Zwangsweise musste ich ja die letzten Tage wieder einen kleinen Boxenstopp einlegen. Heute hat mir meine Frau die Sonntagszeitung zum Frühstück geholt, weil dort für heute gross ein Artikel über das Bloggen in der Schweiz angekündigt wurde.Eines Voraus Herr David Bauer von der Sonntagszeitung. Ihr Artikel unterscheidet sich leider diesbezüglich (Bloggen) wenig von dem bisher erschienen Artikeln der Printpresse. Aber wenn man selbst im sinkenden Boot (Auflagenverlust ) sitzt, dann kommt einem offenbar jede Idee in den Sinn und sei es nur über die Bla-Bla-Blogger zuschreiben, um seinen Leser über das ergebnislose Tun einzelner Freizeitjournalisten auf ihren mittelmässigen Blogs zu beschreiben. Was hat man Blogs nicht alles zugetraut. Was haben sich Blogautoren selber nicht alles zugetraut. «Millionen von Weblogs ergänzen die klassische Medienlandschaft um unabhängige Stimmen», war 2005 im Buch «Die heimliche Medienrevolution zu lesen ». Heimlich hatte ich gehofft, bei der SZ was Neues über das Bloggen zu lesen. Aber sie machen genau denselben Fehler wie zahlreiche Kollegen vor Ihnen und orientieren sich an den sogenannten A-Bloggern. Der Top 100 der Schweiz. Benjamin zeigt uns täglich live und nach Tags geordnet, was sich in der Blogszene Schweiz bewegt. Über was und worüber geschrieben wird. Eine tolle Sache. Ebenso die Suchmöglichkeit zu Spezialthemen.
Dabei überwacht Aggregator SLUG.ch ( nebenbei der Grösste und Beste der Schweiz) rund 2.500 eingetragene Blogs, welche per Suchindex alle 30 Minuten aktualisiert werden. Die Krönung zahlreicher Blogkollegen ist das Erreichen der Top 100. Diese widerspiegeln via blogug.ch die Technorati-Links, runtergerechnet auf die Schweiz. Und Technorati hat da vor ca. 1 Woche Korrektur vorgenommen und viele Spam-Blogs entfernt. Daraufhin sind die Zahlen weltweit massiv gesunken. Man vermutet, dass man auch einige "richtige" Links entfernt hat und will dies in den nächsten Wochen wieder korrigieren.In einem muss ich Ihnen als Redakteur recht geben – dem Anspruch der Themensetzung. Auch mir sind diese zu techniklastig. Wie halt in der realen Welt und den Medien, ist zum Beispiel unser Themengebiet (IM) Sozialer Alltag, Menschen am Rande der Gesellschaft, Generation 50 plus stark untervertreten. Bei vielen Aggregatoren fehlt dieser Bereich gänzlich. Wie wichtig dies aber umgekehrt für ihre schreibenden Kollegen von "Reporter ohne Grenzen" war, zeigte sich 2006, als unser Blog für den Bob BlogAward als einziger Schweizer Blog nominiert wurde. Wir haben die Top 100 bis heute nie erreicht, lagen immer so zwischen 200 – 300 und sanken dann krankheitsbedingt weit ab. Dieser Tage auf Grund der Technoratibereinigung sogar um weitere 1500 Plätze (als ob uns das wirklich wichtig wäre). 2006 wurden wir von den Kollegen belächelt. Sie, die A-Blogs mit allen Schikanen welche zu dieser Zeit möglich waren, inklusive der Vernetzung via Bloggroll und visueller Bloggertreffen und heimischer Bloparade, kamen nicht zum Zug. Sondern der kleine, unscheinbare Blog Infomagazin, der sich für die Bedürfnisse der Menschen im Schatten der Gesellschaft einsetzt, wurde ausgewählt und erreichte im Finale den dritten Platz in der Gruppe Deutsch. (5000 Blogs).
Meinen persönliche Erkenntnis seit dieser Zeit. Nicht der eigentliche Inhalt zählt, so interessant er auch geschrieben sein mag. Sondern primär die Person. Blogeinträge sollen nicht mehr als 10 Zeilen umfassen usw. sagen die selbsternannten Fachleute. Das Thema Soziales, unabhängig vom Experiment Web 2.0 (Sociales)bewegt viele Menschen. Wir leben täglich mitten drin. Umgekehrt passt das Thema nicht zu erfolgreichen Machern der Jetztzeit. Man verlinkt sich gegenseitig, setzt sich gegenseitig Links, Feeds und was weis ich noch. Ist man in diesem Netzwerk, dann wird man in den Top 100 gefunden. Ist man inmobil, krank, kann die Wohnung nur mehr selten verlassen um an diversen Treffen teilzunehmen, hat noch dazu die Kommentarfunktion gesperrt, weil einem schlichtweg die Kraft und Zeit fehlt alles zu kontrollieren, dann steht man im Abseits. Es gibt durchaus eine Themenvielfalt. Eine Zahl von etwa 30- 40 Topblogs (subjetiv) pflegen sie. Es könnten gerne weit mehr sein. Aber in Wirklichkeit nimmt sich niemand Zeit, auch umfangreichere Beiträge zu Randproblemen zu lesen, die man eben nicht mit 10 Zeilen abhandeln kann.
Ernüchterung. Meinungsstarke Inputgeber und Querdenker in der Blogszene sind an einer Hand abzuzählen. In ihrer Gesamtheit bieten die mehreren Tausend Schweizer Blogs langweiliges Mittelmass. Ein Mittelmass, das sich inhaltlich am Mainstream orientiert, zu dem man als Alternative angetreten ist. Die Blogger wollen primär Erfolg und gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Sicher schreibt man da teils den Pressethemen nach. Man schafft aber auch mit seinen Einträgen Trends wie beim Iphone, Netbooks usw. Nicht selten, um ein paar Franken via Werbung zu verdienen.Das ist durchaus legitim. Kostet doch der Unterhalt der Infrastruktur Geld. Nur die Wenigsten können umgekehrt vom Bloggen alleine leben. Aber auch die Printmedien orientieren sich am Mainstream der News. Sie brauchen ebenso ihre Leser, um Werbung teuer zu verkaufen. Das Ergebnis – gleichlautende Agenturmeldungen in allen Tageszeitungen, finde ich auch nicht erquickend. Recherchieren welche Menschen und Schicksale dahinter stecken, interessiert offenbar niemand. Zumindest lässt es sich nicht gewinnbringend verkaufen. Ein Phänomen dem auch etablierte Hilfsorganisationen und Stiftungen unterliegen. Hilfe ja, solange es nicht zuviel kostet. Vor allem den eigenen Arbeitsplatz.
Ein Schriftsteller wird auch nicht mit seinem ersten Titel in den Top-Ten landen. Ausser er heisst Bohlen. Es braucht alles seine Zeit. Man darf sich nicht beirren lassen und muss sich seinen Weg schreiben. Das ist ja ähnlich der schreibenden Zunft. Umsomehr Sie sich damit (noch) ihr tägliches Brot verdienen.
Eines sind und dürfen die Blogs aber auch künftig nicht sein oder verstärkt werden – ein Echo der klassischen Medien. Denn damit geben die Blogger ihren Trumpf aus den Händen, den sie als neues Medium durchaus erfüllen können. In einem fairen Miteinander und nicht nur in Netzwerken. Ohne tägliche Schwanzvergleiche, wie wir es von den Einschaltquoten der TV-Sender her kennen. Einen BR als positives Beispiel anzuführen ist irreführend. Kein Normalsterblicher würde innerhalb kürzester Zeit, bei einer jährlichen Verdopplung der Schweizer Blogs in die WWW-Sphären die Top 100 erreichen.
Herr Bauer, sie haben es versucht. Sie schrieben zwar kein Bla-Bla-Bla. Aber in der Sache auch nicht unbedingt Neues und weltbewegendes. Am Medium Weblog an sich kann es nicht liegen. Es bietet eine hervorragende, weil einfache und kostengünstige Plattform für Einzelkämpfer, sich mit eigenen Ideen zu profilieren. Und das ist der Punkt Herr Bauer. Dafür gibt es keinen Preis. Worüber berichten Sie ? Welche Namen werden genannt? Auch wir abonnieren Newsletter des Bundes, Medienmitteilungen und diverser Einrichtungen, um unsere eigenen Themen zu kreieren. Vor allem leben wir in diesem Teil der Gesellschaft -täglich 24 Stunden. Ergibt unterm Strich Echtschreibung von der Alltagsfront. (*Zitate D. Bauer) PD
Zum Thema : Blogging Tom / Lupe / SideEffects: Bla-bla-Blogger
h
IM-Mediennachlese
IM-Mediennachlese





