Montag, 18. Januar 2010

Schweizerische Sozialhilfestatistik




Die Sozialhilfequote im Kanton Graubünden beträgt 1,4%



Im Kanton Graubünden sind 1,4 Prozent der Bevölkerung auf Sozialhilfe angewiesen. Die Sozialhilfequote bleibt damit auf tiefem Niveau stabil. Überdurchschnittlich stark betroffen sind junge Erwachsene sowie Alleinerziehende. Dies geht aus der Schweizerischen Sozialhilfestatistik für das Jahr 2008 hervor.

Die Ergebnisse der Schweizerischen Sozialhilfestatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) für das Jahr 2008 zeigen, dass der Kanton Graubünden eine im Vergleich zur Gesamtschweiz tiefe Sozialhilfequote aufweist. Die Sozialhilfequote blieb im Kanton Graubünden in den Jahren 2006 bis 2008 stabil und betrug jeweils 1,4 Prozent. Im Jahr 2008 bezogen 2569 Personen Sozialhilfe. Die gesamtschweizerische Quote für das Jahr 2007 lag bei 3,1 Prozent (der Wert für 2008 liegt noch nicht vor).

Je grösser die Gemeinde, desto höher die Sozialhilfequote
Die Sozialhilfequote steigt tendenziell mit der Grösse bzw. Urbanität einer Gemeinde. Ein hoher Anteil von Sozialhilfebezügern und- bezügerinnen findet sich erwartungsgemäss in Chur, wo die Quote bei 3,2 Prozent liegt. Auch einzelne mittelgrosse Gemeinden wie Domat/Ems oder Thusis sind mit Werten von 3,2 Prozent bzw. 3,3 Prozent überdurchschnittlich stark betroffen. Die Tourismuszentren Davos (1,9%) und insbesondere St. Moritz (0,9%) weisen im Vergleich zu anderen Gemeinden mit ähnlicher Grösse eine tiefe Sozialhilfequote auf.

Trotz Vollzeitjob in der Sozialhilfe
32% der Sozialhilfeempfänger/innen ab 15 Jahren sind erwerbstätig. 40% davon erzielen trotz einer Vollzeitstelle ein ungenügendes Einkommen. Vergleichsweise hoch ist dieser Anteil bei den Ausländern und Ausländerinnen (56% gegenüber 34% bei den Schweizern und Schweizerinnen). Der Beschäftigungsgrad variiert je nach Geschlecht. 67% der Männer, aber nur 23% der Frauen sind vollzeitig erwerbstätig. Dies ist massgeblich mit den Kinderbetreuungspflichten vieler Sozialhilfe-bezügerinnen zu erklären, die nur eine Teilzeiterwerbstätigkeit zulassen.

Sozialhilfebezug von mehr als einem Jahr ist die Regel
Die Sozialhilfe soll eine vorübergehende Unterstützung in Notlagen darstellen, häufig erstreckt sie sich aber über einen längeren Zeitraum. In 42 Prozent der Fälle dauert der Bezug mehr als zwei Jahre. In 20 Prozent der Fälle beträgt die Bezugsdauer zwischen einem und zwei Jahren und in 38 Prozent der Fälle liegt sie unter einem Jahr. Medienmitteilung BFS

Hohes Sozialhilferisiko Alleinerziehender
Die Zahl der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe ist im Vergleich zu 2007 um 12 Prozent gesunken. Dennoch bleibt das Sozialhilferisiko von Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil sehr hoch: Die Unterstützungsquote liegt bei 9,6 Prozent. Annähernd jeder zehnte Haushalt von Alleinerziehenden wird von der Sozialhilfe unterstützt. Mit 2,9 Prozent weisen auch die Alleinlebenden eine überdurchschnittliche Unterstützungsquote auf. Bei Paaren mit Kindern beträgt die Sozialhilfequote 0,6 Prozent, bei Paaren ohne Kinder 0,3 Prozent. 130 Paare mit 290 Kindern müssen finanziell unterstützt werden. Zusammen mit den Kindern von Alleinerziehenden ergibt dies eine Anzahl von 817 Kindern, die von der Sozialhilfe leben. Der grösste Anteil dieser Kinder (728) ist unter 17 Jahre alt.

Risikogruppe junge Erwachsene
Junge Erwachsene tragen ein erhöhtes Risiko, von der Sozialhilfe abhängig zu werden: 1,7 Prozent der 18- bis 25-Jährigen beziehen Sozialhilfeleistungen. Im Unterschied zur Gesamtentwicklung hat die Zahl der Bezügern und Bezügerinnen in dieser Altersklasse zwischen 2007 und 2008 um 8% zugenommen. Arbeitslosigkeit sowie ein tiefes Ausbildungsniveau junger Erwachsener bilden zentrale Risikofaktoren. 39 Prozent der jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe sind arbeitslos (alle jungen Erwachsenen: 3%) und 19 Prozent (4%) sind weder erwerbstätig noch auf Stellensuche. Auffallend ist auch, dass 68 Prozent der jungen Erwachsenen in der Sozialhilfe über keine abgeschlossene Ausbildung verfügen, während dies in der Gesamtbevölkerung nur 35 Prozent sind.