Es geht nicht darum, ob man es politisch und moralisch vertreten kann, die Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer nach 15 Jahren mit einem grossen, teuren Fest aus ihrem Amt in der Zürcher Kantonsregierung zu verabschieden. Es mag sicher ein Abschied aus einer grossen politischen Karriere sein, sagen die einen. Egal aus welchem Lager die Stimmen ertönen. Bedenklich wenn ihre eigenen Partei es für angemessen findet, ihr solcherart für ihre politische Arbeit zu danken. Ich kenne Frau Fuhrer nur aus den Medien, den Berichten und nicht zuletzt durch ihre Krebserkrankung.
Ob jetzt am 29.dM. dazu verwendeten Geldmittel aus Überzahlungen, Rücklagen oder aus der Portokasse stammen – es bleiben so oder so Steuergelder. Mir geht es aber eben um ihre Krankheit und ihre persönliche Darstellung in den Medien. So wie sie uns die Presse und sie sich selbst präsentiert. Bei der Migros würden ein Überschuss in der Kasse einer Kassiererin restlos eingezogen.
“Die Zürcher SVP-Regierungsrätin Rita Fuhrer (56) hat Krebs" titelte der Blick. Ihr Ehemann Fredy sprach mit Blick.ch über die Krankheit: «Sie wusste sofort, dass es Krebs war.»“ Das Interview mit ihrem Ehemann endet mit der Frage: " Was geht Ihnen durch den Kopf in diesen Tagen, Herr Fuhrer? Man weiss manchmal nicht, was man hat, wenn man gesund ist. Gesund sein ist das Grösste. Und man kann es nicht genug sagen: Frauen, lasst euch rechtzeitig kontrollieren! “
Ich will stärker sein
Sie selbst in der Schweizer Illustrierten: “Sie wollen den Krebs besiegen? " Fuhrer : “ Es gibt verschiedene Arten, mit der Krankheit umzugehen. Seit meine Diagnose öffentlich ist, kommen Leute auf mich zu, erzählen von ihren Erfahrungen. Es gibt Menschen, die akzeptieren den Tumor. Die sagen: Der gehört jetzt zu mir, aber sie sagen ihm: Halt dich still! Ich kann das nicht. Ich kämpfe mit aller Kraft. Ich will stärker sein! “.
Schwerkrank tritt die Zürcher Regierungsrätin Rita Fuhrer zurück. Auf «Tele Züri» sprach sie ohne Tabu über ihren Kampf gegen den Krebs. Kein Tag verging also ohne irgendwelche Medienpräsenz. Zusammenfassend wünschen sich alle Frauen und Männer in diesem Land, die mit der Diagnose Krebs leben müssen, dass, was sich Frau Fuhrer wünscht : Sie wollen den Krebs besiegen. Ihnen fehlt aber das soziale Umfeld, die Anerkennung für einen IV-Rente uv.a.m. Vor allem wurden sie nicht so grosszügig aus einem langen Arbeitsleben verabschiedet.
Die Autorin Irène Dietschi hat in Ihrem Buch Geschichten von Krankheit, Hoffnung, Mut und Liebe, gesammelt. Gerd Nagel ist im Zenit seiner Karriere als Onkologe, als er selber Krebs bekommt; die Fernsehjournalistin Monika Schärer wird durch die Diagnose Brustkrebs aus ihrem Schaffensdrang gerissen; das Glück der jungen Eheleute Rey ist jäh bedroht, als ihr kleiner Sohn an Leukämie erkrankt; der ehemalige Radrennfahrer Robert Dill-Bundi, Olympiasieger 1980, kämpft seit über drei Jahren gegen einen Hirntumor und hat Zukunftspläne.
Zum 100-jährigen Bestehen der Krebsliga Schweiz porträtiert Irène Dietschi Menschen, die selbst von Krebs oder als Angehörige betroffen sind. Neben Leid und Schmerzen, die eine Krebsdiagnose unweigerlich mit sich bringt, hat sie auch viel Hoffnung und Zuversicht angetroffen. Die Geschichten zeigen, welche Zäsur Krebs im Leben bildet, und gleichzeitig, welche Kraft die Menschen entwickeln, weil sie leben wollen. Buch («Krebs. …und das Leben geht weiter.»)
Wie gesagt ich kenne Frau Fuhrer nicht persönlich. Ich kenne eine Menge Leute die an Krebs erkrankt sind. Sogar meine eigene Frau musste diese Diagnose erfahren. Um diesen Artikel für heute auf den Punkt zu bringen. In Zeiten wie diesen, wo Vereinigungen und Stiftungen mit gekürzten finanziellen Mittel die doppelte Arbeit erledigen sollen, wären sie wohl berechtigterweise und als Vorbild und Kämpferin gegen den Krebs in die Geschichte eingegangen, wenn sie z.B. den grössten Teil der publizierten Kosten der Krebsliga gespendet hätten. Man könnte sich mit ein paar Eingeklemmten an einen passenden Ort zusammengesetzt und ihren Übergang in den Ruhestand feiern. Mit Limo und Mineralwasser und Kaffee. Der Zeit angepasst.
Wir wollen gemeinsam stärker sein
Ja dann hätte ich den Hut gezogen, bis tief zum Boden des Alltags und wäre erfürchtig erstarrt.
"Diese Rita Fuhrer ist eine Kämpferin." Sie hat sich für einen bescheidenen Abschied von einer grossen politischen Karriere eingesetzt. Gemeinsam und/oder im Geiste von Gleichbetroffenen. Sie steht gemeinsam in der ersten Reihe und unterstützt die Forschung bei der Bekämpfung der Geisel der Menschheit. Aber Märchen werden wo anders geschrieben. Schade. Wir wollten auch gerne alle stärker sein. Gemeinsam und nicht einsam.
Zum Thema : Sie braucht Ruhe nach dem Sturm - Tagesanzeiger.ch
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