Samstag, 25. September 2010

Irreführung

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) geht gegen minderwertige Lebensmittel vor. Er hat gegen die Zulassung von Schinken und Reibkäse im Rahmen des Cassis-de-Dijon-Prinzips Beschwerde eingereicht.

Es nimmt mich doch Wunder, wenn ich solche Schlagzeilen lese. Da zogen in der Vergangenheit ganze Karawanen von Schweizern ins nahe EU-Ausland und kauften dort im Wert eines Denner-Jahresumsatzes Lebensmittel und Waren ein. Darunter die angeblich beanstandeten Schinken und anderen Lebensmitteln. Und es sind tausende und mehr die sich ihr schmales Haushaltsbudget solcherart einteilen müssen. Ihnen unterstellt der SBV jetzt mangelnde Lebensmittelkenntnisse und Blödheit. Lassen sie doch den Top-Schweizer Schinken links liegen und reisen um den wässrigen ins Ausland.

Jetzt kam ALDI und LIDL näher in die Schweiz. Derselbe Bauernverband der freitags Beschwerde einreicht, war sich nicht zu dumm mit empfohlenen Verkaufsverboten an dieselbigen zu reagieren. Inzwischen haben die Leute verstanden wie sie als Konsumenten missbraucht werden und man sieht wieder immer mehr Schweizer Kennzeichen auf den Parkplätzen in den Nachbarländern. Dies weil die Leute sehr bald gemerkt haben, dass ALDI Süd die tieferen Preise hat, als er sie in der Schweiz anbieten kann, weil er eben mit Lieferstopps seitens der Bauernschaft behindert wird. Glück auch der Frankenkurs.

Unseren hoch geförderten Bauern ist das sicher nicht recht. Jetzt kommt der Bumerang via Cassis de Dijon zurück. Was bleibt also übrig. Man zieht haltlose Beschwerden aus dem Hut und macht die Waren schlecht. Dabei erinnere ich mich noch, wenn es einmal Schinken bei unseren schmalen Budget gab, dann musste man die einzelnen Scheiben mit Küchenrolle abtupfen und das Wasser aus der Schale ablassen (5.- 6.- FR, noch dazu hauchdünn geschnitten?)

Mit der Zulassung solcher Lebensmittel werde der Konsument getäuscht, sagte Martin Rufer, beim SBV zuständig für Produktion, Märkte und Ökologie. Das Lebensmittelgesetz werde damit unterlaufen und wertlos. Wie der Schelm denkt, so handelt er. Die Antwort wird schlussendlich der Konsument an der Schweizer Kasse geben. Vergessen das die Migros schon früher mit ALDI-Produkten die Schweiz beliefert hat. Da war noch kein einziger Ziegel der Discounter im Lande verbaut.

Mag ja sein, dass die Öffnung der Grenzen die Bauern etwas wachrüttelte. Aber bitte nicht so. Ich würde wegen Wasserschinken keinen Meter fahren. Es wird überall gespart. Nicht alle können mit Traktoren auffahren und demonstrieren. Manches Haushaltsbudget musste abspecken. Alleine nur wegen der Milch rentiert es sich im grenznahen EU-Raum einzukaufen. Zum Leidwesen der fleissigen Bergbauern. Andererseits müssen die computergesteuerten Zucht- und Melkanlagen der Flachlandbetriebe auch bezahlt werden.

Der SBV sollte seine Mitglieder nicht anstiften seine Konsumenten zu verarschen. Das rächt sich im Umsatz und hoffentlich bald auch in deren Förderkässili. Die Mitbewerber schlecht zu machen, zeugt von mangelnder Kinderstube und hat sich nur selten rentiert. Auch nicht mit solchen Aussagen "Die Qualität von Lebensmitteln dürfe nicht durch die Anwendung des Cassis-de-Dijon-Prinzips nach unten geschraubt werden." Das kennen wir ja schon längst vom heimischen Pressschinken.

PS: Dieser Beitrag ist werbefrei. Auch möchte ich mich für meinen Person verbürgen, dass ich weder blöd bin und durchaus in der Lage, einen guten Schinken von einem aus Einzelteilen zusammengepresssten unterscheiden kann, den wir jahrelang zu überteuerten Preisen bei Migros, Coop u.a. kaufen durften.