre Betten um sich der Post veröffentlichenKörperpflege zu widmen. Anderen wird von den Schwestern dabei geholfen. Das ist auf den Stationen dasselbe Prozedere wie auf der Intensivstation. Langsam erwacht der Moloch aus seiner nächtlichen Verschnaufpause. Bald folgt die Frühstückszeit. Nicht das feine Buffet mit Wurst, Schinken und Kaviar. Zwei Brötchen, ein kl. Becherchen Marmelade und eines mit Butter und dazu wahlweise Kaffee mit heisser Milch oder Tee. Noch sind die Gespräche zurückhaltend. Stumm sitzt man am Tisch neben seinem Zimmerkollegen und hängt seinen eigenen Gedanken nach. Tageszeitungen gibt es erst später. So wird das einzige, abgegriffene Magazin im Zimmer zu fünften Mal gelesen, um die Zeit bis zum ersten Termin zu verkürzen. Rund um 9 Uhr beginnen die ersten Visiten. Einmal wöchentlich die sogenannte Chefarztvisite. Mit der oder dem Leiter der Abteilung, die man sonst während eines Aufenthaltes nur selten zu Gesicht bekommt. Ausser man geniesst Prominentenstatus wie zB. Herr Felix.

In erster Linie betreuen Assistenzärzte die Patienten. Sie untersuchen, bereiten Ergebnisse von Laboruntersuchungen vor, halten kurze Patientengespräche. Sammeln Daten, die dann bei den morgendlichen Arztmeetings besprochen werden. Das ganze läuft ab wie ein Uhrwerk. Man könnte fast die Uhr danach stellen. Ruhe findet man zwar zwischendurch. Sie ist aber meistens von kurzer Dauer. Da einen Blutentnahme, dort wird der Blutdruck gemessen oder Verbände gewechselt. Es ist ein Kommen und Gehen. Zwischendurch nickt man kurz ein, um dann wieder aus irgendwelchen Gründen geweckt zu werden. Kurzweiliger ist es in jenen Zimmern, wo Fernsehgeräte installiert sind. Für Dauerschläfer ist so ein Krankenhaus nicht geeignet. Mit der Fallkostenpauschale wird das wahrscheinlich noch intensiver. Denn nur dann können die Spitäler sparen. Je schneller behandelt wird, je mehr bleibt von der Pauschale. Blutige Entlassungen hört man da und dort. Steht nichts Wichtiges an, entschlüpft man für kurze Zeit seinen paar Quadratmetern, um sich an die frische Luft oder einen kleinen Cafe zu begeben – durchzuatmen. Vorher abmelden nicht vergessen. Fast wie beim Bund. Aber für den reibungslosen Ablauf verständlich. Nur kurz während der Mittagsstunden wird es auf den Stationen etwas ruhiger. Dann gehen alle von der ärztlichen und Pflegeriege zu Tisch. Zurück bleibt nur eine Stationswache. Nachmittags empfangen die meisten Besuch ihrer Familien. Je nach Temperament kann es da schon mal lauter werden. Einzelne Patienten liegen auf ihren in ihren Betten und dösen vor sich hin oder betrachten das bunte Treiben. Sie haben wenig bis fast keinen Besuch. Schmerzvoller eher für Frischoperierte.

Ein Krankenhaus dieser Grösse hat auch einen Ausbildungsauftrag. Sei es im Schwesternbereich, als auch bei den Ärzten. Da läuft es halt nicht immer rund. Aber Hektik und Unwirschsein wäre dabei fehl am Platz. Diese Nachwuchskräfte müssen ihr Metier ebenso lernen, wie tausende vor ihnen. Da und dort wird ein anders gefärbtes Deutsch gesprochen. Immer mehr aus dem grossen Nachbarkanton suchen und finden Arbeit im Schweizer Gesundheitswesen. Und sie werden gebraucht. Ärztemangel macht sich auch in der Schweiz bemerkbar. Detto beim Pflegepersonal. Ein gefährlicher Weg ,wenn der Zustrom plötzlich ändert oder abreisst.

Nach ein paar Tagen ist bei den meisten Patienten die Unruhe und Hektik am verblassen. Man hat sich an den Tagesablauf gewöhnt. Hat den grossen Komplex halbwegs erforscht. Weis, dass die Handytarife inzwischen teurer sind , als die Krankenhaustarife. Ebenso hat man die letzten Eckchen erforscht wo man in Ruhe und unbeobachtet seine Zigarette rauchen kann. Die Schmerzen haben sich bei den meisten beruhigt und der Stalldrang meldet sich. Man möchte am liebsten gleich nach Hause. Raus. Heim zu Mutti.

Teil 3 demnächst

Augenblicke eines Krankenhausaufenthaltes

Zum Thema : Die 7 Todsünden im Gesundheitswesen (Tagesanzeiger.ch)