Freitag, 20. August 2010

Privatsphäre

Es ist nimmt mich ja wunder, wie andere das mit der privaten Sphäre so sehen. Die letzten Tage und Wochen machte ich ja mehrfach meine persönliche Erfahrung mit den verschiedenen Auffassungen darüber.

In Frankreich, Spanien kümmern die Streetview-Aufnahmen von Google keinen Menschen. In Deutschland glauben manche Politiker den Stein der Weisen gefunden zu haben, indem sie für ihre Kommunen einen Googlesteuer einfordern, um die notorischen Löcher im Finanzsäck`l zu stopfen. Und in der Schweiz – ja da gibt es auch einen grossen Aufschrei von wegen Einschränkung der Privatsphäre. Einerseits können wir des Nachbars Steuerklärung einsehen, nachschlagen wem welches Autokennzeichen zuzuordnen ist. In den Moment aber, wo unser ureigenste Sphäre betroffen ist, entwickeln wir uns zu Verweigerern visueller Aufzeichnungen durch die Googleautos und Velos. Wohl, weil damit für uns kein direkter Vorteil verbunden ist, den man auf den ersten Blick erkennen würde. Im Gegenteil, Google verdient mit uns noch Geld. Da zählt es wenig, dass diese Aufnahmen auch durchaus praktische Werte für uns alle haben könnten. Verweigerer argumentieren ja damit ich möchte  mein Haus nicht für alle öffentlich bei Google sehen.

Böse Buben kann man damit nicht abschrecken. Die orientieren sich eher an anderen sichtbaren Zeichen potenter Kundschaft. Da wäre das Auto mit der niederen Nummer, Einträge der Youngsters bei Facebook & Co, die Yellowpress, der Anzeigeteil usw. Dann verschafft sich Herr Einbrecher aktuelle Bilder direkt vorOrt und greift nicht auf zwei Jahre alte Aufnahmen zurück, wo die Alarmanlage noch nicht montiert war oder der Garten noch frei von einem Wachhund war.

Die andere Seite der Privatsphäre liegt in unserem täglichen Leben.

Wir brauchen einen Telfonanschluss, einen Internetanschluss. Wir leasen Dinge des Alltags usw. Überall müssen wir unsere Daten angeben. Dabei, sind wir uns mal ehrlich, niemand liest das Kleingedruckte. Wir rechnen einfach damit, dass unsere Daten innerhalb der Firma bleiben und nicht weitergegeben werden. Daran ändern offenbar entsprechende Gesetze wenig. Das durfte ich ja dieser Tage mit der Swisscom erleben, die mich von der Marketingabteilung mit Telefonanrufen bearbeiten lies. Dass ist in meinen Augen ein Vertrauensbruch. Abgesehen das ich alles habe, was ich noch brauche.

Würde ich umgekehrt bei irgendwelchen Preisausschreiben oder Umfragen teilnehmen, darf ich mich nicht wundern, wenn ich mit Werbung und Anrufen bombadiert werde. Gleichzeitig frage ich mich, warum Haustürbesuche überhaupt noch erlaubt sind. Wenn der Cablecomkeiler läutet und mit einen Anschluss verkaufen möchte, obwohl ich schon jahrelang Kunde bin, dann läuft da irgendetwas schief. Und bei Gott, das sind keinen Chorknaben. Oder deren Kundendienst ruft an um einen Digitalanschluss zu verkaufen, anstatt im darauf hinzuweisen, dass er ihm sein bestehendes Abo von FR 49.- für 10.000 KBits auf aktuell Fr 50.- für 20.000 Kbits gratis zu ändern. Wäre ja dumm – oder ! Sunrise schafft es nicht in 5 Wochen einen Kündigungsbestätigung zu senden. Was kümmert uns dieser Kunden noch - keinen  Frage warum, können wir helfen ?
Die Wirtschaft oder jene welche sich dazu zählen, müssen einfach kapieren, dass, wenn ich etwas brauche mich als Konsument mit dem jeweiligen Anbieter selbst in Verbindung setze. Das würde den Parteienverkehr an der Schwelle zu meiner ureigensten Privatsphäre, der Wohnungstür, auf fast Null reduzieren. Zitat eines Cablecomkeilers: "Haben Sie ein Telefon?" "Ja junger Mann, meinen Brieftaube ist letzte Woche verstorben!"

Wie wichtig dem Konsumenten seine private Sphäre ist,

zeigt doch am Besten das Internet selbst. Immer mehr wird laut Medienberichten übers Internet verkauft. Internetbanking verzeichnet Zuwächse. Le Shop und andere Anbieter liefern immer mehr Lebensmittel ins Haus.

Der Bevölkerung wird heute im Alltag und bei der Arbeit genug abverlangt. Sie möchte abends im Wohnzimmer oder auf dem Balkon ihre Ruhe haben, ausspannen und regenerieren. Das soziale Gefüge innerhalb der Gesellschaft hat sich verändert. Mit all diesen Anrufen, Türgeschäften und unverlangten Aussendienstbesuchen vergrämt man die Leute nur. Und im Endeffekt wird man doch nur missbraucht. Das merkt man spätestens bei einem Problem mit dem Telefon, dem Internet oder dem PC. Nur wenige sind zum Kundendienst berufen.