Mittwoch, 11. November 2009

Existenzkrise Firmenpleite

Für eine Kultur der zweiten Chance – Teil 2

Besonders betroffen von der hohen Zahl von Insolvenzen seien kleine und mittelständische Betriebe, da die Kreditvergabe der Banken sehr restriktiv sei und die staatlichen Kreditprogramme beim Mittelstand noch nicht wirkten schreibt die SZ.
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Gestern brachten wir ja den ersten Teil zum Tagebucheintrag von Attila von Unruh, Gründer des Selbsthilfenetzwerkes Anonyme Insolvenzler. Mit über 35.000 Firmenpleiten rechne der Verband Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) für das Jahr 2009, berichtet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Viele Betriebe gerieten deshalb unverschuldet in eine bedrohliche Lage. »Im Mittelstand droht eine regelrechte Katastrophe«, zitiert die SÜDDEUTSCHE den VID-Vorsitzenden Siegfried Beck. Wie diese finanziellen Katastrophen bei den gescheiterten klein- und mittelständischen Firmenchefs auch zu schweren persönlichen Krisen führen, kommentiert heute Attila von Unruh, Gründer des Selbsthilfenetzwerkes »Anonyme Insolvenzler« im Tagebuch. Über diese Existenzkrisen zu sprechen gelte als gesellschaftliches Tabu.

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit

Nichts liegt ja nach hunderten von Bewerbungen näher, als sich einfach seinen eigenen Arbeitsplatz selbst zu schaffen. Manche warten nicht einmal diese Zeit ab, sondern wagen noch in jungen Jahren ohne Lebens- und Arbeitserfahrung den Sprung in die Selbstständigkeit. Für manchen folgt einen bitterböse, harte Landung. Die hohe Arbeitslosigkeit ist nicht selten ein Spiegelbild der momentanen Wirtschaftskrise. Ein erste grosse Hürde, denn manche auf ihrem Weg in die scheinbare Selbstständigkeit gerne beiseite schieben. Dem folgen noch manche Steine auf den Weg, um zu den rund 14 % Schweizer selbständige Unternehmer zu gehören. Rund 37.000 sind im Handelsregister eingetragen. Manche getragen von dem Gedanken und der Überzeugung eigene Ideen zu verwirklichen, sich etwas Eigenes aufzubauen – einfach der eigene Chef zu sein.

Doch der Markt ist ein grosses Haifischbecken in dem auch gestandene Konzerne ihre Probleme haben. Zwar ist Innovation gefragt, doch nur als Beispiel die Gastronomie zu nehmen, herrscht hier ein Überangebot. Noch dazu, seit die Zugangsbarrieren des zB. Wirtepatents gefallen sind.

Die Existengründervoraussetzungen sind in der Schweiz nicht eben die Besten. Spezielle Branchen haben fast keine Chance auf Kleinkredite oder Finzierungen. So mit einem Minimalkapital ausgestattet sind die Überlebenschancen für die meisten Existenzgründer von vornherein eher gering.

Schmerzvoller Weg

Danach beginnt aber für die meisten ein noch schmerzvollerer Weg, als wenn sie versucht hätten ein Angestelltenverhältnis anzustreben. Im Gegensatz zu Amerika beginnen für die gescheiterten bei einem Konkurs magere Zeiten. Bis hin zum sozialen Abstieg und Ausstieg. Es zählt nicht das wie, sondern dass sie Konkurs anmelden mussten. Ihre Chancen am Arbeitsmarkt sinken extrem. Kein Arbeitgeber hat es gerne als Drittschuldner im schlimmsten Fall für ihre Verbindlichkeiten einzustehen. Angesehen von den Lohnpfändungen und dem verbundenen Umtrieben. Aus vielen Gesprächen kenne ich das Argument, bei mir wäre das normal nicht passiert wenn, …………………

Jetzt gibt der Insolvenzverwalter den Ton an. Und der kann schlimmer sein als mancher ungeliebte Chef. Dem können sie nicht kündigen. Das schlimmste in diesem Moment ist die familiäre Situation. Da braucht es einen starken Partner, dass die Beziehung nicht auch ncoh in die Brüche geht. Das derzeitige Insolvenzrecht sieht keine zweite Chance vor wie zB. in Amerika. Es ist eher auf Vernichtung und Auflösung einer Existenz ausgerichtet, als den Fehler der Betroffenen zu korrigieren. Keinen zweite Chance mehr, mit der sie eventuell die Schulden der verspielten ersten Chance ausgleichen können.

Der Ansatz der Projektidee von Hr. Unruh ist der Weg für die Zukunft.. Die Umsetzung mit allen gesetzlichen Drumherum wird bei Kleinunternehmen noch lange dauern. Bei den Grossen klappt es ja eher, wie uns die Vergangenheit gezeigt hat.

Ich bin insolvent. Ich kann nicht mehr. Es ist vorbei - Gebt mir eine zweite Chance !

Zum Thema :
Insolvenzrecht Schweiz / SchKG /