Mittwoch, 8. September 2010

Zerstört mir nicht meinen Träume

Wer die bösen Geister rief muss mit ihnen leben. Stimmt das eigentlich so? Ich finde es einfach unter aller Sau, wie man heute die Bevölkerung verarscht. Tagtäglich finden wir ja Tonnen von Werbpost in unseren Briefkästen. Dagegen wäre ja soweit nichts einzuwenden. Der Preisvergleich Vorort hilft manchen Franken sparen. Man sieht wo es Aktionen hät. 

In unserem E-Mailbriefkasten finden wir auch Werbungen und jede Menge Preisausschreiben. Mit Speck fängt man Mäuse. Mit Gewinnversprechen Kunden und mögliche Kundendaten. Soweit legitim, wenn man dabei den Kunden selbst entscheiden lässt, welche Schlüsse er aus der Werbeflut zieht oder wieweit er die grosse Welt der Preise an sich heran lässt. Gewinnen tut man selten bis gar nicht. Aber hoffen darf man. 

Zerstörte Traumwelt

Und das ist das eigentlich fiese an dem Spiel. Nicht der Kunde entscheidet, nein man wird von Telefonmarketingfirmen und ihren Wahlcomputern zu den unmöglichsten Tageszeiten nachbearbeitet. Man kann sich weigern, nicht abheben. Man kann abheben und sich die lauen Versprechungen anhören. Dieser Tage habe ich zuwenig auf das Display geachtet und abgehoben. Bevor ich noch den Gruss erwidern konnte, prasselte ein Wortschwall auf mich ein, bis ich die erste Atempause des Anrufenden unterbrechen konnte. Er hat mir überschwänglich gratuliert, dass ich beim Preisausschreiben  einer Versicherung ins Finale gekommen bin. Das lief  ja schon im Februar?! So nebenbei versuchte er mir ein paar Daten rauszulocken. Gut, der Hauptpreis wäre ein Relaxwochenende gewesen. Gesundheitlich für uns sicher ein Hammer, den wir uns so nicht leisten hätten können.  Nachdem ich mich endlich verständlich machen konnte, dass es für mich nicht mehr rentiere zu wechseln, kühlte seine freundliche Stimme merklich ab und ich sah unser Wellnesswochenende den Bach abgehen. Schnell kam er zum Ende. Vom der Hauptverlosung kein Ton mehr. 

Sternchen im Telefonbuch nutzen wenig. Das wird einfach von den Firmen übersehen oder sie zahlen die kleinen Strafen. Man kann sich beschweren. Unterdrückte Nummern verweigern beim Annehmen. Besser für die Nerven man greift zur Selbsthilfe. ZB. nach dem Abheben einen schrillen Alarmton in den Äther senden. Nicht sehr freundlich für das Ohr des Anrufenden. Man kann sich einen Storie einfallen lassen. Nein ich bin nicht der Herr Sowieso. Der sei für längere Zeit in Australien, Ob er zurückkommt, weiss man noch nicht. Hängt von der Aufenthaltsgenehmigung ab. So oder ähnlich verhindert man künftige Anrufe des Absenders oder schränkt sie ein.

Hoffnungen werden zerstört, missbraucht

Wenn ich Lotto spiele, kann ich gewinnen, muss aber nicht.  Das ist mir von vornherein klar. Wenn ich an einem Preisausschreiben teilnehme, dann hoffe ich, freue mich und sende Stossgebete das es endlich klappt. Stand doch explizit unabhängig einer Kaufverpflichtung oder anderer Verpflichtungen. Es werden Träume geweckt, die man sich so nicht leisten könnte. Und dann erkenne ich plötzlich, dass ich nur missbraucht werde. Vergewaltigt - meiner Träume und Hoffnungen beraubt. Meine Adresse war es  - nicht der Preis. Nicht ich als Person. Viele sind enttäuscht. Menschen die sonst mit beiden Beinen im Leben stehen, fallen immer wieder drauf rein. Hoffen wird man ja schliesslich noch dürfen. Das war doch schon in der Kindheit so, wenn es mit dem Weihnachtsgeschenk nicht klappte.

Für mich persönlich stellt sich  die Frage, kann man solchen Firmen überhaupt langfristig vertrauen. Was sind deren Produkte wert. Wie lange halten sie. Wir müssen uns scheinbar davon lösen, dass es noch mit rechten Dingen zu geht im Alltag. Wir leben in einer Egogesellschaft. Das schnelle Geschäft lockt. Alles andere zählt nicht mehr. Stammkunde – das Wort ist aus dem allgemeinen Wortschatz verschwunden. Denn den das Kaufverhalten solcher Kundschaft kennen wir. Da ist nichts mehr zu holen. Sie zertrampeln mir meinen Träume. Meine Hoffnungen. Die Tante Luise gewinnt andauernd irgend etwas. Autos, Fernseher, Haushaltsgeräte, Urlaube. Wahnsinn. Warum ist man mir nicht einen kleinen Preis vergönnt. Anstatt dessen, werde ich benutzt. Wenn der Kauf vorbei ist, möchte man am liebsten mit dem Kunden nichts mehr zu tun haben. Wie lange das wohl noch gut geht.  So habe ich etwa 20 Plastikkarten, aber noch immer keinen Hauptpreis. Nicht einmal den Trostpreis. So geht es vielen. 

PS:  Danke Herrn Schloter von der Swisscom. Das nenne ich einen rasche Lösung.    (3 Std.)