Freitag, 23. April 2010

Heimat ist relativ

Heimat ist für mich ein relativer Begriff. Für manche mag sie mit dem Geburtsort verbunden sein. Andere assoziieren ihren aktuellen Wohnstandort damit. Andererseits wissen wir heute, dass die Welt nicht wie ursprünglich angenommen eine Scheibe ist, sondern sich als sogenannter blauer Planet in einer kugelähnlichen Form darstellt. Auf den Polkappen etwas abgeflacht.

Wo wir nun auf unserem Planet Erde schlussendlich unsere oder jeder für sich, seine persönliche "Heimat" findet hängt von vielen, nicht beeinflussbaren Faktoren ab. Ist Australien die Heimat eines Neugeborenes, dessen Schweizer Eltern sich berufsbedingt ebenort aufhalten. Abgesehen von den jeweiligen Gesetzen wird es dann eher auf eine Doppelstaatsbürgerschaft hinausgehen. In diese Richtung könnte man wahrscheinlich noch eine Weile weiter philosophieren.

Dabei stellt sich für mich die grundsätzliche Frage: “Brauchen wir für ein schönes, erfülltes Leben überhaupt so etwas, was langläufig als Heimat bezeichnet wird ?”. Für weniger patriotisch veranlagte Zeitgenossen stellt sich die Frage wahrscheinlich gar nicht. Umgekehrt, kann diese Form des Heimatbegriffes manchmal eher belasten, denn ein Wohlgefühl auszulösen. ZB. Wenn ich in einer Diktatur lebe oder mein Land permanent in Kriege verwickelt ist.

Schon mit 14 Jahren begann für mich eine längere Phase der Lehr- und Wanderjahre im Fremdenverkehr, weit weg von meinem Gbeurtort. Diese Zeit hat mich sicher geprägt und zur Selbstständigkeit gelehrt. Zu Heimat gehört aber meines Erachtens auch die persönliche Gefühlsebene. Fühle ich mich an einem Ort wohl und es gefällt mir die Örtlichkeit, bin ich schon einen ersten Schritt weiter. Wenn ich dann noch das Gefühl erleben darf, dort akzeptiert zu werden, als Mensch mit all meinen Ecken und Kanten bin ich dem Ziel schon näher. Doch das Sahnehäubchen des Heimatgefühls liegt in der Zweisamkeit und in einer Familie. Einen Menschen zu haben, mit dem man alles teilen kann, dem man Liebe gibt und diese erwidert wird. Der hinter einem steht und ohne gross zu fragen hilft.  Dieses Gefühl lässt Ländergrenzen verschwinden.

Heimat ist für mich jenes Umfeld, egal auf welchem Ort des Planeten, der mir ermöglicht meine Leben so zu leben wie ich es mir wünsche und wo ich von den Menschen ohne Wenn und Aber aufgenommen wurde, unabhängig meines sozialen Status - ohne gesetzlichen Hürdenlauf , Fremdbestimmung und Religionsvorgaben.

Heimat kann man nicht kaufen - Heimat kann man nur erfühlen, erleben. Einfach da sein. Dazu eignet sich im Prinzip jeder Punkt auf dieser Erde.

“Ich bin das Leben, das leben will, inmitten von Leben das leben will” (A.Schweitzer)