Mittwoch, 7. Juli 2010

Kein gutes Omen

Kostenpflicht reißt britische Times online in die Tiefe

Die Frage ob man für Online-Zeitungen Geld verlangen darf, muss oder soll geistert ja schon seit Monaten durch das Internet. Viele sind ja der Meinung das man für Onlineinhalte, die ja von Profis erstellt und geschrieben wurde, es durchaus angebracht wäre einen Obolus zu entrichten.

Dabei stellt sich die Frage, was ist Qualitätsjournalismus. Alleine die mathematischen Kenntnisse mancher Redakteure lassen mir stets die Haare zu Berge stehen. Jüngstes Beispiel die Raucher/Nichtraucherabstimmung in Bayern. 61 % der Bayern haben sich für das strengste Rauchverbot Deutschlands entschieden ! Geht es noch ! Es gab einen Wahlbeteiligung von 37,7 %. Davon haben 61 % für ein Rauchverbot gestimmt. Also nicht 61 % der Bayern. Insgesamt waren knapp 9,4 Millionen Bayern zur Stimmabgabe beim Volksentscheid aufgerufen, 37,7% davon haben die Wahl ergriffen (Wahlberechtigten ) * Wie soll ich jedes Mal meinen Enkelkindern erklären, die bei einer Schulaufgabe damit glatt durchfallen würden. Ähnliches kennen wir ja in der Schweiz aus SVP-Kreisen.

Objektive Berichterstattung*

Der Verleger Rupert Murdoch hat sich jetzt eine verlegene rote Nase geholt – denn er dachte eigentlich, er könnte mehr Geld verdienen, wenn er seine Inhalte kostenpflichtig macht. War wohl nix und mag beim Wall Street Journal (auch Murdochs Eigentum) funktionieren. Nicht so bei der Times. Und so muss Rupert auch im fortgeschrittenen Alter noch seine Lektionen lernen. Sei er für das britische Flagschiff Geld verlangt, verlassen die Leser in grossen Scharen den Onlineauftritt.
Inquirer-UK-Mann* (unser Quellenbasisbeitrag) Nick Farell hämisch: »Jetzt haben die Kollegen von TheIndependent endlich mehr Leser als die Times! Und das, obwohl die doch eher die paar Leser haben, die sogar ihren Joghurt selber stricken!« .Dem Website-Statistikdienst Alexa zufolge fallen die Zahlen tief. Nicht nur ein bisschen: Sie seien eher ein steiles Cliff heruntergestürzt, kommentiert Nick.

Keine guten Aussichten für die Zukunft. Wahrscheinlich werden in den nächsten Jahren zahlreiche traditionelle Zeitungen aus dem Angebot verschwinden. Ob Online-Bezahlmodelle überhaupt eine Zukunft haben, steht in den Sternen. Mancher wird sich da noch einen rote Nase holen. Meinungsmache ist in meinen Augen, um auf das deutsche Beispiel zurückzukommen kein

* Speziell die Leserkommentare Vorort sprechen einen eigene Sprache