Bundesrat Leuenberger meint, dass alle für die SRG bezahlen sollen. Den auch, wer keinen Radio und Fernseher besitzt, profitiert von der Demokratie, die die SRG bereitstellt, sagt Bundesrat Leuenberger. «In der ursprünglichen Logik hat sich vieles verschoben», sagte er.
Im heutigen Beitrag möchte ich versuchen diese neue Form der Demokratie a la leuenberger in der Praxis zu erklären. Ich besitze zwar einen PC, Radio, und TV. Davon benutze ich allerdings nur den PC. Der ist aber nicht radiotauglich und besitzt auch keinen Fernsehempfang. Den Radio und TV können wir an jedem Ort der Wohnung gratis bei unseren Nachbarn mithören. Ich finde das toll. Die wenigen Sommerabende, welche man heuer auf dem Balkon verbringen konnte, kann man auf einer Hand abzählen. Was aber nie fehlte, war die Backgroundmusik der Nachbarin oberhalb unserer Wohnung. Die nimmt nach einem langen Arbeitstag ihr Abendessen meistens in trauter Zweisamkeit mit ihrem Freund ein. Nur unterbrochen von lautstarken Handygesprächen. Ist das schon gelebete Demokratie oder einfach Rücksichtslosigkeit ?
Am liebsten höre ich die tiefen Bässe meines anderen Nachbarn vis a vis. Man hat mit zwar erzählt, rundum die Bässe gebe es noch so etwas wie Musik. Aber die höre ich nicht. Nur die Holzdecke biegt sich im Takt der Bässe, rhythmisch wie die Wellen am Strand. Bei uns werden ja neuerdings verstärkt am Balkon Rauchpause eingelegt. Je Quartierseite 10 Balkons! Niemand traut sich mehr in der Wohnung rauchen. Von wegen Raucherwohnung und hoher Malerkosten beim Auszug. Das geht oft bis in die frühen Morgenstunden. Für einen Zigarettenlänge lernte ich gratis nach und nach die verschiedenen Musikgeschmäcker meiner Nachbarn kennen.
Irgendwie kann man sich ja dem demokratischen Musikgenuss nicht entziehen. Vielleicht kurz, während der Fahrt zum Einkaufsmarkt im eigenen Auto. Im EZ wird man schon wieder mit Gedudel und Musik empfangen. Am schlimmsten ist es bei Mediamarkt. Die könnten wahrscheinlich den doppelten Umsatz machen, wenn sich Kunden und Verkäufer besser verstehen würden. Neu darf man ja beim meinem Hausarzt jetzt keinen MP3-Player und Handys im Wartezimmer benutzen. Vor allem weil der nicht grösser als 10qm gross ist.
Ja wie gesagt, am PC ist diesebzüglich nicht viel los. Deshalb erschrecke ich umsomehr, wenn sich plötzlich auf einer Seite nach einem kurzen Mauskontakt plötzlich aussagekräftige, laute Werbedurchsagen einschalten. Wobei die Betonung hier eher auf lautstark liegt. Zusammenfassend glaube ich also schon zu verstehen was Herr Leuenberger mit Demokratie versteht. Nur wenn ich mir so die Beiträge von Otto Normalverbraucher und seiner Frau ansehe, was die bis heute schon in die Demokratie einzahlen, dann kann ich den Einwurf des Bundesrates nur so verstehen, dass wir alle von den Billaggebühren befreit werden müssten. Die Billag könnte man dem Verteidigungsministerium vereinen, sodass die Miltärersatzabgabe dann künftig für den Unterhalt des Schweizer Fernsehens abgeführt werden kann. Das SF könnte dafür gratis den Fuhrpark der Armee mitbenützen. Speziell für Luftaufnahmen würde sich eine Kooperation anbieten. Die zuviel bestellten Impfstoffe für die Schweinegrippe könnte man für Indukterradios eintauschen, welche gratis an die Bürger verteilt werden, die weder noch. Soweit habe ich die Äusserungen von BR Leuenberger verstanden. Konkrete Vorschläge für Gesetzesänderungen will der Bundesrat erst vorlegen, wenn das Parlament über den Bericht diskutiert hat. Wenn`s dann wirklich nicht`s mehr kostet, soll es mir recht sein.
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