Die unterschätzte Macht des Kunden
Herber Umsatzverlust für Schlecker: Laut einer Studie des Marktforschers GfK sind die Erlöse der Drogeriekette in den ersten vier Monaten 2010 um 16 Prozent eingebrochen. Nach der Debatte um Dumping-Löhne habe mehr als eine Million Kunden dem Unternehmen den Rücken gekehrt.
Steter Tropfen höhlt den Stein. Lohndumping verkommt zum Kavalierdelikt. Zeitarbeit ist moderne Sklaverei. Es spaltet diese unsoziale, geldgierige Gesellschaft noch mehr. Aber offenbar sind die Signale noch nicht bei den erfolgsverwöhnten Unternehmen angelangt. Ein negatives Beispiel zeigt sich in Deutschland. Kunden erklären sich im täglichen Kampf um Arbeitsplätze als Verbündete der Zeitarbeiter. Wochenlang musste sich Schlecker wegen Lohndumping-Vorwürfen verantworten. Jetzt zeigt sich: Unter der Debatte hat offenbar nicht nur das Image der Drogeriekette gelitten, sondern auch deren Erlöse.
Laut einer Analyse des Marktforschungsinstituts GfK habe das Unternehmen in den ersten vier Monaten 2010 in seinen deutschen Filialen deutliche Umsatzverluste erlitten, meldeten "Wirtschaftswoche" und "Focus". Die Erlöse seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16 Prozent eingebrochen. 1,7 Millionen Käuferhaushalte seien zur Konkurrenz abgewandert, das sei mehr als jeder zehnte bisherige Käufer von Schlecker, hieß es weiter.
Kundenschwund als Protest
Als Hauptursache für den Kundenschwund sieht GfK-Experte Wolfgang Twardawa die umstrittene Personalpolitik von Schlecker. "Die in diesen Fragen zunehmend kritischen Verbraucher bestrafen solche ethischen Fehltritte inzwischen nicht mehr nur durch zeitweilige Kaufzurückhaltung, sondern durch dauerhaften Vertrauensentzug", sagte er der "Wirtschaftswoche".
Schlecker war in die Kritik geraten, nachdem das Unternehmen begann, Teile der Stammbelegschaft durch schlechter bezahlte Mitarbeiter einer Leiharbeitsfirma zu ersetzen. Die Kunden schauen eben nicht nur mehr auf den Preis, sondern solidarisieren sich mit den Angestellten. Der ein oder andere könnte morgen auch davon betroffen sein.
Der Kunde hat nämlich gegenüber dem Unternehmen einen Vorteil. Er kann auf andere Läden ausweichen. Sollte es also einen Firma übertreiben, wird sie das am künftigen Umsatz und der Kundenfrequenz merken. Die Konsumenten sind mündig geworden. Die Unternehmer aber selbst lernen nur zögerlich. Leider geht dieses Defizit auf Kosten von Arbeitplätzen. Langfristig auf die Substanz des Unternehmens. Und damit ist niemand geholfen. Hier hilft nur ein fairer Dialog.
Zum Thema:
Kundenschwund nach Lohndumping-Streit - Spiegel Online
Das Bohrloch schließen! - Wirtschaftswoche.de
