Für einmal kann ich mich der Arbeitnehmervertretung nicht anschliessen, wenn es im Vorfeld der Abstimmung um das leidige Thema Sonntagsverkauf geht. Die Unia ist empört, dass der Kanton diese Verstösse gegen das eidgenössische Arbeitsrecht dulde, wie es in der Mitteilung heisst. "Diese Läden gehörten am Sonntag umgehend geschlossen!" .
Neuestes Ziel der UNIA ist ein Coop Pronto in der St.Galler Innenstadt, der am Sonntag offen haben darf. Daneben gibt es noch diverse Tankstellenshops. Meines Erachtens ist die primäre Daseinsberechtigung einer Gewerkschaft Missbräuche gegenüber Arbeitnehmern aufzuzeigen und nicht Arbeitplätze zu verhindern. Bei ersterem bin ich voll auf der Seite der UNIA. Bei den Sonntags- oder Abendverkäufen habe ich meine Probleme.
Fast 30 Jahre war ich im Fremdenverkehr tätig. Hier hat sich eigentlich nie die Frage gestellt ob es abends länger ging oder ob an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden musste. Das wusste jeder, der sich auf eine Karriere im Hotel- und Gastgewerbe einliess. Von den Stunden mal gar nicht zu sprechen. Dann begannen sich der Wind zu drehen. Berechtigterweise verlangte einen gelernte Person egal welcher Abteilung ihren angemessenen Lohn. Die Hoteliers waren nicht bereit diesen Lohnforderungen nachzukommen. Heute haben wir im Hotelbereich einen hohen Ausländeranteil, der für die Idendität des Gastgeberlandes nicht immer sehr förderlich ist, ohne irgendjemanden auf die Zehen zu treten. Heute fahren die Deutschen in die österreichischen Alpen und werden dort von Ostdeutschen bedient. Ein Erlebnis, dass man als Gast nicht unbedingt so erwartet. Auch die Arbeitsämter nicht.
Der Kern der ganzen Diskussion liegt doch ganz woanders. Anscheinend liegt ein Bedarf an längeren Öffnungszeiten und am Sonntagsverkauf vor. Es muss sich für einen Betreiber rentieren. Andererseits braucht es dazu Verkaufspersonal. Und da ist der Punkt. Hier darf eben der- oder diejenige, welche ohnehin die ganze Woche im Einsatz steht, auch nicht noch sonntags bedienen. Das liesse sich mit entsprechenden Kontrollgeräten überwachen. Zwar nicht wie bei einem dem LKW-Chauffeur, aber doch relativ manipulationssicher.
Selbst habe ich vier Kinder grossgezogen und war um jeden Nebenjob froh, mir ein paar Franken dazu zu verdienen. Kinder kosten nun mal Geld und dürfen nicht ein Privileg der Besserverdienenden sein. Warum kann es bei der ganzen Streiterei nicht anders verlaufen. Ich kenne genug Frauen, die Sonntags ein paar Stunden einen Tapetenwechsel wollen. Wenn dabei noch ein paar Franken abfallen, gut. Lasst doch die Leute selbst entscheiden wann und wo sie arbeiten wollen.
Wir können nicht auf der einen Seite über die überschuldeten Sozialwerke jammern und im gleichen Atemzug Arbeitsplätze verbieten. Als mündige Bürger dürfen wir abstimmen gehen (leider zuwenige) . Wir dürfen aber nicht entscheiden, wann und wie wir arbeiten. möchten. Das verdiente Geld fliesst wieder in die Wirtschaft und schafft neue Arbeitsplätze.
Es braucht also weniger Verbote, sondern angepasste Gesetze. Das heisst, der Arbeitgeber muss garantieren, dass nur Aushilfskräfte die Überzeiten abdecken. Denn wie geschrieben, ein Bedarf muss da sein, sonst würde niemand sonntags offen halten. Ich für meinen Teil möchte selbst entscheiden. Und für diejenigen welche sich nicht wehren können, kann sich die UNIA dann gerne einsetzen. Schliesslich haben wir 170.000 Arbeitslose und rund 200.000 Working-Poors in der Schweiz. In der Pipeline warten 16.000 IV-Rentner zum Wiedereingliedern. Das finde ich mehr als genug.
So wie es derzeit läuft, wird Le Shop und all die anderen Versender aus dem Internet noch mehr Kunden gewinnen. Gepaart mit neuartigen Scannerkassen wird dann Verkaufspersonal bald überflüssig. Die AL-Zahlen steigen. Verlierer ist der Arbeitnehmer.
PD
So wie es derzeit läuft, wird Le Shop und all die anderen Versender aus dem Internet noch mehr Kunden gewinnen. Gepaart mit neuartigen Scannerkassen wird dann Verkaufspersonal bald überflüssig. Die AL-Zahlen steigen. Verlierer ist der Arbeitnehmer.
PD
