Freitag, 17. September 2010

Der Beobachter ehrt Courage

Zivilcourage scheint mehr und mehr wieder in Mode zu kommen. Ein Jahr ist es her, seit in Deutschland ein 50-jähriger Opfer der Gewalt von jugendlichen Tätern wurde und dabei die Hilfe mit dem Tod bezahlen musste. An der Prix-Courage-Gala in Zürich standen die Mutigen im Mittelpunkt. Die mutigen Nominierten für den Prix Courage des Beobachters 2010 waren für einmal die Stars des Abends.

Der mit 10'000 Franken dotierte Publikumspreis ging mit deutlichem Vorsprung an die beiden ehemaligen Angestellten des Zürcher Sozialdepartements Margrit Zopfi und Esther Wyler. 2007 hatten sie Missstände in der Zürcher Sozialhilfe publik gemacht und so schweizweit eine Debatte über mangelhafte Kontrollen ausgelöst. «Wenn man auf der guten Seite steht und sieht, dass auch dort nicht alles richtig läuft, braucht es viel Mut, um die Wahrheit auszusprechen», sagte Beobachter-Chefredaktor Andres Büchi in seiner Laudatio. Nur eine saubere, klare und faire Sozialhilfepolitik bewahre die Bezüger vor dem Stigma, arbeitsfaule Profiteure zu sein, so Büchi weiter. Margrit Zopfi versagte die Stimme bei ihren Dankesworten – wohl ein Hinweis, unter welchem Druck die beiden in den letzten Jahren gestanden haben.

"Wir hatten unsere Kritik wiederholt bei Vorgesetzen vorgebracht. Ohne Erfolg. Es mangelte in der Führungsetage schlicht am Willen, Fehler einzugestehen und daraus zu lernen. Kritische Stimmen wurden abgeblockt, Missbrauchsfälle unter den Teppich gekehrt. Auch deswegen hatten Sozialarbeiter kaum ein Interesse, Hinweisen selber nachzugehen."

IM: Man sieht das es für Insider schon relativ schwer ist, sich Gehör zu verschaffen. Wie ergeht es erst Menschen am Rande der Gesellschaft, die sich ungerecht behandelt fühlen.
Die beiden haben zumindest mitgeholfen, die Diskussion um Sozialhilfebetrug wieder aus dem Grauschatten des Missbrauches und Vorverurteilung auf eine sachliche Ebene zu bringen. Die Sozialwerke haben in unserer Gesellschaft eine wichtige Funktion der Stabilisierung. Wir müssen sorgsam damit umgehen.

Für diejenigen, welche darin einen Selbstbedienungstankstelle sehen, sei ins Stammbuch geschrieben – ohne uns. Vor allem unter dem Aspekt , dass es sehr wohl bald mal den ein oder anderen heutigen Kritiker erwischen kann. Die Praxis zeigt dann, wie schnell da jemand seine Prinzipien über Bord schmeisst und zu vorderst nach dem Staat ruft. Der Staat sind wir. Der Staat gibt die Regeln vor. Wir sollten diese akzeptieren. Alles andere wäre Nestbeschmutzerei und gehört gesäubert.

Die Auszeichnung zeigt der beiden Damen hat gezeigt, wie wichtig uns diese Maxime ist.Nur wenn wir künftig mehr Zivilcourage zeigen, werden die Einzelnen auch ihre Chance haben. Es geht nur gemeinsam.

Beobachter : Prix-Courage 2010 Berichte rund um die Gala