Montag, 28. Dezember 2009

Migros sprechen mit gespaltener Zunge


Der Monopolist spürt die Krise - Umsatz bleibt auf Vorjahresniveau - Das Weihnachtsgeschäft blieb hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Und auch im Gesamtjahr macht der Grossverteiler kaum mehr Umsatz. Schuld sind sinkende Preise - und die "Preisdrückerei" der Konkurrenz aus Deutschland, sagt Migros-Chef Herbert Bolliger. "Die Preisdrückerei in Deutschland schwappt auf die Schweiz über", sagt Bolliger im Interview mit der Zeitung "Sonntag". "Das ist eine ungesunde Entwicklung, die auch hierzulande volkswirtschaftliche Probleme verursacht."

Bolliger greift in dem Interview die deutschen Harddiscounter Aldi und Lidl scharf an. "Die Besitzer von Aldi und Lidl werden immer reicher und drücken auf Kosten der Produzenten und Mitarbeiter permanent die Preise", sagt der Migros-Chef. Dann kommt in weiterer Folge des Interviews noch die übliche Raunzerei zum volkswirtschaftlichen Schaden im Lande und der Verweis auf einen harten Preiskampf. Nun Herr Bolliger. Jammern auf hohem Niveau hat Tradition und wird auch dann nicht glaubwürdiger, wenn man auf Gott und die Welt schimpft und bei sich selbst keinerlei eigene Fehler erkennt. Fakt ist jedenfalls, dass heute zwar Aldi und Lidl in der Schweiz begonnen haben, ihre Märkte zu etablieren. Allerdings auf einem höherem Preisniveau, als für die Kunden in Deutschland. Das geht sogar teilweise soweit, dass die Schweizer im Grenzbereich wieder in deutschen Filialen einkaufen, so wie sie es schon Jahre früher getan haben. Dort befinden sich die Bauern nicht in einer geschützten Werksstatt, sondern unterliegen einem EU-weitem Agrarwettkampf. Wie oben erwähnt, ist es hinlänglich bekannt, dass dank diverser Netzwerke der Markt in der Schweiz geschützter und gestützter ist und dass sie es Herr Bolliger gerne sehen würden, wie die Kunden weiter ihre verlangten Preise wie in der Vergangenheit bezahlen.

"Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm, der brutale Preiskampf vernichtet ganze Existenzen." Die Harddiscounter drückten die Preise bei den falschen Produkten. Bei den Milchbauern werde der letzte Cent rausgewürgt, damit der Milchpreis nochmals gesenkt werden könne. Eine gefährliche Spirale sei auch bei den Löhnen im Gang, wo in Deutschland Leiharbeiter zu einem Stundenlohn von 7 Euro eingestellt würden. Am Schluss müssten die Steuerzahler die Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger zahlen. Damit haben sie nur teilweise recht. Bezieht sich allerdings auf die einheimischen Bezieher, die schon früher, lange vor dem Eintritt von Aldi und Lidl ennert der Grenze ihren Wocheneinkauf einkaufen erledigten, weil das Monat nun mal 30 Tage hat und der Einkauf bei Migros und COOP um einiges teurer zu stehen kam. Das war schon Jahre so und auch immer wieder Gegenstand zahlreicher Medienberichte.

Hören sie auf Lohnkosten zu vergleichen. Kehren sie vor der eigenen Tür. Die Schweiz hat ein ganz anderes System (brutto) als die umliegenden Länder. Hier werden die Krankenbeiträge und die Lohnsteuer u.a. schon abgezogen. Zu guter Letzt packen sie noch die Stellenabbaukeule aus. Dazu nur ein paar Links, welche zeigen, dass es schon früher mit der M-Personalpolitik nicht gestimmt hat . Der Beobachter hat erst jüngst 6 Beispiele gebracht, worin man erkennen kann, dass u.a. Firmentreue bei M nicht belohnt wird und ältere Arbeitnehmer gekündigt werden.

Ich bin schon etwas länger auf der Welt und muss neidvoll anerkennen, wenn Kunden der Migros trotz überrissener Preise in der Vergangenheit, ihrem Unternehmen trotzdem  jahrelang die Treue gehalten haben, die sogar im Duttweilers Sinn in der Familie so ähnlich wie vererbt  wurde. Diese einmalige Kundentreue beginnen sie jetzt mit den Füssen zu treten, indem sie vom Unvermögen ablenken und nicht bereit sind, sich einem fairen Wettkampf zu stellen. Für die zahlreichen Arbeitslosen, Sozialhilfebzieher und die Opfer der IV-Revision sind ein paar Franken mehr oder weniger sehr viel im Monat. In der Relation dazu, steht ihr Gehalt im keinen Vergleich zu dem einer Kassiererin.

“Angesichts dieses Drucks aus dem Ausland bleibe Migros keine andere Wahl, als die Preise ebenfalls zu senken“. Es ist nicht der Druck aus dem Ausland. Es sind die vielen Tage zwischen Monatsanfang und Monatsende, welche den Leuten zu schaffen macht. Gerade jetzt zu den Feiertagen, haben das viele Familien mit Kinder zu spüren bekommen. Viele von ihnen hatten schon ausgiebigere Feste im Kreise der Familie feiern dürfen.

“Migros nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau!“

Kommt ihnen die Schlagzeile bekannt vor? Das schrieb die Gewerkschaft UNIA in der Medienmitteilung vom 10. November zur angeblichen Lohnerhöhung.  Und weil wir gerade bei den Arbeitnehmervertretern sind. Sie kündigte einem Mitarbeiter nach Erscheinen eines Artikels im SonntagsBlick mit der Begründung der Artikel sei "rufschädigend". Dabei hatte sich der zweifache Familienvater für bessere Arbeitsbedingungen im MV Suhr eingesetzt. Ja und wäre da noch der Blogger “Ex-Migros“, der uns seit langer Zeit Einblicke hinter die Kulissen der Migrospolitik gewährt. Auch auf unserem Blog findet sich die eine oder andere Nachlese zu Medienmeldungen über ihr Unternehmen. Lassen sie also die Kirche im Dorf. Ausserdem haben sie ja jetzt den Denner. Weder Aldi Süd, noch Lidl sind Waisenknaben. Da stimme ich ihnen voll zu. Anders wäre der weltweite Erfolg aber nicht zu erklären. Umgekehrt, ihre Auslandsengagemente zB. in Österreich und dem dortigen Konsum haben hunderte Millionen gekostet und nichts gebracht.

Lassen wir es für heute gut sein, grosser Häuptling. Trotzdem einen Tipp mit auf den Weg. Vergrämen sie ihre treuen Kunden nicht weiter mit solchen Irritationen. Nehmen sie sich kein Beispiel an mancher Politikeraussage die von Überfremdung im Lande sprechen. Der ein oder andere ist heute gar nicht mehr in der Politik. Ja und noch etwas zur Freizügigkeit: Mehr als 600.000 Schweizer/innen leben und arbeiten auch im Ausland.

Zum Schluss, ich kann ihnen gerne mal die Nebenkostenabrechnung unserer Wohnung übersenden. Die hat sich in 10 Jahren in 100%- Schritten erhöht. Auf der anderen Seite werden u.a. immer mehr Gesundheitskosten aus dem Leistungskatalog genommen. Es ist verdammt nicht einfach schwer krank zu sein. Leider verfügen wir Betroffenen nicht über die Lobby wie sie. Deshalb nützen sie den Status und bleiben sie, wenn schon, bei der Wahrheit. Immer mehr Schweizer haben Internet und können vergleichen und Pressemeldungen lesen und nachlesen. Die Zeiten haben sich halt schlichtweg verändert.